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Hinter Fachwerkfassaden bröckelt es

Duderstädter Innenstadt Hinter Fachwerkfassaden bröckelt es

Außen hui, innen pfui. So salopp hat keiner der Redner bei der Bürgerinformation im Rathaus formuliert. Den Zustand der Duderstädter Innenstadt haben sie jedoch in diesem Sinne beschrieben.

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„Diese Stadt ist einmalig“: 550 Fachwerkhäuser und ein perfekt erhaltener Stadtgrundriss zeichnen Duderstadt aus, doch der Sanierungsbedarf ist hoch.

Quelle: Thiele

Klare Worte von Verwaltung und Stadtplanern waren auch angebracht, denn nur wenn Mängel benannt werden, gibt es Geld. Mit Macht drängt Duderstadt in die Städtebauförderung, will vom 400-Millionen-Euro-Programm der Bundesregierung für den Denkmalschutz profitieren. Dafür muss der Bedarf deutlich werden – und der ist vorhanden.

550 Fachwerkhäuser gibt es innerhalb des Walls. „Ein perfekt erhaltener Stadtgrundriss, das habe ich noch nie erlebt“, war Dierk Grundmann fasziniert. Er hat für das Braunschweiger Büro „Architektur und Stadtplanung“ die Stadt untersucht. Vom ersten Eindruck hat er sich aber nicht täuschen lassen. „Hinter den Fassaden gibt es ganz erheblichen Sanierungsstau“, führte Grundmann aus. Damit bestätigte er Duderstadts Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU). Der hatte den rund 60 Hauseigentümern im Rathaus zur Begrüßung beschieden: „Ich persönlich finde den Sanierungsbedarf sehr hoch.“

Um dieses Empfinden in konkrete Zahlen zu übersetzen, hatte Grundmann die Innenstadt unter die Lupe genommen. Eine große Zahl sanierungsbedürftiger Gebäude – in den Abstufungen hoch, mittel und gering – hat er registriert, dann aufgrund von Erfahrungswerten geschätzt, wie viele der Eigentümer tatsächlich sanierungswillig sind und daraus schließlich eine Antragssumme hochgerechnet. Das Ergebnis: 6,14 Millionen Euro (für einen Zeitraum von zehn Jahren) sind eine realistische Größe für einen Antrag auf Aufnahme in die Städtebauförderung.

Damit sollen überwiegend private Baumaßnahmen bezuschusst werden, betonte Nolte. So sind gut zwei Drittel der Gelder dafür vorgesehen, konkretisierte Grundmann auf Tageblatt-Anfrage. Lediglich drei öffentliche Baumaßnahmen sind in die Antragssumme eingerechnet: Heimatmuseum und Stadtbibliothek mit jeweils einer halben, die Stadtmauer mit einer Million Euro. In andere Bereiche wie etwa den Stadtpark (Grundmann: „Der ist verwahrlost“), soll aufgrund der Konzentration auf private Vorhaben kein Geld fließen.

Doch noch sind das alles Planspiele. Man stehe erst am Anfang des Verfahrens, erklärte Jana Lessiotis vom Sanierungsträger „BauBeCon“. Die Bremer Firma begleitet fachlich die Bemühungen um Städtebauförderung in Duderstadt. Da stehe man ganz am Anfang, machte sie deutlich. Damit das Geld bewilligt wird, benötige man die Mitarbeit der Hauseigentümer: „Wir brauchen ihre Meinung. Wir brauchen ihre Anteilnahme. Wir brauchen ihre Unterstützung“, betonte sie. Nur so werde nicht nur der Bedarf, sondern auch die Sanierungswilligkeit gegenüber den zuständigen Stellen deutlich. Über eine Aufnahme entscheidet das niedersächsische Sozialministerium. Wir die Förderung bewilligt, werden Zuschüsse über eine Drittelfinanzierung – zu gleichen Teilen von Bund, Land und Stadt – zur Verfügung gestellt.

Dieses Geld sei dann als Initialzündung zu sehen, erklärte Grundmann. Die Hauseigentümer müssten selbst zu entsprechenden Investitionen bereit und fähig sein. Einem Euro Fördermittel stünden erfahrungsgemäß fünf bis sechs Euro Investitionsmittel gegenüber, sagte er auf Nachfrage. Konkreter wurde es bei der Bürgerinformation nicht. Zu Ober- und Untergrenze für eine Förderung könne zu diesem Zeitpunkt ebenso wenig gesagt werden wie über den prozentualen Anteil, erläuterte Nolte.

Jetzt sei entscheidend, dass die Hauseigentümer ihre Sanierungswilligkeit dokumentierten. Dafür werde ein Fragebogen verteilt, auf dem die Hausbesitzer grundsätzliche Angaben machen sollten, erklärte Lessiotis. Nolte appellierte eindringlich, diese Fragebögen auszufüllen. Nur so könne gegenüber Land und Bund die Aufnahme in die Städtebauförderung gerechtfertigt werden. „Eine große Beteiligung wäre ein positives Signal nach Hannover“, so auch Grundmann.
Entscheidend sind die Fragebögen auch in anderer Hinsicht. Nicht die gesamte Innenstadt wird Fördergebiet, sondern nur ein abgegrenzter Bereich. Nach den ersten Untersuchungen ist ein solches Gebiet abgesteckt. Dessen Zuschnitt kann jedoch noch geändert werden, sollten sich aus einem Bereich verstärkt Eigentümer mit Sanierungswünschen melden. Die Hauseigentümer haben also nicht nur das Ob, sondern auch das Wie einer möglichen Bewilligung der Städtebauförderung in der Hand.

Und dass die kommen muss, wurde bei der Bürgerinformation im Rathaus immer wieder betont. „Ich wünsche Ihnen, dass sie reinkommen, denn diese Stadt ist einmalig“, sagte Grundmann.

Von Ulrich Lottmann

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