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Inklusion im Sportunterricht - in Tiftlingerrode seit über zehn Jahren Alltag

Gemeinsam Hindernisse überwinden Inklusion im Sportunterricht - in Tiftlingerrode seit über zehn Jahren Alltag

Der Sportunterricht an der Tiftlingeröder Grundschule St. Nikolaus hat es in sich. Lehrerin Heike Reinhardt hat Bänke kopfüber auf dicken Matten, rollenden Stäben und auf einer Wippe positioniert. Über diese wackeligen „Schwebebalken“ sollen die Schüler nun balancieren.

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Schüler der St. Nikolaus-Grundschule und der Tagestätte St. Raphael beim gemeinsamen Sportunterricht.

Quelle: Richter

Duderstadt/Tiftlingerode. „Ich schaffe das“, ruft Zweitklässlerin Elli und marschiert mit gespreizten Armen über den Balken. Stella glaubt dagegen nicht, dass sie das auch kann, aber Elli nimmt sie an die Hand. Die übrigen aus der Gruppe machen Mut, und nach zwei fehlgeschlagenen Versuchen steht Stella schließlich strahlend auf der Bank und balanciert bis zum Ende des Hindernisses.

Die Kinder der St.-Nikolaus- Grundschule haben an diesem Vormittag Besuch von Kindern aus der Tagesstätte St. Raphael, die in Kooperation mit der Duderstädter Pestalozzi-Schule behinderte Kinder und Jugendliche betreut. Der inklusive Sportunterricht ist ein Konzept, das bereits seit mehr als zehn Jahren zusammen mit der St.-Nikolaus-Grundschule durchgeführt wird: Alle zwei Wochen kommen die St.-Raphael-Schüler nach Tiftlingerode, um gemeinsam zu trainieren. Im Gegenzug besuchen die Tiftlingeröder einmal im Jahr die St.-Raphael-Schüler und sehen sich die Besonderheiten der Einrichtung an, die sich von ihrer eigenen Schule in mancher Hinsicht unterscheidet.

„Sich gegenseitig zu helfen, Berührungsängste abzubauen und voneinander zu lernen, sind die Ziele des gemeinsamen Sportunterrichts“, erklärt Reinhardt. Als die Tagesstätte St. Raphael vor Jahren eine Grundschule zur Kooperation suchte, um Inklusion umzusetzen, bevor dieses Wort überhaupt in den Medien erschien, waren die Tiftlingeröder sofort bereit.

„Der Sportunterricht ist darauf abgestimmt, dass alle Schüler die Aufgaben bewältigen können, wenn sie füreinander da sind“, beschreibt Heidi Urbanik, Erzieherin bei St. Raphael, das Konzept, das dem Unterricht zugrunde liegt. Reinhardt ergänzt: „Alle Kinder haben Vorteile von dem gemeinsamen Sportunterricht und gewinnen Vertrauen zueinander. Die St.-Niklaus-Schüler trauen sich auch zu fragen, warum der gehbehinderte Lukas einen Helm trägt, und die St.-Rapael-Kinder erfahren Akzeptanz.“ Auch die Eltern beider Einrichtungen würden dieses Konzept begrüßen.

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