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Jugendliche Onliner planen Schülerfirma

Über die Schule hinaus Jugendliche Onliner planen Schülerfirma

Stundenpläne, Vertretungspläne, Mensa-Angebote – das alles ist am Eichsfeld-Gymnasium Duderstadt (EGD) online abrufbar, sogar mit eigener App (Kurzform für Applikation – Anwendungsprogramm). Der Vorteil: Die Einträge sind für Schüler und Lehrer von überall abzufragen und können jederzeit aktualisiert werden.

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Haben die EGD-App programmiert und Online-Stundenpläne entworfen: Jonas Dittrich, Benjamin Ledel und Nils Kewitz.

Quelle: Blank

Programmiert wurde die App nicht von einem professionellen Anbieter, sondern von EGD-Schülern, die nun mit ihren Online-Angeboten eine Schülerfirma gründen wollen.

„Unsere Vorbilder sind Philipp Ballhausen und Markus Werner“, sagt Benjamin Ledel und erinnert an die beiden ehemaligen EGD-Schüler, die während ihrer Schulzeit die gesamte Schulbuchausleihe online organisiert haben und diese auch heute noch betreuen. Nun ist Benjamin mit seinen Mitstreitern Nils Kewitz und Jonas Dittrich – alle 11. Jahrgang – auf dem besten Weg, mit den eigenen Online-Produkten an diesen Erfolg anzuknüpfen.

„Benjamin kann alles programmieren, er ist das Hirn unserer Gruppe“, lobt Jonas seinen Mitschüler. Auch Jonas und Nils sind fit in Online-Fragen, aber Jonas fühlt sich in einer geplanten Schülerfirma eher für die Verwaltung zuständig, während Nils sich auf das Texten konzentrieren will. Eine neunköpfige Design-Abteilung gibt es auch schon. „Das sind Leute, die sich gut in Sachen Photoshop auskennen und Hintergründe oder Graphiken für Websites erstellen können“, erklärt Benjamin.

Den Nutzen dieser kreativen Arbeit trägt bereits die Schule. „Die Gruppe hat die Stundenpläne online so eingestellt, dass Schüler über den Namen ihrer Klasse und Lehrer mit ihrem Kürzel jederzeit Zugriff haben. Dazu steht nun ein Touchscreen im Lehrerzimmer, so dass auch der Vertretungsplan jederzeit von Lehrern aktualisiert werden kann“, erklärt Informatiklehrer Rigobert Nolte, der die Gruppe betreut. Zwei weitere Bildschirme hängen in der Pausenhalle – einer zeigt den Vertretungs- und Mensaplan, der andere informiert über allgemeine schulinterne Dinge.

„Da stellen wir zurzeit die Bilder vom Schüleraustausch in Rumänien ein, aber auch, wenn jemand beispielsweise seinen Schlüssel verloren hat“, erklärt Nils.

Schülerfirmen haben eine lange Geschichte: Bereits in den 1920er-Jahren haben Lehrlinge ihre selbst hergestellten Waren auf Märkten verkauft und die damit verbundenen Geschäftsvorgänge unter Anleitung des Meisters selbst organisiert. Heute gibt es Schülerfirmen in vielen schulischen Bereichen: In Schülercafés, Kiosken oder bei der Hausaufgabenhilfe organisieren Schüler in unternehmensähnlichen Strukturen ihre Angebote und Produkte. Zu den Vorteilen zählen die Vorbereitung auf das Berufsleben, Stärkung von Kompetenzen, Selbstvertrauen, Persönlichkeitsentwicklung und die Fähigkeit zu eigenverantwortlichem Handeln.

Am EGD gibt es bereits eine Schülerfirma. Die Print-Poems sind für die „Textilveredelung“ –  wie sie ihr Schaffen bezeichnen – verantwortlich, bedrucken die Schul-T-Shirts und verschiedene Merchandising-Produkte der Schule. Auch außerschulische Aufträge nehmen sie an, beispielsweise von einem Sportverein, der Trikots bedrucken lassen wollte.

Ein Volltreffer der drei Onliner sei die EGD-App für das Handy, sind sich Benjamin, Nils und Jonas einig. „Hier gibt es alle Informationen, die die Schule betreffen, und das kann von jedem Ort aus aktualisiert und diskutiert werden“, nennt Jonas die Vorteile. Das funktioniere wie ein Mini-Facebook. „Der Austausch hilft uns auch weiter, weil wir schnell darauf aufmerksam gemacht werden, wenn etwas nicht funktioniert oder verändert werden sollte“, stellt Nils fest. Die App haben die Jugendlichen in den Freistunden in der Schule programmiert.

Die Pläne gehen weiter: „Mobiles Lernen ist nur möglich, wenn alle über die gleiche Software verfügen, und zwar nicht nur in der Schule“, betont Benjamin und hat sich bereits Gedanken gemacht, wie dieses Problem zu lösen sei. „Wenn alle Schüler einheitliche Tablets hätten, könnte für alle die gleiche Software installiert werden“, schlägt er vor. Aber die Idee sei noch nicht zu Ende gedacht, wirft Nolte ein, da auch die Kostenfrage geklärt werden müsse.

Um mit ihrem Fachwissen ein reales Unternehmen zu gründen, fehlt den Schülern vor allem noch ein gewichtiger Partner und Sponsor. „Wir sind noch nicht volljährig und somit nicht geschäftsfähig“, sagt Benjamin. Gespräche mit eventuellen Partnern liefen bereits.

Dass ihre Schülerfirma Früchte tragen wird, davon sind die Jugendlichen überzeugt – schließlich brauchten auch andere Firmen und Institutionen neue Homepages, Apps und Online-Verknüpfungen. Und für Firmen-Nachwuchs sorge man selbst: Benjamin bietet bereits eine AG am Gymnasium an, in der Schüler von der sechsten bis zehnten Klasse das Programmieren lernen. „Von schulischer Seite bekommt die neue Schülerfirma jedenfalls alle Unterstützung, die sie braucht“, betont Nolte, der, wie die Schulleitung, vom Erfolg der Idee überzeugt ist.

Von Claudia Nachtwey

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