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Jan Philipp Wölbern deckt Hintergründe zum Freikauf von DDR-Häftlingen auf

Menschenhandel mit dem Klassenfeind Jan Philipp Wölbern deckt Hintergründe zum Freikauf von DDR-Häftlingen auf

Was kostet ein Mensch? Pauschalierte Preise legen fest: 40 000 DM der normale Satz pro Kopf, Sondersätze bis zu 150 000 DM. Wie lukrativ der Handel mit DDR-Häftlingen in die BRD seit den 1960er-Jahren bis zum Mauerfall für die marode DDR-Wirtschaft war, beschreibt Jan Philipp Wölbern vom Zentrum für  zeithistorische Forschung Potsdam in seinem Buch „Der Häftlingsfreikauf aus der DDR 1962/63 – 1989“.

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Wölbern hat seine Studie zum Häftlingsfreikauf veröffentlicht.

Quelle: EF

Teistungen. Bei seiner Lesung in der Bildungsstätte des Grenzlandmuseums Eichsfeld stellt Wölbern klar: „Die Bundesregierung stabilisierte mit den Freikäufen die DDR-Wirtschaft. Aber hier lag auch ein humanitärer Akt zugrunde.“

1962 kam es erstmals zu Verhandlungen zum Freikauf von Studenten, die wegen Fluchthilfe verhaftet worden waren. Die Freikäufe galten als Gegenleistung zu den Kreditwünschen der DDR an die BRD. Wölbern zeigt nach akribischer Archivarbeit im Rahmen seiner Dissertation auf, dass das SED-Regime zunehmend „politische Häftlinge produzierte“, um Reibach mit der BDR zu machen.

In den 70er und 80er-Jahren hatten diese zwar geheim gehaltenen, aber doch in der westdeutschen Presse veröffentlichten „Handelsbeziehungen“ zwischen den beiden deutschen Staaten zur Folge, dass DDR-Bürger sich absichtlich als „Politische“ verhaften ließen, um dann von der BRD freigekauft zu werden. Die Freigekauften wurden in vor der DDR-Bevölkerung geheim gehaltenen Bussen in die BDR ausgeliefert – für viele die lang ersehnte Ausreise in den Westen.

Auch Alexander Bauersfeld war einer der Freigekauften und ist zur Lesung von Hannover ins Eichsfeld gekommen. „Der Jubel in den Bussen beim Passieren der Grenze war unbeschreiblich. Viele hatten Tränen in den Augen“, sagt der Ex-Häftling, der  sich nun in der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft selbst für ehemals Verfolgte einsetzt.

Bauersfeld lobt die Studie Wölberns, die bei Vandenhoeck und Ruprecht erschienen ist, wegen der ausführlichen und wissenschaftlichen Recherche. Tatsächlich liest sich das Werk fast wie ein Agentenkrimi, deckt politische Verwicklungen auf und zeigt ein Bild aus Zeiten des Kalten Krieges, das bisher kaum erforscht ist. Viele Quellen sind vernichtet worden oder bis heute nicht zugänglich.

Von Claudia Nachtwey

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