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Einmal deutsches Leben im Schnellkurs

Jugendhilfe Südniedersachsen Einmal deutsches Leben im Schnellkurs

Seit Februar kümmert sich das Fachteam „Junge Flüchtlinge III“ der Jugendhilfe Südniedersachsen (JSN) um Betreuung und Integration jugendlicher Geflüchteter im Untereichsfeld. Eine erste Bilanz des neuen Koordinators Fabian Scholz zeigt: In Rhumspringe wie auch in Duderstadt läuft es rund.

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Duderstadt. Zwischen 15 und 18 Jahren alt seien die jungen Männer, die im Eichsfeld in Wohngemeinschaften lebten, erklärt Scholz, der die Koordination des Fachteams junge Flüchtlinge III innehat. „Jeder hat seinen eigenen Hintergrund“, sagt der 34-Jährige. So seien Syrer, Afghanen und Eriträer ebenso wie Iraker unter den Geflüchteten - jeder aus seinem eigenen familiären, religiösen und kulturellen Umfeld. Stress gebe es deshalb nicht. Ein Grund dafür, glaubt Scholz, sei das System, das einen Betreuer für maximal vier Jugendliche vorsieht. „Das ist ein sehr guter Betreuungsschlüssel“, erklärt Scholz. Ein weiterer könnte die Alltagsorganisation sein, in der die Jugendlichen durch die Fachleute unterstützt würden.

Sprachkurse, Behördengänge, Arztbesuche, Schule und Verein

„Wir vermitteln einmal das komplette Leben in Deutschland“, erklärt Scholz die Arbeit der JSN: So würden gemeinsam mit den Jugendlichen Wochenpläne aufgestellt, in denen Sprachkurse und alltägliche Abläufe vorgesehen seien: Behördengänge, Arzttermine und tägliche Aufgaben gelte es zu koordinieren. Hinzu komme die Vermittlung von Grundwerten und Verhaltensregeln, von Verkehrsregeln und Umgang mit dem Geld, das den Jugendlichen nach dem Jugendhilfe-Gesetz zusteht.

Unterstützung durch Sportvereine

Außerdem kümmerten sich die JSN-Kräfte darum, die JUgendlichen in ein Netzwerk einzubinden. Die Vereine in der Region spielten dabei eine große Rolle. Gerade Sportvereine wie TV Jahn Duderstadt und JfV Eichsfeld böten starke Unterstützung. „Die Jugendlichen werden nicht einfach irgendwo angemeldet“, sagt Scholz. Stattdessen werde auf die persönlichen Interessen und Talente geschaut und ausprobiert, was ihnen liegt. Cricket beispielsweise werde stark nachgefragt, aber im Eichsfeld nicht angeboten. Also habe das JSN-Team sich in Göttingen nach einem Verein umgesehen - und sei fündig geworden.

Strukturiertes Umfeld schaffen

„Ein strukturiertes Umfeld und die Einbindung in die Gemeinschaft sind das A und O“, sagt Scholz. Überreden müsse man die Jugendlichen nicht, zur Schule oder zum Sprachkurs zu gehen, sich sportlich zu betätigen oder sich in der Freizeit anderweitig zu engagieren. „Motiviert sind sie alle“, sagt Scholz. Das zeige sich auch im Zusammenleben in den Wohnungen: Probleme mit Dreck oder Unordnung gebe es nicht, sagt Scholz - obwohl es sich um Jugendliche handele „wie alle anderen auch“.

Unterstützt würden die JSN-Mitarbeiter durch Dolmetscher. „Sie sind direkt vor Ort“, berichtet Scholz. 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche sei jemand erreichbar, falls die Notwendigkeit zum Übersetzen bestehe. Das erleichtere die Arbeit sehr: Indem die Sprachbarriere überwunden wäre, sei es einfacher Vertrauen zu den Betreuern aufzubauen, insbesondere, da ein Großteil der Jugendlichen traumatisiert nach Deutschland komme. Es sei nicht die Aufgabe, der JSN, diese Traumata aufzuarbeiten - dafür seien andere Stellen speziell ausgebildet - dennoch müsse Rücksicht darauf genommen werden, wenn bei einem Jugendlichen die Vergangenheit „hochkäme“. Strategien, damit umzugehen, seien „so viel Sport wie möglich“ und der Blick nach vorn in die Zukunft. „Ein Schulplatz für jeden wäre schön“, sagt Scholz. Auch würde er sich wünschen, dass die jungen Männer die Chance bekämen, ihre Träume zu verwirklichen. Einige hätten nämlich ganz klare Ziele - nun würden unter anderem Praktikumsplätze gesucht.

Fachteam junge Flüchtlinge III

Bereits seit 2011 sei die JSN mit zwei Fachteams in Göttingen und Hann. Münden tätig gewesen, berichtet Scholz. Anfang des Jahres habe sich herauskristallisiert, dass diese Standorte nicht mehr ausreichen würden, um den Bedarf zu decken. Also sei die Außenstelle Rhumspringe eingerichtet worden, weitere sind im Bereich Northeim und Osterode tätig. Seit April ist die JSN auch in Duderstadt angesiedelt. 20 junge Männer leben in Rhumspringe, 24 im Duderstädter Stadtgebiet. Sie werden von dem Team betreut, dass Scholz gemeinsam mit Saskia Schrader kommissarisch leitet. Dabei habe er die koordinatorischen Aufgaben inne, sagt Scholz, Schrader kümmere sich um die Betreuungsfragen.

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©Richter