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Keine Gruppenarbeit in der 6b

Klassenraum dient als Wahllokal Keine Gruppenarbeit in der 6b

Sonntags herrscht in der Astrid-Lindgren-Schule in Duderstadt üblicherweise Stille. Nicht so am 11. September. Wo sonst die Schulhefte der Kinder in der 6b rascheln, knistern die bunten Wahlbögen in den Kabinen.

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Die Wahlhelfer-Familie Kewitz mit Christian Schönekeß.

Quelle: NE

Duderstadt. Wo sonst Mathe, Sport und deutsch auf dem Stundenplan stehen, ist an diesem Tag Kommunalpolitik angesagt. Wo sonst "Fr. Osburg" den Ton angibt, zählt allein der individuelle Wählerwille. Das erfahren auch bald die älteren Damen, die sich gegenseitig in der Wahlkabine auszuhelfen versuchen. "Bitte wählen Sie jede für sich", macht Sandra Kewitz die Frauen darauf aufmerksam, dass das Kreuzchenmachen keine Gemeinschaftsleistung ist.

Die falsche Brille

"Ich habe die falsche Brille auf", entschuldigt sich eine der Damen. "Wenn jemand etwas nicht lesen kann, helfen wir gern", sagt die Wahlhelferin. Auch als eine Frau sich nicht sicher ist, wie viele Kreuze sie auf welchem Bogen setzen soll, erklärt sie, was zu tun ist. "Wo sie ankreuzen, entscheiden Sie bitte allein."
Kewitz verbringt den Sonntag mit der Familie. Sie sitzt gemeinsam mit ihrem Mann Thomas und den Söhnen Florian und Tobias in der Astrid-Lindgren-Schule. Tobi darf noch nicht Wahlhelfer sein, er ist mit 11 noch zu jung. Sonst würde er wohl auch schon mit anfassen: Wahlbenachrichtigungen prüfen, Namen auf der Liste abgleichen, Ausweise kontrollieren, Stimmzettel Falten und ausgeben, Wahlkabinen zuweisen und erklären, welche Urne für welchen Zettel gedacht ist - das sind die Aufgaben der Wahlhelfer, freundliche Begrüßung und kleine Scherze die Kür.

"Da braucht man ja einen Origami-Kurs zum Zusammenfalten"

Bei den vielen freundlichen Gesichtern, die ihnen an diesem sonnigen Vormittag entgegentreten, dürfte es den Wahlhelfern nicht schwer fallen, bei bester Laune zu arbeiten. Bekannte, die sich bereits vor der Tür begegnet sind, kommen plaudernd in den Raum, Erwachsene bringen ihre Kinder mit, für die die Wahl etwas Besonderes ist. Und beinahe im Minutentakt fallen Kommentare über die Stimmzettel. "Da braucht man ja einen Origami-Kurs zum Zusammenfalten", "Oh, Schweinchenrosa", "So viele Kreuze, das grenzt ja an Sonntagsarbeit." Wählen soll Spaß machen. Die Stimmzettel tragen bei dieser Kommunalwahl dazu bei.

Dreimal hier, einmal dort

Ein Kreuzchen hier, drei Kreuze da: Die Wahlzettel bergen Erklärgungsbedarf

Ein Kreuzchen hier, drei Kreuze da: Die Wahlzettel bergen Erklärgungsbedarf

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Der Ort der Lästereien über die Stimmzettel ist der Vorraum. Und der Platz, an dem sich Wähler nach dem Urnengang austauschen. "Beim Landrat konnte ich mich nur schwer entscheiden", sagt ein Wähler zu seiner Frau. "Manche Namen habe ich noch nie gehört", ein anderer.Während sie die Schule verlassen, betreten die nächsten bereits den Flur, um sich zu informieren, bevor sie die 6b betreten.

Dort sind Muster der Wahlzettel ausgehängt. "Hier darfst Du einmal, da dreimal ankreuzen", erläutert ein Mann mit Brille seiner Frau. "Und wenn ich hier schon drei Kreuze gemacht habe, muss ich hier unten nichts mehr ankreuzen?", fragt sie. Piraten, NPD, Alfa und AfD stehen auf dem Stimmzettel zur Kreiswahl in zweiter Zeile. Ob das eine andere Wahl sei? "Nein, drei Kreuze pro Zettel." "Auch beim gelben Zettel?", fragt später eine Frau. "Nein, wir brauchen nur einen Landrat", sagt eine andere lachend.

Das kleine Kommunalpolitik-Einmaleins gibt es an diesem Sonntag gratis dazu in der Astrid-Lindgren-Schule.

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©Richter