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Kirche in Seulingen soll drei neue Glocken bekommen

160000 Euro Spendengelder einzutreiben Kirche in Seulingen soll drei neue Glocken bekommen

„Eine solche Aufgabe stemmt eine Gemeinde nur alle 600 Jahre“, meint Pfarrer Michael Kreye. 160 000 Euro Spendengelder will eine Gruppe Seulinger einwerben, um die Kirche St. Johannes der Täufer mit drei neuen Bronzeglocken auszustatten. Das alte Eisenhartguss-Geläut weist bereits Risse auf.

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Kirchenvorstand und Mitglied der Glockengruppe Siegbert Jagemann schaut von unten in die größte der drei Glocken.

Quelle: Richter

Seulingen. „Unrettbar verloren“ sind die alten, 1951 gegossenen Seulinger Glocken. Grund sind ein hoher Kohelstoffanteil und innere Korrosion, stellte der Sachverständige Andreas Philipp bereits 2012 fest. Es sei normal, dass solche Glocken nach spätestens 80 Jahren zerspringen würden, teilte er der Gemeinde mit. Damit kein Unglück passiert und das Dorf dann eines Tages ohne Geläut dasteht, hat Wigbert Jagemann vom Kirchenvorstand im Sommer die Initiative ergriffen.

Die zehnköpfige Gruppe, die sich inzwischen zusammengefunden hat, will drei Bronzeglocken für 61 000 Euro gießen lassen. Sie sind zwar teurer als Eisenprodukte, halten aber Jahrhunderte und klingen zudem schöner. Für einen angenehmeren Ton wird auch der neue Glockenstuhl aus Eichenholz sorgen, der das heutige, ebenfalls marode Stahlgerüst ersetzen wird. An der Klangfolge d, f und g ändert sich dagegen nichts.
„Teurer als die Glocken selbst ist ihre Montage, berichtet Kirchenvorstand Ansgar Tauchmann. Es wird ein Gerüst aufgestellt. Handwerker müssen die mehr als einen Meter dicke Sandsteinmauer des Kirchturms aufbrechen, um das alte Geläut mit einem Kran aus dem Turm herauszuheben. Sobald der neue Glockenstuhl steht, kann dann das Bronzegeläut mit einem Kran in den Turm hineinmanövriert werden. Die Glocken sind 1700, 1100 und 780 Kilogramm schwer. Eine 150 Seiten starke Tragwerksplanung liegt inzwischen vor.

Für die Finanzen hat die Gruppe den Banker Ulrich Rahlfs gewonnen. Bei einer Fundraising-Aktion im Ort, bei der die katholische Gemeinde 550 Haushalte anschrieb, kamen die ersten 13.000 Euro zusammen. „Das ist schon mal ein sehr guter Anfang“, freut sich Rahlfs. Auch der Männergesangverein hat bereits ein Konzert zugunsten des Projekts durchgeführt.

Um sich Tipps für das Projekt zu holen, hat die Gruppe Kontakt mit den Duderstädtern aufgenommen. Sie beschafften sich 2011 neue Glocken. „Hilfreiche Hinweise bekamen wir von Pfarrer Günter Christoph Haase, der gleich mehrere seiner Kirchen mit einem neuen Geläut ausgestattet hat“, sagt Sven Faulhaber.

Erste Ideen: Einen Glockenwein will die Gruppe verkaufen. Ein Infotag ist im März geplant. Handwerker im Ort, aber auch Bürger gilt es für Eigenleistungen zu gewinnen. „Keine Hilfe ist dagegen vom Bistum zu erwarten“, stellt Pfarrer Kreye klar. Die alten Glocken hatte Seulingen im Zweiten Weltkrieg eingebüßt. Sie dienten zur Herstellung von Kriegsgerät.

Von Michael Caspar

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