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Jugendseelsorger Martin Tigges bietet Online-Sprechstunde an

Hilferufe übers Internet Jugendseelsorger Martin Tigges bietet Online-Sprechstunde an

Kontaktaufnahmen mitten in der Nacht, in Tränen aufgelöste Menschen, die sich umbringen wollen, aber auch fassungslose Hinterbliebene nach einem Suizid: Um alle diese Menschen kümmert sich der Jugendseelsorger des Untereichsfeldes, Martin Tigges (41). Über Facebook ist der Priester leicht zu erreichen.

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Quelle: dpa (Symbolfoto)

Duderstadt. „Vor fünf Jahren, als ich in Braunschweig als Kaplan anfing, habe ich mir mein erstes Smartphone gekauft“, erzählt Tigges. In sozialen Netzwerken stellte er sein Profil ein, bot Internetseelsorge an. Bald fragten die ersten jungen Menschen um Rat. „Rasch war klar, dass ich diese Arbeit nicht so nebenbei beim Kochen machen kann“, sagt der Priester.

Weil sich die Anfragen zudem häuften, richtete er wöchentlich eine verlässliche Online-Sprechstunde an. Oft sitzt er länger, tippt mit einem Finger auf seinem Handy Fragen und Antworten.

Eine Kontaktaufnahme über das Internet falle vielen leichter als der Griff zum Telefon, meint der Priester. Manche könnten gar nicht sprechen, wie etwa ein Ratsuchender, der gerade am Kehlkopf operiert worden sei. „Bei Facebook können die jungen Leute zudem sehen, ob ich ihre Nachricht gelesen habe“, nennt Tigges einen weiteren Vorteil. Er hat den Tag über sein Smartphone im Blick. Er teilt Ratsuchenden kurz mit, wann er sich zurückmelden wird.

„Es gibt Fälle, wo ich sofort reagieren muss“, berichtet der Seelsorger. Auf Wunsch besucht er die Menschen auch vor Ort. Meistens heißt es dann zuhören. Tigges will verstehen, warum jemand in eine Sackgasse geraten ist. „Dann helfe ich ihnen, den Wendehammer zu finden“, erklärt er. Der Geistliche weist auf Einrichtungen hin, die bei Süchten oder psychischen Erkrankungen, bei häuslicher sexueller Gewalt oder bei Beziehungsproblemen helfen.

„Manche geraten immer wieder in hoffnungslose Situationen“, nennt der Priester eine Herausforderung. Je früher sie sich meldeten, umso besser. Es gelte erneute Abstürze zu verhindern. „Durch diese Arbeit lerne ich das Leben in allen Facetten kennen“, führt Tigges aus. Ganz real erlebe er, zu was für Wendungen es kommen könne. Manches belastet ihn auch selbst. Er betet dann, feiert die Messe und bespricht sich auch mit seinem geistlichen Beirat.

mic

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©Richter