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Kreidezeichnungen der Passionsgeschichte im Ursulinenkloster

Kreuzweg in neuem Blickwinkel Kreidezeichnungen der Passionsgeschichte im Ursulinenkloster

„Die Bilder weichen vom Evangelium ab, das macht ein bisschen unruhig“, sagt Claus Kilian über seine Passionsgeschichte. Die Kreidezeichnungen des Braunschweiger Grafikers werden zurzeit im Ursulinenkloster Duderstadt ausgestellt und sollen in der Fastenzeit dem Betrachter Anlass geben, sich mit dem Leidensweg Christi, aber auch mit seinem eigenen Lebensweg auseinanderzusetzen.

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Claus Kilian mit seinen Zeichnungen im Kloster.

Quelle: Schauenberg

Duderstadt. Zur Eröffnung der Ausstellung gab Kilian nach einer Vesper in der Liebfrauenkirche ein paar Einblicke in sein Schaffen und regte mit seiner künstlerischen Sicht auf den Kreuzweg lebhafte Gespräche unter den Besuchern an. Schon die Darstellung der Grablegung gab Anlass zur Interpretation: Licht in der Mitte einer Röhre oder eines Brunnens – wird der Betrachter nach unten oder nach oben gezogen? „Hinabgestiegen in das Reich des Todes – auferstanden von den Toten“, zitiert der Künstler dazu das Glaubensbekenntnis.

Kilians Szene des Simon, der dem gestürzten Jesus hilft, das Kreuz zu tragen, ist ebenfalls vielschichtig. Wandert Simon etwa mit seiner Last über Müllberge? „Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft, Kinder suchen in Müllbergen nach Nahrung. Wir können uns unserer Welt nicht entziehen, müssen sie auch ertragen – oder könnten jemanden beim Tragen seiner Last helfen“, erklärt Kilian. Er nennt drei Wege der Bildbetrachtung: „Ich sehe, ich erkenne, ich deute.“ Beim Erkennen und Deuten entsteht ein reger Meinungsaustausch unter den Gästen.

Zuvor gab der Künstler eine Einführung in die historischen Darstellungen der Passionsgeschichte: Die Franziskaner kopierten die Via Dolorosa aus Jerusalem quasi für die eigenen Wallfahrten, indem sie die Kreuzigungsgeschichte in Bildern darstellten. Den Menschen wurde so vermittelt, wie es auf dem Leidensweg Christi eigentlich zugegangen sei, erklärt Kilian. Er wolle jedoch nicht nur illustrieren, sondern der Sache auch auf den Grund gehen. Heute gehöre ein Kreuzweg zum Inventar einer jeden katholischen Kirche.

„Im Ursulinenkloster sind nicht alle Kreuzwegstationen auf einmal zu sehen. Wir werden in der Fastenzeit immer wieder einzelne Szenen austauschen und ergänzen“, sagt Sabina Mitschke, zuständig für den Gästebereich im Ursulinenkloster. Besucher sollen die Möglichkeit haben, im Alltag kurz innezuhalten. Broschüren zur Ausstellung mit Anregungen des Künstlers helfen, beim Betrachten der Bilder, Interpretationen zuzulassen oder auch das eigene Leben zu reflektieren.

Geöffnet ist jeden Wochentag von 9 bis 12 und von 15 bis 17 Uhr, für Gruppen nach Vereinbarung auch zu anderen Zeiten. Infos unter Telefon 05527/91450 oder online bei konvent@ursulinen-duderstadt.de.
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