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„Kophus war einst das Karstadt des Nordens“

Stadtführungen am Tag des offenen Denkmals „Kophus war einst das Karstadt des Nordens“

Getreu dem Motto „Kultur in Bewegung“ ist am vergangenen Sonntag der Tag des offenen Denkmals ausgerichtet worden. In den Blickpunkt rückten dabei die Aspekte Reisen, Handel und Verkehr. Mit dem Thema „Auswanderung aus dem Eichsfeld“ beschäftigte sich beispielsweise Stadtarchivar Dieter Wagner im Kophus.

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Kurzer Halt am Duderstädter Schützenbrunnen: Mit Hilde Forthmann (r.) lernen Eichsfelder ihre Heimatstadt neu kennen.

Quelle: Walliser

Er erinnerte daran, dass etwa 500 Menschen aus dem Bereich der Stadt Duderstadt im Zeitraum zwischen 1830 und 1900 ausgewandert sind. Aus den Untereichsfelder Dörfern waren es 719, davon rund ein Viertel aus Gieboldehausen und auch die Bergdörfer waren stark vertreten.

Hauptauswanderungsland sei mit großem Abstand die USA, schwerpunktmäßig New York gewesen. Aber auch Australien, Ostasien und andere europäische Länder wurden zur neuen Heimat für Eichsfelder. Zu den exotischen Zielen gehörten Surinam und die Insel Java. Anlass für eine Auswanderung sei in vielen Fällen die hohe Arbeitslosigkeit gewesen, bedingt unter anderem durch eine große Kinderzahl und die geringe Rolle, die industrielle Produktion in der Region spielte. „Es gab allein im Bereich der Stadt Duderstadt 60 Schuster und das bei einer Einwohnerzahl von 3000 bis 4000 Menschen“, verdeutlichte Wagner die damalige Situation. Der Kulturkampf trieb im Jahre 1866 die Auswandererzahlen noch in die Höhen.

Die Daten stammen zum größten Teil aus offiziellen Akten, aber auch aus Hinweisen aus der Tageszeitung. Hier mussten Auswanderer ihr Vorhaben rechtzeitig ankündigen. Wagner: „Viele wanderten aus, viele kamen aber auch wieder zurück. Wohl nicht alle haben ihr Glück gefunden.“

Das weitere Programm am Tag des offenen Denkmals reichte in Duderstadt von Wanderungen vom inneren Westertor auf den Spuren der mittelalterlichen Nord-Süd Fernhandelsroute entlang der Sulbergwarte bis zu Rathausführungen und Lesungen für Kinder bis zur Möglichkeit, das Westerturmensemble zu erkunden und die dritte Aussichtsebene zu besteigen.

Auf Interesse stießen ebenso Stadtführungen, die das Oberthema „Kultur in Bewegung“ in den Blickpunkt rückten. Hilde Forthmann erinnerte daran, dass sich die Handelsstraßen von Ost nach West und Nord nach Süd vor dem Rathaus kreuzten. „Die Kaufleute mussten sich ein Geleit erwerben, dass heißt sie mussten dafür bezahlen, dass sie durch die Stadt geleitet wurden. Das brachte Geld in die Stadtkasse“, erläuterte sie. Forthmann verwies auch darauf, dass ab dem 13. Jahrhundert in Duderstadt gebrautes Bier bis zum Kaiserhof nach Wien gelangte und der Tabakanbau im Duderstädter Raum ein wichtiger Wirtschaftsfaktor gewesen sei. Die Stadtführerin verdeutlichte die Bedeutung des Kophus als Kaufhaus: „Das war einst das Karstadt des Nordens.“

Von Axel Artmann

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