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Kleinod im Hühnerstall vergraben

Gieboldehäuser Schützen Kleinod im Hühnerstall vergraben

Der Flecken steht noch bis Montag, 14. August, im Zeichen des Festes zum 475-jährigen Bestehen der Schützenbruderschaft Sankt Sebastian. Einer zufälligen Entdeckung von Ortsheimatpfleger Gerhard Rexhausen ist zu verdanken, dass mit großem Programm gefeiert wird.

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Die Mitglieder der Schützenbruderschaft im Jahre 1955.

Quelle: r

Gieboldehausen. Der Flecken steht noch bis Montag, 14. August, im Zeichen des Festes zum 475-jährigen Bestehen der Schützenbruderschaft Sankt Sebastian. Einer zufälligen Entdeckung von Ortsheimatpfleger Gerhard Rexhausen ist zu verdanken, dass mit großem Programm gefeiert wird.

Bei Recherchen für die 1000-Jahr-Feier des Fleckens in 2003 hatte Rexhausen drei Jahre zuvor in der Außenstelle Wernigerode des Hauptstaatsarchivs Magdeburg ein Dokument aus dem Jahr 1542 entdeckt, in dem die Schützenbruderschaft als Zahler der Türkensteuer geführt wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Gieboldehäuser davon ausgegangen, dass sie im Jahre 2005 ihr 400-jähriges Bestehen feiern könnten. Auf die heutige Zeit umgerechnet, dürften die Sankt Sebastianer ein Vermögen von rund 8000 Euro gehabt haben, erläutert Vorsitzender Martin Creutzig und verweist auf die Höhe der Ausgaben für die Türkensteuer. „Allen voran“ sei die Schützenbruderschaft eine katholische Vereinigung gewesen.

Durch den Niedergang der Lehnsherrschaft Anfang des 16. Jahrhunderts hätten sich Schützenbruderschaften und Schützengesellschaften zur Ortsverteidigung gebildet. Doch nicht jeder Mann unter Waffen sei auch Mitglied der Schützenbruderschaft Sankt Sebastian gewesen. „Durch die Begrenzung der Mitgliederzahlen und das Kapital der Schützenbruderschaft ist davon auszugehen, dass es sich bei den Mitgliedern um einen elitären Kreis handelte“, sagt Creutzig.

Die religiöse Verwurzelung und Verbindung zu Sankt Laurentius machten die Statuten von 1644 deutlich. Darin sei unter anderem festgelegt, dass die Mitglieder ihr Opfergeld in einem Korb vor dem Altar abgeben müssen und jeweils Pfingsten der König ausgeschossen wird.

Adam Nünemann stiftet Schnupftabakdose

1609 schafften die Schützenbrüder einen Sebastiansaltar an, der im darauffolgenden Jahrhundert durch einen neuen ersetzt wurde. 1639 habe der schwedische Amtsmann Kilian Drippel den neuen „Schützenpost“ für einen Reichstaler gestiftet, nennt Creutzig eine weitere Station aus der Geschichte. Dazu gehöre auch, dass der Schützenbruder Adam Nünemann eine Schnupftabakdose gestiftet habe, die noch heute bei jeder Generalversammlung herumgehe.

Während der 1870er-Jahre wurde die Höchstgrenze der Mitgliederzahl mehrmals verändert und schließlich auf 100 festgelegt. Potenzielle Neu-Mitglieder mussten katholisch sein, mindestens 25 Jahre alt und einen guten Leumund haben. „Man konnte als Anwärter darüber hinwegsterben“, verdeutlicht Rita Creutzig, welche Folgen diese Begrenzung hatte.

Unter dem Regime des Nationalsozialismus wurde die Bruderschaft zu einem Schützenverein reduziert. Als Folge des Krieges hatte die Bruderschaft nur noch 23 Mitglieder. Gerne erzählen sich die Vereinsmitglieder die Geschichte von Anton Kemmling, der das Kleinod nach Kriegsende in seinem Hühnerstall vergrub, um es vor Andenkenräubern zu schützen.

Einen der größten Einschnitte in der Geschichte der Schützenbruderschaft gab es 1966. „Die Mitgliederbegrenzung wurde abgeschafft und es dürften auch evangelische Männer Mitglieder der Schützenbruderschaft werden“, erläutert Vorsitzender Creutzig. Ein Jahr später seien der Spielmannszug und der Fanfarenzug als Sparten der Schützenbruderschaft gegründet worden. Seit 1972 sind nicht nur Männer bei den Sankt Sebastianern aktiv. Unter Leitung des damaligen Vorsitzenden Wilhelm Nünemann wurde die Damenriege ins Leben gerufen.

1989 war Spatenstich für den Anbau des Schießstandes und die Erweiterung um fünf Pistolen- und neun beheizbare Luftgewehrstände. 2004 wurden der Kleinkaliberstand überdacht und die Räume des Schießstandes renoviert.

Von Axel Artmann

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