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Kindheit in Gefangenschaft

Miroslaw Kuklinski im filmischen Interview mit Götz Hütt Kindheit in Gefangenschaft

Die Geschichtswerkstatt Duderstadt hat ein filmisches Interview mit einem ehemaligen Zwangsarbeiterkind veröffentlicht. Der Pole Miroslaw Kuklinski war vier Jahre alt, als er nach dem Warschauer Aufstand 1944 zusammen mit seiner Mutter über das KZ Buchenwald schließlich im Eichsfeld landete. In der Bilshäuser Ziegelei Jacobi und später in der Duderstädter Reißwollfabrik Hollenbach musste die Mutter Zwangsarbeit leisten.

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In den inzwischen abgerissenen Fabrikhallen der Firma Hollenbach wurden Zwangsarbeiter eingesetzt.

Quelle: Kuklinski

Duderstadt. Die Kinder der meist osteuropäischen Arbeiterinnen blieben den Tag über sich selbst überlassen, wurden von Mitgliedern des Volkssturms wie Gefangene bewacht und mussten Reinigungsarbeiten verrichten.

 
Kuklinski beschreibt im Interview mit Götz Hütt, Vorsitzender der Geschichtswerkstatt, zunächst seinen Weg von Warschau ins Eichsfeld. Im zweiten Teil des Films berichtet er von seinen Lebensumständen bei der Firma Hollenbach, wo den Zwangsarbeitern nicht erlaubt war, das Gelände zu verlassen. Essen wurde in den letzten Kriegsmonaten rar, die Arbeiter ernährten sich zum Teil von Brennnesselsuppe und Maulwurffleisch. Die Kleidung war kaum ausreichend für den beginnenden Winter 1944.

 
Im dritten Teil des Films erinnert sich Kuklinski an den Einmarsch der Amerikaner im Frühjahr 1945. In dieser Zeit sei seine Liebe zu allem Anglistischen entstanden. Die Zwangsarbeiterkinder durften nach der Befreiung zum ersten Mal das Gelände der Firma Hollenbach verlassen. In Duderstadt seien sie jedoch mit Steinen beworfen und bespuckt worden. Franz Hollenbach stellte mehrfach Anträge an die von den Besatzern eingesetzten Obrigkeiten, die Polen von seinem Gelände zu entfernen. Im Krieg arbeiteten 110 Frauen und 20 Männer aus Polen und der Sowjetunion ohne Entlohnung in der Firma Hollenbach, 220 Arbeiter ebenfalls aus den Ostgebieten waren in Bilshausen bei den Jacobi Tonwerken im Einsatz.

 
Bei der öffentlichen Vorstellung des Film-Interviews in den Räumen der Kreisvolkshochschule in Duderstadt gab der Historiker Günther Siedbürger eine Einführung ins Thema „NS-Zwangsarbeit in Stadt und Altkreis Duderstadt“. „Zivile Zwangsarbeiter prägten das Bild in den Städten und Dörfern. Ohne ihren Einsatz wäre die deutsche Wirtschaft zusammengebrochen“, betonte Siedbürger.
Der Film „Als Zwangsarbeiterkind in Südniedersachsen 1944 bis 1946“ ist als DVD erhältlich bei der Duderstädter Geschichtswerkstatt, Telefon 05527/2464, online bei geschichtswerkstatt-duderstadt.de.

Von Claudia Nachtwey

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