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„Ich habe sehr gern gepflegt“

40 Jahre Krankenhausleitung, zehn Jahre Oberin „Ich habe sehr gern gepflegt“

Mehr als 40 Jahre lang hat Schwester M. Cárola Brun das Duderstädter Krankenhaus geleitet. Dabei wollte sie eigentlich nur Pflegerin werden. Die heutige Oberin blickt mit einer Mischung aus Stolz und Bescheidenheit auf das Bäumchen, das zu ihren Ehren vor der Pflegeschule des St.-Martini-Krankenhauses gedeiht.

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Schwester Cárola: „Wenn ich das Gute sehen will, muss ich hinsehen.“

Quelle: Niklas Richter

Duderstadt. 20 Jahre lang hat sie die Einrichtung geleitet, bildete zahllose Pflegerinnen und Pfleger aus und wurde 1995 Teil der Geschäftsführung. Dabei stand für sie ursprünglich die Pflege im Vordergrund: „Ich habe sehr gern gepflegt“, erinnert sie sich an die erste Zeit in Duderstadt, 1966 war das. „Aber ich habe gemerkt, dass ich viele Talente habe“.

Der Orden bildete sie deshalb zur Unterrichtsschwester aus, Brun übernahm 1976 den Aufbau der neuen Pflegeschule in Duderstadt. Die Arbeit mit jungen Menschen hat sie begeistert, erinnert sie sich an Studienfahrten, sprudeln nach einer kurzen Denkpause die mit den Schülern bereisten Orte aus ihr heraus: München, Trier, Freiburg, Wien. „Und jeder Kurs erlebt das anders“, erzählt sie, ein Lächeln huscht durch ihr Gesicht. Ihr Stil kam bei den Schülern gut an: Brun lobt gerne, heute im Krankenhaus tätige ehemalige Schüler geben das zurück, sagen „das hat mir so eine Motivation geben!“.

Was Brun noch wichtiger ist, ist das „dem Menschen Zugewandte“ und meint damit das, was über die reine Pflege hinausgeht: „Wenn ich das Gute sehen will, muss ich hinsehen,“ beschreibt sie das, was sie ihren Schülern vermitteln wollte. Grundsätze, die auch für ihre Arbeit als Oberin ab 2005 galten: „Was macht heute ein christliches Krankenhaus aus? Es ist nicht das Kreuz allein“, findet Brun und nennt tägliche Messen, Krankensakramente und Schwestern, die auch in der Seelsorge tätig sind.

Allerdings findet sie auch: „Die Bedingungen dafür sind heute schwieriger“ und verweist auf den finanziellen Druck, unter dem auch ihr Krankenhaus stehe - „ein Krankenhaus zu führen, ist nicht so einfach, man kann schließlich nicht mehr Geld ausgeben, als man hat.“ Trotzdem ist ihre Bilanz beeindruckend, kurz nach Antritt der neuen Position trieb sie die Zertifizierung des Krankenhauses nach neuesten Standards voran, weniger später folgte das Pflegeheim, zuletzt schob sie den neugegründeten Förderverein für das Krankenhaus an.

Um den Förderverein und um die Seelsorge will sich Brun weiterhin kümmern: „Ich muss jetzt nicht mehr arbeiten, aber ich möchte mich beschäftigen.“ Zugleich will sie sich auch Raum für eine „Neuorientierung“ nehmen: Ein Heft mit Volkshochschulkursen liegt schon ihrem Büro. „Vielleicht frische ich ja meine Sprachkenntnisse auf. Ich muss nur aufpassen, dass ich nicht wieder zu viel mache“.

Von Christoph Höland

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