Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -8 ° wolkig

Navigation:
Historiker Klaus Schmidt zeigt Fotos rund um die Grenze im Eichsfeld

Bilder gegen das Vergessen Historiker Klaus Schmidt zeigt Fotos rund um die Grenze im Eichsfeld

„Es war im Frühjahr 1989 abzusehen, dass die Grenze nicht mehr allzu lange bestehen würde“, sagt Klaus Schmidt, Historiker und ehemaliger Lehrer am Eichsfeld Gymnasium Duderstadt. Aufgrund seiner Vorahnung zog der Hobbyfotograf los, um mit Bildern zu dokumentieren, welches Bollwerk  Deutschland und die Region Eichsfeld 40 Jahre lang teilte.

Voriger Artikel
Senioren-Helferkreises Gieboldehausen auf Reise
Nächster Artikel
Vorweihnachtliches Angebot im Rathaus Duderstadt

Einzigartige  Zeitdokumente wie die „Koffer-Demo“zeigt Klaus Schmidt in seiner Ausstellung.

Quelle: Schmidt

Duderstadt. Zusammengekommen sind Einblicke in die Zeit vor und um den Mauerfall, aber auch Vergleiche entlang der ehemaligen Grenze bis in die heutige Zeit hinein.

„Die Schwester meiner Frau lebte in der DDR. Wir sind oft über die Grenze gefahren“, erzählt der Duderstädter. So seien eigene Eindrücke entstanden, die Schmidt mit den offiziellen Nachrichten aus Zeitung und Fernsehen über Jahre miteinander verglich.

Dass es so schnell gehen würde habe ich nicht gedacht

Sein Fazit: „Es gab mehrere Vorzeichen für den Fall der Mauer. Eines war bereits die vorsichtige Reformpolitik des Gorbatschow-Vorgängers Juri Andropow. Dann die Ereignisse in Polen um die Gewerkschaft Solidarnosc, Umwälzungen in der Tschechoslowakei und Ungarn“, zählt der Historiker auf. Die Wahlfälschung in der DDR im Frühling 1989 habe bereits mit aller Deutlichkeit die Schwierigkeiten des SED-Regimes gezeigt.

Zudem habe die DDR seit Jahren „wirtschaftlich am Tropf der Bundesregierung gehangen“, sagt Schmidt. Überrascht war der Duderstädter dennoch: „Dass es so schnell gehen würde mit dem Mauerfall, habe ich nicht gedacht. Ich hätte mit ein bis zwei Jahren gerechnet.“

Seine Fotografien in Zeiten historischer Umwälzungen seien in der Absicht entstanden, der Nachwelt ein Zeugnis zu hinterlassen. „Wir sollten nicht vergessen, dass hier die DDR-Grenze war, wie sie aussah, damit wir verstehen, was sie für die Menschen in der DDR bedeutete“, meint Schmidt.

Bildliche Vergleiche entstehen

Doch mit dem Mauerfall hörten die Fotografien nicht auf. So sind bildliche Vergleiche entstanden. Schmidt zeigt den kahlen, meterbreiten Todestreifen vor 25 Jahren, und im Gegenzug die gleichen Stellen heute, die beackert oder dicht bewaldet nicht mehr als einstige Grenze auszumachen sind oder zum Grünen Band gehören. Mit der Kamera hat Schmidt auch einzigartige historische Ereignisse festgehalten.

Als Lehrer ist er spontan mit seiner Schulklasse losgezogen, um bei der Eröffnung des Fußgängerübergangs zwischen Duderstadt und Ecklingerode die Grenze zu passieren. Etliche Fotos gibt es unter anderem von der „Koffer-Demo“ im Januar 1990, als tausende Eichsfelder ihre Koffer packten und über den Grenzübergang von Teistungen nach Gerblingerode marschierten. Sie befürchteten einen Stasi-Putsch und wollten zeigen, wie sie zum SED-Regime stehen.

Dokumentiert sind von Schmidt außerdem die Demonstrationen für den Erhalt des Kalibergwerks Bischofferode oder die Menschenkette von Witzenhausen nach Duderstadt für die deutsche Wiedervereinigung.

Mehr Aufnahmen in privaten Haushalten

Schmidt will seine Bilder der Öffentlichkeit vorstellen. „Denn vermutlich schlummern noch viel mehr historische Aufnahmen in privaten Haushalten. Vielleicht haben auch andere den Mut, ihre Zeitdokumente zu veröffentlichen, wenn einer anfängt“, nennt er die Gründe für seine Aktion.

Die etwa 200 Fotos aus dem Eichsfeld und Harz, teils im Großformat, sind von Donnerstag, 6. November bis Freitag, 21. November, im Foyer der Duderstädter Sparkasse während der Öffnungszeiten zu sehen.

Von Claudia Nachtwey

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Herbstfest in Rhumspringe

©Richter