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„Ich fahr nicht mit!“ – Ein mutiger Satz

Gefahren von Alkohol „Ich fahr nicht mit!“ – Ein mutiger Satz

Wie ist das, wenn ein Freund bei einem Autounfall stirbt, was hängt da dran? Nicht nur die Lücke im Freundeskreis, auch Trauer, Wut, Verzweiflung bis zur Depression müssen bewältigt werden.

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Keineswegs staubtrocken: Infomation und Prävention zum Thema Alkohol und Drogen bei Fahranfängern.

Quelle: Thiele

Wie fühlen sich die Einsatzkräfte am Unfallort, wie die Angehörigen? Der Polizist Dierk Falkenhagen vom Duderstädter Polizeikommissariat beantwortet diese Fragen aus eigener Erfahrung. Nicht mit erhobenem Zeigefinger und Moralpredigten eröffnet er die Präventionsveranstaltung zum Thema „Fahranfänger und Alkohol“ am Eichsfeld Gymnasium Duderstadt (EGD). Er erzählt von seinem Freund, der bei einem Autounfall gestorben ist. Das war 1982. Der 18-jährige Fahrer hatte den Unfall überlebt. Man hatte gemeinsam gefeiert, bis sich zwei aus der Gruppe verabschiedeten und noch in die Disco nach Gieboldehausen wollten. Dort kamen sie nie an.

Im Hörsaal 012 des EGD ist es mucksmäuschenstill. Die Oberstufenschüler hätten einen staubtrockenen Vortrag über die Gefahren von Alkohol erwarten können. Doch hier bekommen Medienberichte und Statistiken über jugendliche Unfallopfer ein lebendiges Gesicht durch den persönlichen Bericht des Polizisten. Falkenhagen wirft auch einige unschöne Fotos auf die Leinwand: alles Unfälle aus der Region, die Verursacher Fahranfänger, die Gründe meist Alkohol und Selbstüberschätzung. Für Polizisten und Rettungskräfte zeigen sich bei solchen Einsätzen die Schattenseiten ihres Berufs.
Manche Schüler sind geschockt von den Bildern. „Besser ein schockierendes Bild, das Denkanstöße gibt, als ein echter Schock, wenn man selbst in so einen Unfall verwickelt ist“, sagt der Polizist.

Das Thema „Fahranfänger und Alkohol“ ist viel umfassender als dieser Titel verrät. „Häufig sind gerade die Beifahrer betroffen. Deshalb ist es wichtig, nein zu sagen, appelliert Falkenhagen an die Schüler. „Wer sich traut, seinen Freunden die Stirn zu bieten und nicht bei einem angetrunkenen Fahrer einzusteigen, kann was bewegen“, motiviert er zu Eigenverantwortung. Die Gefahr von Alkoholmissbrauch zeigt sich allerdings nicht nur im Straßenverkehr. „Fast immer, wenn wir zu einem Einsatz gerufen werden, wo es um Schlägereien und Körperverletzung geht, ist Alkohol im Spiel“, verrät der Polizist. Deshalb sei Prävention so wichtig. „Die Zusammenarbeit zwischen Polizei und den Eichsfelder Schulen funktioniert in allen Bereichen sehr gut. Je besser die Aufklärung über den negativen Einfluss von Alkohol und Drogen ist, desto größer ist die Chance, einen Missbrauch zu verhindern“, so Falkenhagen. Nicht zurechtweisen will er die Schüler, sondern den Anstoß zu einer Verhaltensänderung geben. „Wenn ich einen oder zwei von euch dazu bewegen kann zu sagen ,Ich fahr nicht mit‘, dann habe ich schon viel erreicht“, sagt er. Den richtigen Ton scheint er getroffen zu haben, die Aufmerksamkeit im Hörsaal ist groß.

Solche Präventionsveranstaltungen zeigen inzwischen ihre Wirkung. „Die Zahl der Getöteten und Schwerverletzten ist rückläufig“, so Falkenhagen. Die Unfälle, die durch alkoholisierte Fahranfänger verursacht wurden, seien weniger geworden. Dieses Ergebnis ließe sich auf drei Gründe zurückführen: Einerseits legten auch Fahranfänger größeren Wert auf sichere Autos, andererseits greife die 0,0-Promille-Grenze, und nicht zuletzt führe die umfassende Prävention an Schulen mit Aufklärung und Abschreckung dazu, dass ein Umdenken stattfinde. Das erkenne die Polizei auch bei den Gewaltdelikten: „Zwar sind hier die Zahlen drastisch angestiegen, den Grund dafür sehen wir zum Teil allerdings darin, dass die Leute sich eher trauen, etwas anzuzeigen“, erklärt Falkenhagen. Immer noch werden 50 Prozent aller Gewalttaten unter Alkohol- und Drogeneinfluss begangen.
Die Info-Veranstaltung zum Thema „Fahranfänger und Alkohol“ findet regelmäßig am EGD und in den Berufsbildenden Schulen statt – eben dort, wo die Schüler Auto fahren.

Von Claudia Nachtwey

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