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Hannelore Mitsche ten Bokkel verarbeitet Fundstücke aus dem Eichsfeld

Kunst-Objekte beschwören Heimatliebe Hannelore Mitsche ten Bokkel verarbeitet Fundstücke aus dem Eichsfeld

„Achtung Lebensgefahr“: Das Schild an der halsbrecherischen Stiege, die in den Atelierraum von Hannelore Mitsche ten Bokkel führt, scheint weniger Relikt aus der Zeit des Kalten Krieges denn berechtigte Warnung zu sein.

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Ist nicht auf eine Stilrichtung festgelegt: die gebürtige Holländerin Hannelore Mitsche ten Bokkel in ihrem Atelier im Siebigsfeld.

Quelle: Eckermann

Duderstadt. Denn wer die steile, enge Treppe erklommen hat, wird sofort mit dem Anblick einer getrockneten Kröte konfrontiert, die neben einer nackten Schaufenster-Puppe mit Satans-Hörnern ins Leere stiert.  Und damit nicht genug: In einem Schraubstock steckt überdies die Nachbildung einer menschlichen Hand.

Halloween lässt grüßen? Mitnichten – denn das helle Licht, das durch die großen Dachfenster des Einfamilienhauses im Siebigsfeld hereinfällt, nimmt den teils schaurigen Kunst-Objekten sofort ihren – zugegeben eher kleinen – Schrecken, und auch die Künstlerin selbst versprüht jede Menge Freude am Leben und am künstlerischen Schaffen.

„In meinen Augen ist alles Kunst, fast jeder Gegenstand bekommt bei mir ein zweites Leben, eine neue Funktion. Den Kunstarm im Schraubstock hab ich beispielsweise im Wald gefunden“, sagt Mitschke ten Bokkel, die sich derzeit mit dem Thema „Heimatliebe“ auseinandersetzt.

Ein türgroßes Kunstobjekt mit plattgedrückten Bierflaschen der Marke Heimatliebe zeugt von ihrer aktuellen Schaffensphase. Die Glasflaschen des begehrten Duderstädter Bieres, die hier eher an eine Flunder denn an ein Behältnis für edlen Gerstensaft erinnern, machen neugierig. Wie bringt man die sonst runden, braunen Bügelflaschen in diese Form, ohne sie zu zerstören? „Das erledigt eine befreundete Künstlerin für mich, die hat einen Spezialofen“, sagt Mitschke ten Bokkel lachend.

Was Heimat für sie persönlich ist

Zwei Objekte aus der Reihe Heimatliebe, die bereits fertiggestellt sind, können zurzeit im Schaufenster des Bistros Sabri in der Apothekenstraße betrachtet werden – und zwar eingehend. Denn sie bergen manche Überraschung. „Ich möchte zeigen, was für mich Heimat bedeutet, welche Aspekte dazugehören. Ich war soviel unterwegs, das hat mir gezeigt, dass Heimat auch und vor allem da ist, wo man sich wohl fühlt“, sagt die Künstlerin.

Da ist dann eine Molle zu sehen – Symbol schlechthin für die Tradition der Hausschlachtungen und die hohe Kunst des Würste-Machens. Gefüllt ist der hölzerne Trog mit Fundstücken  aus dem Eichsfeld. Beim zweiten Objekt spielen die Heimatliebe-Flaschen bereits eine zentrale Rolle.

Sie – gemeinsam mit regionstypischen Gegenständen wie Schützenscheiben, landwirtschaftlichem und handwerklichem Gerät – sind an verwitterten Brettern befestigt und vermitteln das Bild bewegter Geschichte. Auch hier gibt die Collage laut Mitschke ten Bokkel eine Antwort auf die Frage, was Heimat für sie persönlich ist: „Sämtliche Produkte, die ich mit meiner Region verbinde. Aber auch der tief verwurzelte Glaube, dargestellt durch ein christlichen Symbol“.

So gleichen die Kunst-Objekte der gebürtigen Holländerin dann nicht selten auch Suchbildern, die bei jedem weiteren Hinschauen Neues entdecken lassen: „Ich möchte, dass der Betrachter immer viele Dinge in meinem Objekt findet“. So kombiniert sie schon mal alte Kontoauszüge und Strafzettel als Flaschenpost mit fast 40 Jahre alten Zuckerstückchen aus Gasthäusern.

Schon als Kind kreativ

Dabei ist die Künstlerin, die 1983 bereits ihre erste Ausstellung im Cophus des Duderstädter Rathauses organisiert hat, nicht auf eine Stilrichtung festgelegt: „Ich probiere mich aus.“ Comics oder der Bügelfisch an ihrer Küchenwand unterstreichen die Vielseitigkeit  und Neugier der Duderstädter Künstlerin.

Mitsche ten Bokkel ist Autodidaktin, hat nie eine künstlerische Ausbildung gemacht. Schon als Kind war sie kreativ: „So mit sechs oder acht Jahren hab ich Scheren- oder Papierschnitte hergestellt. Andere in meinem Alter hat das nicht interessiert.“ Beeinflusst habe sie auch die multikulturelle Gesellschaft: „Ich setze mir keine Grenzen, es hat mich immer schon gereizt, Alltagsgegenstände in eine andere Verbindung zu bringen.“

Skizzen oder Pläne gibt es in ihrem Künstler-Haushalt nicht, oder vielmehr nicht mehr. „Da kommt mir das Atelier zugute. Ich habe eine Idee und kann sie gleich umsetzen. Ich spiele mit Formen und Farben, sammele Gegenstände und irgendwann ist das Bild in meinem Kopf. Als ich meine Arbeitsräume noch in der Innenstadt hatte, musste ich viel mehr planen“, so die Duderstädterin.

Unterstützung bekommt Mitschke ten Bokkel nicht nur von ihrem Mann Jochen, sondern auch von Freunden. „Ich habe viele Menschen um mich herum, die meine Kunst mögen und sie auch in ihren eigenen vier Wänden gern um sich haben.“ Und das sei ja auch Heimatliebe.

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©Richter