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Imker freuen sich über Honig-Rekorderträge

Heißer Sommer Imker freuen sich über Honig-Rekorderträge

„Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben.“ Varroa-Milbe, Faulbrut und das mysteriöse Bienensterben in den USA haben dem Zitat von Albert Einstein in jüngerer Vergangenheit zu unrühmlicher Aktualität verholfen.

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Emsige Bienen, umsichtige Imker: Alle Hände voll zu tun haben Stephan Brößling (links) und Lars Denecke.

Quelle: Mischke

In Mitteleuropa und speziell im Eichsfeld brauchen sich die Imker jedoch noch keine Sorgen zu machen. Der kurze, aber heftige Sommer hat zu hohen Honigerträgen geführt. Und die weißen Flecken im Eichsfeld – Bernshausen, Seeburg, Germershausen, Desingerode, Esplingerode und Brochthausen, wo Hummeln in die Bestäubungsbresche springen – haben nichts mit Bienensterben, sondern mit Mangel an Imkernachwuchs zu tun.

Zurzeit gibt es im Imkerverein Duderstadt, dem sich in den 50er-Jahren die Imkervereine Gieboldehausen und Seulingen angeschlossen haben, 45 aktive Mitglieder. „Die Ein- und Austritte halten sich seit Jahren die Waage“, sagt Vorsitzender Harald Haase, klagt aber über Nachwuchssorgen und Überalterung. Um so mehr freut sich Haase über Neuzugänge wie in Seulingen. Dort war die Imkerei bereits eingeschlafen. Jetzt ist Bürgermeister Lars Denecke (36) in der zweiten Saison dabei, Stephan Brößling (40) schon das dritte Jahr. Und die Bienen-AG an der Grundschule wird auch in diesem Schuljahr fortgesetzt – verbunden mit der Hoffnung auf künftige Nachwuchsimker.

Denecke ist auf die Biene gekommen, als vor wenigen Jahren ein wilder Schwarm in seinen Garten im Ortskern einfiel. „Der Himmel war schwarz vor Bienen“, erinnert sich der Betreiber einer Gartenbaufirma: „Innerhalb einer halben Stunde waren alle in einem Scheunenloch verschwunden.“ Und Deneckes Faszination für die völkerbildenden Insekten war geweckt.
Starthilfe für neue Imker leisten die Imkervereine, in die man schon aus Versicherungsgründen eintreten muss. „Die Mitglieder stellen Neuzugängen auch Startvölker zur Verfügung“, sagt Denecke. Die gebräuchlichste Bienenart in der Region sei die Carnica, die Kärntner Biene. Auf dem Dorf sei eigentlich jeder Garten für Bienenvölker geeignet – wenn die Nachbarn mitspielen. Seine Bienen hat er allerdings hinter der Firmenhalle im Seulinger Gewerbegebiet postiert. „Bienen sind keine domestizierten Haustiere“, betont der Jungimker und Vater von Drillingen: „Sie haben ihre eigenen Gesetze und schwärmen, wenn sie wollen.“

Bevor man als Imker loslegt, sollte man ein paar Fachbücher gelesen haben, sagen Denecke und Brößling: „Der Rest ist größtenteils learning by doing.“ Ihre Frauen haben sie mit dem Buchtitel „Der Wochenend-Imker“ von ihrem Hobby überzeugt, räumen aber inzwischen ein: „Bei Wochenend-Einsätzen bleibt es nicht.“
Jetzt ist es erst einmal ruhig geworden. Das Bienenjahr ist längst vorbei, Ausflüge in die Spättracht zeichnen sich wegen des feucht-kühlen Wetters nicht ab, die Wintersaison hat begonnen. Bereits ab der Mitsommerwende sind die Völker kleiner geworden und haben Eier als Brut für die Winterbienen gelegt. Jetzt haben die Sommerbienen ihr kurzes Leben ausgehaucht, der Honig wurde nach der letzten Schleuderung durch Zuckerwasser ersetzt, die Winterbienen sind mit Ameisensäure gegen die Varroa-Milbe behandelt worden und haben sich in die Stöcke zurückgezogen, wo sie bei Kälte Trauben bilden und dann die Frühjahrsbrut pflegen, aus der neue Sommerbienen werden.

Die Ruhephase haben sich die summenden Kollektive redlich verdient. Bis Anfang August konnten sie bei schwül-warmer Witterung die Honigproduktion laut Haase immens steigern. Der jährliche Honigertrag eines guten Volkes liege bei rund 40 Kilo pro Jahr, berichtet Denecke und schwärmt von „Honig als reinem Naturprodukt“. In diesem Jahr sei der Ertrag fast doppelt so hoch gewesen: „Im langen Winter und feuchtkalten Frühjahr sind in Kombination mit Milbenbefall einige Völker eingegangen, dann haben aber tropische Temperaturen für volle Waben gesorgt.“ Die Abgabe über den Eigenbedarf hinaus regeln die Honigverordnung und die Richtlinien des Deutschen Imkerverbandes.

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©Richter