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Ikonenausstellung im Duderstädter Ursulinenkloster

Die Fenster zum Himmel öffnen Ikonenausstellung im Duderstädter Ursulinenkloster

„Im Glauben, beim Gebet oder während des Fastens gemalt, spiegeln sie die göttliche Wirklichkeit“, sagt Ikonenmaler  Burkhard Klein über die Heiligenbilder, die ihren Ursprung in der orthodoxen Kirche haben.

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Christus-Ikone aus dem sechsten Jahrhundert.

Quelle: Thiele

Duderstadt. Eigentlich müsste es Ikonenschreiber heißen, denn die Bilder werden geschrieben, erklärt der Künstler den etwa 20 Gästen, die am Klosterfrühstück mit Vortrag und anschließender Führung durch die Ikonenausstellung „Fenster zum Himmel“  teilnehmen. Die 75 Werke sind bei Kursen entstanden, die der gebürtige Hesse ausschließlich in Klöstern leitet - seit zehn Jahren auch schon bei den Ursulinen. Teilnehmen darf jeder, der sich dazu berufen fühlt.

„Der richtige Ort gehört zur Ikonenmalerei dazu“, sagt Klein. Die Bilder sprächen weniger die Sinne als den Geist an. Nur, was im Evangelium geschrieben stehe, werde auf den Ikonen dargestellt. Damit seien sie mit dem geschriebenen Wort des Evangeliums gleichwertig.

Einige von Kleins Schülern sind ebenfalls zugegen. Der Duderstädter Karl-Heinz Hülfenhaus hat seit 2008 bei Klein Kurse belegt und zu Hause fleißig weitergearbeitet. „Ich habe inzwischen 120 Ikonen gemalt“, sagt Hülfenhaus.

Pantokrator zum Anfang

Auch Sabina Mitschke, Leiterin des Klosterfrühstücks, hat einen Kurs belegt. „Jeder Anfänger muss bei Burkhard Klein zuerst einen Pantokrator malen“, sagt sie. Das Christusbild, das Jesus als den allumfassenden Herrscher darstellt, hat ebenso wie die meisten Ikonen eine jahrhundertealte Vorlage.

Jedoch würde das Abmalen der Heiligenbilder keine herkömmliche Reproduktion sein. Jede Ikone sei das Wort Gottes und verkünde durch jahrhundertelanges Abmalen jeweils dieselbe Botschaft, ohne zu erstarren, erklärt Klein. „Dennoch bringt jeder Ikonenschreiber seine persönliche Interpretation mit ins Bild“, ergänzt er.

Das wollte Anfängerin Mitschke zunächst nicht glauben, da für sie die Abbilder des Pantokrators auf erstem Blick alle ziemlich gleich aussahen. Heute ist sie ihrem Lehrer dankbar für seine Weitsicht. „Was es wirklich bedeutet, Ikonen zu malen, habe ich gerade durch den Pantokrator gelernt, den alle zum Einstieg malen müssen“, erklärt sie.

Figur wächst unter den Händen des Künstlers
Zunächst werde das Blattgold auf den Untergrund gelegt, dann werden Umrisse und Kleidung gemalt. Ganz zum Schluss entsteht das Gesicht. Die Figur wächst unter den Händen des Künstlers und erhält mit jedem weiteren Schritt mehr Tiefe - bis als letztes Detail in ein scheinbar schlafendes Gesicht die Augen gemalt werden und das Bild einen bestimmten Blick bekommt. „Ich würde meinen Christus unter tausenden sofort wiedererkennen“, sagt Mitschke stolz. Klein bestätigt, dass mit der Entwicklung der Ikone auch der Künstler sich tiefer auf das Glaubensthema einlassen würde, je nachdem, welchen Heiligen er für sich ausgewählt habe.

Zwar sei die Ikonenmalerei an feste Regeln gebunden, jedoch seien die Techniken auch vom jeweiligen Ursprungsland abhängig, erklärt der Fachmann. So sei es möglich, das bestimmte Ikonen kulturhistorische Unterschiede aufweisen würden. Klein zeigt seine Abbilder von Ikonen aus afrikanischen Kulturkreisen. Da hat der Erzengel Michael dunkle Haut und Haare, während die Kleidung in bunten Farben leuchtet.

Auch szenische Ikonen sind in der Ausstellung zu finden, auf denen bis zu 80 Gesichter abgebildet sind. Die älteste Christus-Ikone stammt aus dem 6. Jahrhundert und beeindruckt mit einem deutlich realistischer dargestelltem Gesicht, als die meisten Werke aus späteren Jahrhunderten.

Von Claudia Nachtwey

Die Ausstellung von Burkhard Klein und seinen Schülern ist noch bis Freitag, 24. Oktober, im Duderstädter Uruslinenkloster, Neutorstraße 9, zu sehen.

Geöffnet ist sonntags bis freitags von 10 bis 12 Uhr und von 15 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei. Für die freiwilligen Helfer wird am Sonnabend, 25. Oktober, ab 9 Uhr ein Frühstück mit Resümee zur Ausstellung veranstaltet.

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