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Komische Kunst gegen Rassismus

Cartoonist Wolf-Rüdiger Marunde Komische Kunst gegen Rassismus

Uniformierte Gartenzwerge mit Schippe und Schaufel ziehen an einem Gartenzaun vorbei. Der erste trägt ein „Hinaus“-Transparent. Mit seinem Bild der „Deutschen Identität“ unterstützt Cartoonist Wolf-Rüdiger Marunde das „Bündnis gegen Rechts“. Ein signiertes Exemplar soll zur Versteigerung kommen.

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Marundes Sicht auf eine Demo der besorgten Deutschen mit Hang zum Rassismus.

Quelle: EF

Duderstadt. Das Bündnis demonstriert an diesem Sonntag, Beginn ist um 16.30 Uhr auf dem Vorplatz des Rathauses, unter dem Motto „Bei uns sind nur die Äcker braun“. Wie Bündnissprecherin Jennifer Ahlbrecht ankündigt, werden sich Landwirte aus der Region an der Demo beteiligen. „Wir erwarten etwa zehn Trecker“, sagt sie.

Bauern beispielsweise aus Bodensee, Westerode, Seeburg, Waake, Diemarden und Schönhagen wollten mit ihren Gefährten auf der Marktstraße vertreten sein. Eberhard Brunzel Ulrich (Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft) werde zum Thema sprechen, ebenso gebe es ein Grußwort der Bäuerlichen Notgemeinschaft, gelesen von Dagmar Haschke.

Begleitet von den Treckern wollen das „Bündnis gegen Rechts – Duderstadt bleibt bunt statt braun“ und seine Unterstützer vom Rathaus zur Unterkirche ziehen. Dort sei ein Redebeitrag von Sigmar Groeneveld geplant, so Ahlbrecht. Groeneveld ist emeritierter Professor für Agrarkulturen an der Universität Kassel.

Wie bereits in den vergangenen Wochen werde es wieder Musik geben. „Besonders lebhaft wird es mit einer Samba-Truppe“, verspricht Ahlbrecht.
Teilnehmer der Demo bittet sie, insbesondere wenn sie aus Richtung Oberkirche zum Treffpunkt kämen, um Aufmerksamkeit. „Von dort kommen die Trecker“, erklärt sie.

"Mentalität dieser Leute abbilden"

Der Künstler im Interview:

Wie ist der Kontakt zwischen Ihnen und dem „Bündnis gegen Rechts“ in Duderstadt entstanden?

Ich engagiere mich in der Bäuerlichen Notgemeinschaft Lüchow-Dannenberg, die freundschaftliche Kontakte zu atomkritischen Bauernfamilien in Südniedersachsen unterhält. Einer von ihnen, Ludwig Pape, hat wegen der Kundgebung in Duderstadt Kontakt aufgenommen, dort wollen auch Bauern demonstrieren, und um Unterstützung gebeten.

Haben Sie sich bereits vorher in ähnlicher Weise engagiert?

Als Jugendlicher habe ich begonnen, mich politisch zu engagieren, und bin seitdem dabei geblieben. Vornehmlich im Bereich Umwelt und Kultur, aber Demos gegen rechtsextreme Organisationen waren auch dabei.

Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Engagement? In welcher Rolle sehen Sie speziell Cartoonisten, die sich gegen Nationalismus und Rassismus stellen?

Ich mache erstmal von meinem Recht auf Meinungs- und Demonstrationsfreiheit Gebrauch. Ich bin zwar dafür, dass auch Rechtspopulisten ihre Meinung öffentlich sagen und am öffentlich Diskurs teilnehmen dürfen. Aber genauso wichtig ist es auch, sie zu kritisieren, wo sie rassistisches und autoritäres Gedankengut verbreiten. Dazu gehören auch Gegenkundgebungen wie jetzt in Duderstadt. Die Freiheit der Meinung und der Kunst gilt natürlich auch für kritische Cartoonisten. Aber sie sind keine Politiker oder Missionare, sondern in erster Linie Humoristen – also Unterhalter. Satirische Zeichnungen können dennoch, wenn sie gut gemacht sind, Sachverhalte einprägsam auf einen Punkt bringen. Das macht sie aber auch zu einem bevorzugten Angriffsziel derer, die die Freiheit der Meinung und der Kunst ihren eigenen politischen Zielen unterordnen wollen. Und unter denen gibt es einige, die auch vor Druckmitteln bis hin zu Gewaltanwendung nicht zurückschrecken. Deswegen besteht immer die Gefahr, dass Satiriker, Cartoonisten & Co. sich selbst zensieren, um sich selbst zu schützen.

Das Motto der Demo lautet „Bei uns sind nur die Äcker braun“. Ihr Cartoon zeigt uniformierte und mit Schaufel und Schippe bewaffnete Gartenzwerge, die Deutschlandfahnen schwenken und ein „Hinaus“-Schild am Gartenzaun vorbeitragen. Ich weiß, Witze funktionieren nur, wenn man sie nicht erklären muss. Würden Sie es trotzdem tun?

Der Cartoon ist vor einem Jahr entstanden, Thema sind die damals aufgekommenen Pegida-Demos. Ich wollte mit dieser Zeichnung versuchen, die Mentalität dieser Leute abzubilden.
 Interview: Nadine Eckermann

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