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„Knöllchen-Horst“ verärgert Einzelhändler

Vorwurf der Bespitzelung „Knöllchen-Horst“ verärgert Einzelhändler

Der in den Medien als “Knöllchen-Horst” bundesweit bekannt gewordene Horst Nilges sorgt für Aufregung im Eichsfeld. Im Landkreis Osterode hatte Nilges seit 2004 serienweise Anzeigen gegen Falschparker erstattet und sich damit unbeliebt gemacht.

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Quelle: Büttner/dpa (Symbolfoto)

Duderstadt. Jetzt sind es Duderstädter Geschäftsleute, die sich durch das Gebaren des akribisch auf Einhaltung der Straßenverkehrsordnung pochenden Rentners in die Enge getrieben fühlen.

In jüngerer Zeit häuften sich die Klagen von Kunden, Vertretern und Lieferanten, die Nilges fotografiert habe, berichtet Johannes Jung, der Auf der Spiegelbrücke ein Fachgeschäft für Tabakwaren mit Paketshop und Reisebüro betreibt: “Die Betroffenen fühlen sich verfolgt und bespitzelt.”

Die Häufung dieser Vorfälle sei unerträglich und geschäftsschädigend, heißt es in einem Schreiben Jungs an die Stadt Duderstadt. Bereits im Februar hatten sich Heinz Napp vom benachbarten Schlüsseldienst und weitere Geschäftsinhaber an die Stadt gewandt mit der Bitte, die „Situation ohne ständige Anzeigen und Anfeindungen zu entschärfen.”: „Es muss möglich sein, wenigstens so lange halten zu können, bis man Be- und Entladen hat, wenn dies auch mal länger als drei Minuten dauert.” Jung schlägt jetzt vor, wie in der oberen Marktstraße auf der Spiegelbrücke durch Metallpilze kenntlich gemachte Kurzzeitparkflächen einzurichten. Platz sei ausreichend vorhanden.

„Leider verfolgen die Behörden hier doch”

In seinem Brief an die Stadt zitiert Jung auch aus einem Bericht der Bildzeitung zu einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Lüneburg: Wer es sich zum Hobby mache, regelmäßig Falschparker aufzuschreiben, gehe einer denunziatorischen Tätigkeit nach. Daher könnten die Behörden nicht zu einer Verfolgung der registrierten Ordnungswidrigkeiten gezwungen werden. „Leider verfolgen die Behörden hier doch”, fügt Jung hinzu.

Die halten sich im Fall Nilges, der schon häufiger die Gerichte bemüht hat, jedoch bedeckt. “Es ist jedem überlassen, wo er eine Anzeige stellt, und das ist sein gutes Recht”, sagt Sabine Holste-Hoffmann von der Stadt Duderstadt – ohne zu bestätigen, ob und welche Anzeigen von Nilges vorliegen. Den Vorschlag Jungs, mit Kurzzeitparkplätzen klare Verhältnisse zu schaffen, will sie nicht kommentieren. „Im verkehrsberuhigten Bereich darf man nur auf ausgewiesenen Flächen halten. Die Eingabe Jungs wird im Zuge der Neuregelung des Verkehrskonzepts für die Innenstadt thematisiert und entschieden.”

Konkret zu „Knöllchen-Horst” äußern will sich auch der Landkreis Göttingen nicht, der sich auf die Datenschutzbestimmungen und allgemeine Ausführungen zurückzieht. Jede Bußgeldbehörde nehme Anzeigen – egal von wem – entgegen, prüfe die Ahndungsfähigkeit und entscheide, wie weiter verfahren werde. Beim Übergang zu einem Ermittlungsverfahren werde dem Angezeigten Gelegenheit gegeben, sich zu der Beschuldigung zu äußern.

„Ich zeige Sachverhalte auf und verteile keine Knöllchen“

„Ich bespitzele niemanden“, sagt Nilges selbst, der häufig zu Besuch in Duderstadt ist und sich gegen „den von der Bild-Zeitung geprägten Begriff Knöllchen-Horst“ verwehrt: „Ich zeige Sachverhalte auf und verteile keine Knöllchen.“ Auf der Spiegelbrücke würden immer wieder ordnungswidrig Autos stehen, betont der Osteröder.

„Die Straßenverkehrsordnung ist nicht meine persönliche Erfindung“, sagt Nilges weiter und beruft sich auf geltendes Recht: „Wir müssen uns an die Regeln halten, die wir uns selbst gegeben haben.“

Grundsätzlich wünscht sich der vielen Anfeindungen ausgesetzte Ruheständler eine „rationalere Auseinandersetzung mit dem Thema aufmerksame Bürger“ und  fordert ein Umdenken: „Es ist immer auch eine Frage der Perspektive.“

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©Richter