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Heimatvereine kämpfen mit sinkenden Mitgliederzahlen

„Wir müssen uns Gedanken machen“ Heimatvereine kämpfen mit sinkenden Mitgliederzahlen

Nach fast 40 Jahren ist die Zukunft des Verkehrs- und Heimatvereins Nesselröden ungewiss. Wegen fehlender Aufgaben und einer ungeregelten Nachfolge ist es fraglich, wie der Verein in Zukunft bestehen kann. Mit diesem Problem steht er allerdings nicht allein.

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Reinhold Frölich vor einer Karte, die der Verkehrs- und Heimatverein Nesselröden selbst erstellte.

Quelle: NR

Duderstadt. „Der Verein hat keine Aufgaben mehr“, fasst Vorsitzender Reinhold Frölich die aktuelle Situation zusammen. Ursprünglich wurde der Verein gegründet, um die Wirtschaft und insbesondere den Fremdenverkehr in Nesselröden zu fördern. „Der Fremdenverkehr ist tot“, formuliert Frölich nun das Hauptproblem. Nach seiner Gründung 1976 legten die Mitglieder des Vereins Wanderwege an und beschilderten sie. Zudem warben sie für Nesselröden. Die Planung und Durchführung von Wanderungen, Fahrten und Festen gehörte ebenfalls zu den Aufgaben. Auch das sei immer weniger geworden. Der Verein habe sich daher vor allem für gemeinnützige Zwecke im Ort engagiert. „Der Platt-Unterricht war ein großer Punkt“, ergänzt Frölich, der zwölf Jahre lang die Plattdeutsch AG an der Grundschule Nesselröden leitete. Altersbedingt gab er dieses Engagement auf. „Die Mitglieder sind zu alt und es kommen keine neuen mehr“, beklagt Frölich die Situation des Heimatvereins.

Das gleiche Problem beschreibt auch Ingrid Müller, Vorsitzende des Heimatvereins Gerblingerode. „Wir waren mal 130 Mitglieder“, sagt Müller. Inzwischen zähle der Verein offiziell noch 52 Mitglieder. „Viele sind verstorben und es ist keiner nachgerückt“, so Müller. Aufgaben habe auch der Verein in Gerblingerode kaum noch. Er existiere „nur noch als Gemeinschaft“. Viele Aufgaben wie etwa das Instandhalten von Bänken übernehme inzwischen die Stadt. „Bald müssen wir uns Gedanken machen“, sagt Müller mit Blick auf die Zukunft des Vereins. Bei den Vorstandswahlen im April zeige sich, wie es mit dem Verein weitergehe. Beim Heimatverein Nesselröden stehe im März ebenfalls eine Generalversammlung mit Vorstandswahlen an, ein Nachfolger habe sich im Vorfeld allerdings noch nicht gefunden, so Frölich.

Nicht nur die Heimatvereine kämpfen derweil mit Nachwuchsproblemen. „Die jungen Leute fehlen, weil sie weggezogen sind“, berichtet auch Wolfgang Müller, Vorsitzender des Musikvereins Gerblingerode. Zwar habe der Verein noch rund 70 Mitglieder, aber es fehle an Musikern, weshalb keine Konzerte mehr gegeben werden. „Seit drei Jahren ruht der Verein“, so Müller. Auch der gemischte Chor in Gerblingerode habe sich bereits aufgelöst, nennt Müller ein weiteres Beispiel für fehlende Mitglieder.

Indes ist nicht überall Mitgliederschwund zu beklagen. Michael Macke, Vorsitzender des Heimatvereins in Hilkerode, zieht für die letzten fünf Jahre eine positive Bilanz. „Erfreulicherweise steigen die Mitgliederzahlen“, so Macke. Besonders freut es den Vorsitzenden, dass auch immer mehr Jüngere dem Verein beitreten. „Es geht bergauf“, so Macke. Zudem sei immer etwas zu tun: Die Mitglieder pflegten die Bänke im Ort, betrieben einen Grillplatz und organisierten Feste und Wanderungen. „Ich sehe gute Chancen, dass der Verein überlebt“, zeigt sich Macke optimistisch. Doch auch er berichtet von Vereinen im Ort, denen es anders ergeht. Ingrid Müller sieht derweil ein klares Muster: Besonders Chöre und Heimatvereine seien mit dem Problem des Mitgliederschwundes konfrontiert. Langfristig brauche es deshalb neue Ideen für Veranstaltungen, die für Jüngere Bürger interessant seien.

Von Finn Lieske

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