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Jacqueline Jürgenliemk im Bernshäuser Gemeindehaus über jüdische Gebote

Am Sabbat lassen Orthodoxe das Auto in der Garage Jacqueline Jürgenliemk im Bernshäuser Gemeindehaus über jüdische Gebote

Das Judentum prägt den Alltag viel stärker als das Christentum. Jüdische Kinder verbinden mit ihrer Religion daher weniger Gottesdienste, als etwa das nach den Speisegeboten zubereitete, koschere Essen oder die vielen Feste, berichtete Jacqueline Jürgenliemk, die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Göttingen.

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Quelle: Kumm/dpa (Symbolfoto)

Bernshausen. 30 interessierte Bürger waren im Anschluss an eine ökumenische Andacht mit dem Seulinger Kaplan Pater Cherian und dem Gieboldehäuser Pastor Jens-Arne Edelmann ins Bernshäuser Gemeindehaus gekommen. Nach koscherer Suppe und koscherem Nachtisch sprach Jürgenliemk dort über die Weitergabe des Glaubens an die nächste Generation.

613 Ge- und Verbote leiten die Rabbiner aus den fünf Büchern Moses, der Tora, ab, führte die Mutter von zwei Kindern aus. Das mosaische Gesetz regele alle Bereiche des Lebens. Über das genaue Verständnis werde seit Jahrtausenden kontrovers diskutiert. Orthodoxe Juden hielten sich eng an den Wortlaut, sagt sie. Die liberale Gemeinde in Göttingen orientiere sich dagegen mehr an den Zielen und Zwecken, die sie hinter den Geboten ausmache.

„Am Sabbat, dem wöchentlichen Ruhetag, ist Arbeit untersagt“, nannte Jürgenliemk ein Beispiel. Die Bibel Stufe das Anzünden von Feuer als Arbeit ein. Orthodoxe betätigten daher am Sabbat keine elektrischen Lichtschalter und führen kein Auto. Die Liberalen dagegen betrachteten einen elektrischen Funken nicht als Feuer. Sie würden mit dem Auto fahren, wenn sie anders nicht zum Gottesdienst kämen.

„Prägend für die Kinder ist auch die stete Erinnerung an Verfolgung“, führte Jürgenliemk aus. In jedem Gottesdienst werde der sechs Millionen Juden gedacht, die im Dritten Reich ermordet worden sind. Verschiedene Feste hielten die Erinnerung an Unterdrückung wach. So gedächten Juden beim Passah-Fest an die Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten.

Die Christen in Bernshausen fragten nach Ehen zwischen Juden und Nichtjuden. Orthodoxe würden solche Verbindungen ablehnen, antwortete Jürgenliemk. Liberale seien skeptisch, da die Weitergabe des jüdischen Glaubens nicht gesichert sei. Eine Herausforderung sei insbesondere, dass die Kinder einer nichtjüdischen Mutter selbst bei einer jüdischen Erziehung als Nichtjuden gelten würden. Die jungen Menschen müssten später konvertieren.

Von Michael Caspar

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