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Diebstahl und Tritte gegen den Kopf

Jugendschöffengericht Duderstadt Diebstahl und Tritte gegen den Kopf

Zu einer Strafe von zwei Jahren auf Bewährung sowie 300 Stunden gemeinnütziger Arbeit hat Richter Michael Pietzek eine Angeklagte vor dem Jugendschöffengericht Duderstadt verurteilt.

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Duderstadt. Sie hatte schweren Diebstahl, Urkundenfälschung, Computerbetrug, Körperverletzung und Falschaussagen gestanden. Die Staatsanwaltschaft warf der jungen Frau schweren gemeinschaftlichen Diebstahl in Tateinheit mit schwerer gemeinschaftlicher Urkundenfäschung sowie schwerem gemeinschaftlichem Computerbetrug vor. So habe sie gemeinsam mit ihrem Freund zwischen dem 21. Dezember 2015 und 4. Januar 2016 einen Kunden des Pflegedienstes, bei dem sie arbeitete, bestohlen. Dafür habe sie ihrem Freund den Schlüssel zu ihrer Arbeitsstelle gegeben und ihm verraten, wo er den Schlüssel zur Wohnung des Kunden finde.

Gemeinsam sei das Duo zur Wohnung des Kunden gefahren, wo die Angeklagte im Auto wartete, während der Freund die Wohnung aufschloss. In der Wohnung habe er drei Geldkassetten gefunden, die er im Auto auf dem Weg nach Duderstadt aufbrach. Darin hätten sich Papiere, Überweisungsträger und ein Umschlag mit 1800 Euro befunden, berichtete die Angeklagte. Nachdem das Bargeld verbraucht gewesen sei, habe das Duo die Überweisungsträger genutzt, um an weiteres Geld zu kommen.

Dabei sei ein erster Versuch, 1300 Euro zu überweisen, zwar schief gegangen, bei drei weiteren sei aber Geld geflossen. So hätten die beiden am 15. Februar 2016 auf das Konto einer Bekannten 2500 Euro überweisen lassen. Die aber habe ihnen das Geld nicht ausgezahlt. Deshalb starteten sie am 16. und 22. Februar weitere Überweisungen von 2500 und 1200 Euro auf das Konto eines anderen Bekannten, der im Gegenzug insgesamt 700 Euro behalten durfte. Wie die Angeklagte bestätigte, habe sie die Überweisungsträger ausgefüllt und ihr Freund die Unterschrift gefälscht.

Körperverletzung

Verhandelt wurden auch zwei Fälle von Körperverletzung, eine davon nach Angaben des Staatsanwalts in lebensbedrohender Weise. Dabei habe der Freund der Angeklagten nach Angaben der Staatsanwaltschaft das Opfer zu einem Treffpunkt bestellt, um diesen zusammenzuschlagen. Die Tat, an der vier Personen beteiligt gewesen seien, sei am 27. März 2016 um 0.20 Uhr ausgeübt worden. Die Angeklagte erklärte, dass das Quartett zunächst privat Wodka getrunken habe, ehe es zum Treffpunkt aufbrach.

Was zunächst geschah, habe sie nicht gesehen, da sie mit einem der vier Beteiligten etwas später am Treffpunkt eintraf, weil sie unterwegs mit diesem noch einen Joint geraucht habe. Zu dem Zeitpunkt habe dieser bereits auf dem Boden gelegen, während der vierte Beteiligte auf ihm saß. Sie räumte ein, dass sie dem wehrlosen Opfer mehrmals gegen den Kopf getreten habe. Als dessen Freundin sie an den Haaren wegziehen wollte, habe sie dieser außerdem einen Faustschlag versetzt.

Erst falsch ausgesagt, dann korrigiert

Beim Anhörungstermin zu der Körperverletzung am 10. Mai 2016 machte sie zunächst eine uneidliche Falschaussage, die sie aber zwei Tage später bei der Polizei korrigiert habe. „Es war das erste Mal, dass ich vor Gericht war“, sagte sie. „Ich wusste nicht, wie ernst das war.“ Sie gab zu, dass sie sich mit ihrem Freund abgesprochen habe, um möglichst gut aus der Sache herauszukommen.

Trotz der Geständnisse dürfe die Sicht der Geschädigten nicht vernachlässigt werden, erläuterte der Richter sein Urteil, auch wenn er davon abgesehen habe, diese einzuladen. An das Urteil knüpfte er zahlreiche Auflagen, unter anderem eine ambulante Drogentherapie, eine Schuldnerberatung und den Besuch des Jobcenters, wo er sie unterstützen wolle, in ein Sonderprogramm zu kommen.

Da die Angeklagte zurzeit mehr Zeit als Geld habe, seien die 300 Stunden gemeinnütziger Arbeit angemessen. Darüber werde aber ein gesonderter Beschluss erfolgen. Die Vermögensabschöpfung werde das weitere Vollstreckungsverfahren zeigen. Dass sich die Angeklagte mittlerweile von ihrem Freund getrennt habe, sei ein Schritt in die richtige Richtung, so der Richter. Er wies sie auch darauf hin, dass sie bei Nichteinhaltung der Auflagen mit ernsten Konsequenzen rechnen müsse. „Sie sind selbst für Ihr Leben verantwortlich“, sagte Pietzek. "Das müssen sie einsehen.“

Gesetz an EU-Recht angepasst

Seit 1. Juli greift eine Gesetzesänderung im Strafrecht, angepasst an europäisches Recht. Sie erleichtert dem Staat die sogenannte Vermögensabschöpfung. Das bedeutet, dass der Staat Vermögen, das aus kriminellen Handlungen stammt, leichter einziehen kann – auch, wenn dieses vererbt wurde. Die Gesetzesänderung hebt darüber hinaus die Beschränkung auf bestimmte Straftaten auf ebenso wie den klaren Nachweis dafür, dass das Vermögen aus einer bestimmten Straftat stammt. Deshalb muss bei jedem Delikt das durch den Täter jeweils Erlangte festgestellt werden. Hat der Täter kein Geld beziehungsweise anderes Vermögen, beantragt die Staatsanwaltschaft eventuell sogar die Insolvenz für ihn.  

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