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Hilkeröder Karnevalisten wollen dem Terror trotzen

Büttenabend Hilkeröder Karnevalisten wollen dem Terror trotzen

Als der Braunschweiger Karnvevalsumzug im Februar wegen Terrorgefahr abgesagt wurden, schlossen sich die Pöhlder Narren kurzerhand dem Umzug in Hilkerode an. Dort feierten sie auch am Freitagabend beim Büttenabend mit, bevor der Start in die neue Faschingssession wiederum vom islamistischen Terror überschattet wurde.

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Quelle: Schauenberg

Hilkerode. Bevor die ersten Nachrichten aus Paris durchsickerten,  wurde in Hilkerode ausgelassen gefeiert - zum Auftakt der fünften Jahreszeit, des organisierten Frohsinns in der niedersächsischen Narren-Diaspora. Mit 200 Gästen war der in den Vereinsfarben Rot und Weiß geschmückte Saal im Prinz zum Holztal ausverkauft, 130 Mitwirkende präsentierten ein buntes Programm. Die Bütt spielte nur eine Randrolle. Der Büttenabend sei immer mehr zu einem Tanz- und Partyabend geworden, bestätigt Sven Behrmann, Vorsitzender des Hilkeröder Carnval-Vereins (HCV): "Die jungen Leute wollen weniger Büttenreden." So geleitete Hofmarschall Wille Gleitze immer wieder neue Garden und Tanzgruppen auf die Bühne, begleitet vom Narhalla-Marsch, Helau-Rufen und Raketen.

 
In Hilkerode trugen die 68er Narrenkappen. Der Karneval kam erst in der Nachkriegszeit richtig in Schwung, im Dezember 1968 wurder der HCV gegründet.

 
Über Nachwuchssorgen kann der Verein mit seinen 265 Mitgliedern und fünf Garden nicht klagen. Der Einstieg beginnt im Kindergartenalter. Die Tanzmäuse als jüngste Garde traten gleich nach der Proklamation des neuen Prinzenpaares Christian I. und Stephanie II. (Rust) auf, das bis dato nur der Elferratspräsident kannte. Ausdauer bewies der männliche Nachwuchs bei seiner Playback-Tanzshow: Das Zwergen-Männerballett wechselte immer wieder die Kopfbeckung. Premiere als Piraten feierte die Mini-Garde. Die Liedzeile "Es gab Wasser überall, aber nichts zu trinken", traf an diesem Abend allerdings nicht zu. Früher waren auch Zigaretten selbstverständlich beim Büttenabend. Nach dem Rauchverbot habe es anfangs Bedenken gegeben, das habe sich aber eingespielt, sagt Behrmann.

 

Foto: Schauenberg

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Unterbrochen von Schunkelrunden und kleinen Sketchen folgten Auftritte der Kleinen Garde, der HCV-Frauengruppe, der Teeniegarde, des Mariechen-Duos, der Prinzengarde und des Männerballetts. Schlüpfriges aus ihrem Leben erzählten Else & Otto (Diana Tautenhahn und Petra Macke), die bereits zum sechsten Mal beim HCV-Büttenabend dabei waren. Die eine kommt aus dem Westen und sächselt auf der Bühne, die andere stammt aus dem Osten und spricht Hochdeutsch. Beim Casting in Köln ist das Frauen-Duo vor wenigen Wochen immerhin bis in die Endauswahl gekommen.

 
Einziger echter Büttenredner war wieder Till Eulenspiegel alias Wolfgang Maur, der sich in mehreren Blöcken durch Dorf- und Weltgeschehen reimte - dabei auch ernste Themen wie das politische Chaos im Nahen Osten und die Flüchtlingskrise nicht ausließ: "Der Winter steht nun vor der Tür, Asylverfahren dauern an. Was heißt das heut´für uns nun hier? Wir helfen mit, wo Not am Mann." Der Hilkeröder Bäcker Dirk Wollersen bekam für seinen Fernsehauftritt ("In Hilkerode geht was ab, das zeigt auch unser Bäcker. Die Brownies waren ein wenig schlapp, Focaccia war lecker") ebenso sein Fett ab wie ein im Dorf nicht ganz unbekannter Querschläger: "Polemisch bis zum Gehtnichtmehr, wird alles kritisiert. Ob Stadt, ob Land, stets kreuz und quer, zudem im Dorf noch inspiziert."  Weitere Eulenspiegeleien reichten von Fußball bis zur Kirche: "Die Priesterzahl wird sich halbieren im kommenden Jahrzehnt. Die Kirche muss sich neu formieren, denn auch bei uns wird schon gestöhnt."  Zum ersten Mal nach längerer Pause war beim Büttenabend auch wieder die Geistlichkeit dabei: Pins des HCV, der auch Schals und T-Shirts im Angebot hat, gab es für Pastorin Claudia Edelmann und Pfarrer Markus Grabowski.

 
Närrischen Nachschlag soll es am Sonnabend, 14. November, geben. Der zweite Büttenabend, der ebenfalls ausverkauft ist, soll trotz der Ereignisse in Paris über die Bühne gehen. "Wir werden dem Terror trotzen", sagt Behrmann.

 

300 Gäste feiern Büttenabend mit dem Rüdershäuser Carneval-Club

 

Zum Regierungswechsel kam es in der Mehrzweckhalle in Rüdershausen.  Prinz Jens I. (Passow) und Prinzessin Jasmin I. (Gleitze) übernahmen auf dem Büttenabend das Zepter für die fünfte Jahreszeit. Bürgermeisterin Annegret Lange (CDU) nahm es gelassen.

 

Foto: Richter

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Bevor das gut gehütete Geheimnis um die Karnevalsregentschaft vom Präsidenten des Rüdershäuser Carneval Club (RCC) Joachim Otto gelüftet wurde, hieß es erstmal: „Schnallt Euch an!“. Eine Reise durch die Narrenzeit ist das Motto, das bis zum kommenden Rosenmontag Gültigkeit hat. Mit dem Aufheulen eines Düsenjets startete der Büttenabend, während adrette Stewardessen (die große Garde um Leiterin Melissa Knoll) den rund 300 Zuschauern mit den üblichen Handzeichen vorgaben, wie die Bordkiste zu nutzen sei. Unter Gejohle wurden hunderte Luftschlangen und Ballons durch die Halle gejagt, und in der ausgelassenen Stimmung entwickelte sich ein Flashmob. Schnell wurde es eng auf der Bühne, als alle drei Garden und der Elferrat gemeinsam ihren Einzug tanzten. „Wir haben viele junge Leute im Verein, daher ist auch unser Elferrats-Einmarsch diesmal etwas weniger traditionell“, erklärte der zweite Vorsitzende Dennis Krol schmunzelnd beim Anblick des quirligen Treibens.

 
Zu einem der Höhepunkte des Programms zählte die Travestie-Show von Kim und Roy, alias Thomas und Lothar Finze, die in Badenhausen das Travestie-Theater Carte Rouge betreiben und seit 25 Jahren auch mit internationalen Partnern gemeinsam auf der Bühne stehen. Doch auch die Mitglieder des RCC haben mit ihren närrischen Ideen kräftigen Applaus geerntet. Ebenfalls im Rock, allerdings im schottischen Kilt, sorgten die jugendlichen Qietschboys für Entzücken. Ob die Singlebörse beim Büttenabend dauerhaft fruchten würde, wollte Krol lieber nicht festlegen. Annika Knoll und Jannik Störmer machten dem Star Andreas Bourani Konkurrenz, Joachim Otto und Frank Dornieden übten sich in der massigen Kunst des Sumo-Ringens und der Elferrat beglückte in erotischer Chippendale-Manier mit seinem Männerballett vor allem das kreischende weibliche Publikum. Dazwischen gaben die ­Mini-Garde, die Teenie-Garde und die große Garde schwungvolle und phantasie­reiche Einlagen. Beim Finale wurde es ganz der RCC-Tradition entsprechend wieder eng auf der Bühne, als alle Beteiligten des Büttenabends gemeinsam zur nachfolgenden Tanzveranstaltung bis in die Morgenstunden aufriefen. Für stimmungsgeladenen Sound sorgte Matthias Döring aus Heiligenstadt. ny

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