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Helfer kümmern sich um Flüchtlinge

Nesselröden Helfer kümmern sich um Flüchtlinge

Die Erstaufnahmeeinrichtung Rosenthaler Hof hat sich geleert, in den Dörfern kümmern sich Integrationslotsen und weitere ehrenamtliche Helfer um Flüchtlinge, die voraussichtlich auf Dauer blieben. In Nesselröden ist seit April ein festes Team aktiv, das die Neubürger betreut.

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Quelle: R

Nesselröden. Bislang 20 Geflüchtete leben in Nesselröden: eine syrische und drei afghanische Familien. Ebenso groß ist die Zahl ihrer Unterstützer. Ansprechpartner sind Ortsbürgermeister Bernd Frölich (CDU), die Ortsratsmitglieder Hartmut Becker (CDU) und Hans-Joachim Bruns-Kaisinger (Grüne), Gita Kleyer-Heinrich und Silke Glowatz-Becker. „Wir haben uns gemeinsam auf den Weg gemacht, um den Start in den Alltag zu erleichtern“, sagt Frölich. Kinderbetreuung, Arztbesuche, Behördengänge müssen gemeistert, Sprachhürden genommen werden.

„Deutsche Formulare sind schon für Einheimische schwierig“, merkt Frölich an. Ein Aushang der Helfergruppe informiert über Dinge, die noch fehlen - von Bettwäsche bis zum Aktenordner. In einen WhatsApp- und Mailverteiler sind Kindergarten und Schule einbezogen, Sascha Engelke hat den Button „Flüchtlingshilfe“ in die Nesselröder Homepage aufgenommen.

Nicht minder wichtig ist die Vernetzung im Ort. Zwei junge Neu-Nesselröder spielen in der Jugendspielgemeinschaft Fußball, andere haben schon beim Spielmannszug hineingeschnuppert, zwei Kleinkinder besuchen ab August den Kindergarten. „Bei den meisten läuft das Asylverfahren noch, Syrer haben gute Chancen, bei Afghanen wird genau geprüft“, sagt Bruns-Kaisinger: „Auch wenn es Fluktuation gibt, wollen wir Strukturen aufbauen.“ Die Resonanz im Ort sei überwiegend positiv: „Mit jedem Alltagskontakt werden Ressentiments abgebaut und Normalität hergestellt.“ Die Arbeit mit den Menschen sei auch für die Helfer ein Gewinn. „Am wichtigsten ist für die Geflüchteten, endlich ohne Angst zu leben“, sagt Renate Mitzinneck: „Alle wollen so schnell wie möglich Deutsch lernen.“

„Integration klappt auf dem Dorf besser als in der Großstadt“, ist Frölich überzeugt. Auch in der Vergangenheit habe es in Nesselröden Asylbewerber gegeben. Wie lange die geflüchteten Familien bleiben, wisse keiner: „Es gibt auch Verwandte, die anderswo leben, das familiäre Netz spielt die größte Rolle.“

Damit die schrittweise Integration weiter so gut gelingt wie bis jetzt, soll die Unterstützergruppe auf noch breitere Schultern gestellt werden. Um die Patenschaften und die Arbeit mit den Familien zu erleichtern, werden noch weitere Helfer gesucht.

Nach langer
 Odyssee im 
Eichsfeld gelandet

Hoffnung geschöpft: Asif Bahrani ist zufrieden und fühlt sich wohl in Nesselröden. Der 17-jährige Afghane ist mit vier Brüdern und seiner Mutter geflohen, sein Vater ist verschollen. Vor mehr als einem halben Jahr ist er in Deutschland angekommen, seit vier Monaten lebt er in Nesselröden und besucht eine Sprachförderklasse an der Duderstädter Berufsschule. Zehn Monate lang hat er im Iran ausgeharrt, wie viele Flüchtlinge im vergangenen Jahr dann von der Türkei den Weg über das Mittelmeer mit einem Schiff nach Griechenland gewagt und sich auf die Balkanroute begeben. Ebenfalls aus Afghanistan stammt Kambiz Samim. Der 30-Jährige war Polizist in Kunduz und musste vor den Taliban fliehen. Gemeinsam mit seiner Frau, zwei Kindern und seinem Bruder, der Soldat in Afghanistan war, hat er sich auf den Weg nach Deutschland gemacht. Jetzt hofft er, hier Fuß fassen zu können und hat auch schon Kontakt zur Duderstädter Polizei geknüpft.

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©Richter