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Kennzeicheninitiative: Kommt DUD zurück?

Heilbronner Professor mit Marketingidee Kennzeicheninitiative: Kommt DUD zurück?

Seit der Gründung des Großkreises Göttingen vor fast 40 Jahren werden sie nicht mehr ausgegeben, die Autokennzeichen des Duderstädter Altkreises. Jetzt verbreitet sich deutschlandweit eine Initiative, die die alten Nummernschilder als Plattformen regionaler Identifikation wieder einführen will. Kommt DUD zurück?

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Ey, DUD kommt vielleicht zurück: Franz Schenke braucht das neue alte Kennzeichen gar nicht. Den Ford Taunus 1,3 XL hat er schon seit 1972.

Quelle: Thiele

Nur hin und wieder sieht man sie noch, die alten Trecker und Oldtimer, die noch die drei Buchstaben aus vergangenen Zeiten tragen. Doch geht es nach dem Vorschlag des Heilbronner Volkswirtschaftlers Ralf Bochert, kommen die alten Kennzeichen in Orten, die sie wie Duderstadt im Zuge von Zusammenlegungen verloren haben, wieder zurück.

Wie ein Lauffeuer verbreitet sich die Begeisterung über dessen „Initiative Kennzeichenliberalisierung“ in den Kommunen der Republik. „Wir sind ganz überrascht von der Resonanz“, beschreibt der Wissenschaftler.

Begonnen hatte alles im vergangenen Jahr in Völklingen bei Saarbrücken. Dort war man schnell euphorisch. In zahlreichen Umfragen stellte sich auch in anderen Städten heraus: Der Zuspruch für die Idee in der Bevölkerung ist groß. Mehr als 70 Prozent der Befragten wollten ihre alten Buchstabenfolgen zurück. Bochert: „Für Duderstadt und die Eichsfelder wäre es doch sehr passend, da es ohnehin ein hohes Bewusstsein der eigenen Identität gibt.“

Überrascht hat ihn bei seinen Umfragen die Begeisterung junger Leute für die Kennzeichen: „Mit Nostalgie kann das wenig zu tun haben.“ Er vermutet: „Die Menschen sind bereit, andere Sprachen zu sprechen und flexibel zu sein, aber die regionale Identifikation ist ihnen wichtig.“

Inzwischen interessieren sich rund 190 Gemeinden von Alfeld über Norden bis Zittau deutschlandweit für die metallgewordenen Identifikation mit der Heimat. 40 Kommunen haben klar bekundet, dass sie ein eigenes Kennzeichen wollen. Darunter auch Einbeck. Dort hat sich auch der Rat – nachdem 87 Prozent der Einwohner dafür waren – einstimmig für das alte EIN ausgesprochen, auch in Hann. Münden (HMÜ) kommt die Sache ins Rollen. Einbecks Bürgermeister Ulrich Minkner (SPD) sieht auch eine mögliche zukünftige Regionsbildung in Südniedersachsen nicht als Hemmschuh: „Dann müssen Northeim oder Osterode in fünf Jahren nicht für ihr Kennzeichen kämpfen.“

Minkner hat sich bereits an 15 weitere Städte in Niedersachsen gewandt, für die die Wiedereinführung der Kennzeichen möglich wäre, darunter auch Duderstadt. Hier erinnere man sich gern an das alte Kennzeichen und habe sich 1973 nur schweren Herzens davon verabschiedet, sagt Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU). Am Duderstädter Stadthaus hat es sogar als Kürzel Platz gefunden: DUD steht hier für „Dienstleistungsunternehmen Duderstadt“. Trotzdem bremst Nolte: Ich habe große Sympathien für die Idee“, jedoch müsse man erst prüfen, ob die Bürger die Umstellung überhaupt wollten und ob die Kennzeichen ein touristischer Faktor sein könnten.
Grundsätzlich geht es nicht darum, die Gebiets- und Verwaltungsreformen rückgängig zu machen, wie allseits betont wird. Alles bliebe innerhalb der bestehenden Landkreise. Auch die Umsetzung wäre problemlos, erklärt Bochert. Die Computersysteme könnten verschiedene Kennzeichen innerhalb eines Kreises verwalten. Der Vorschlag wäre kostenneutral zu verwirklichen und positiv für das Stadtmarketing. Die theoretisch simple Abwicklung bestätigt auch der Amtsleiter für Verkehr und Ordnung des Landkreises Göttingen, Manfred Braun. Es wäre quasi so, als hätte man seine Kennzeichen verloren, eine kurze Umtragung mit Schein und Brief – fertig. Bevor dies aber überhaupt möglich ist, müsste der Bund die Verwaltungsvorschriften ändern.

Das sieht Raimond Groeneweg, verantwortlich für Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing im ostfriesischen Norden, wo der Wille zum Kennzeichen ebenfalls groß ist, jedoch in greifbarer Nähe. „Wir wollen eine gemeinsame niedersächsische Initiative.“ Auf dem niedersächsischen Städte- und Gemeindetag im März will man sich Gehör verschaffen. Aufgrund von Gebietsreformen in Mecklenburg-Vorpommern müssten die Bestimmung bei den Kennzeichen ohnehin geändert werden, so Groeneweg. Dort gibt es dafür in fünf Fällen schon die Zustimmung des Landes für abweichende Kennzeichen innerhalb eines Kreises. „Da ließe sich leicht ein Passus einfügen“, denkt Groeneweg. Er sieht eine realistische Chance. Es wäre toll, wenn wir Duderstadt mit ins Boot holen.“

Von Erik Westermann

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Kommentar

Das alte Kürzel wieder auf die Kennzeichen zurückzubringen: Das ist natürlich nur ein Feigenblatt regionaler Identität und bei manchem wird es vorhandene revisionistische Ideen der Wiederbelebung des Altkreises verstärken.

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