Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -2 ° Nebel

Navigation:
Kreis stellt Naturschutzgebiet Landolfshausen vor

Verkleinert Kreis stellt Naturschutzgebiet Landolfshausen vor

Der Landkreis will das umstrittene Naturschutzgebiet (NSG) Seeanger, Retlake, Suhletal zumindest in den Ortslagen verkleinern. Am Dienstagabend stellte die Kreisverwaltung ihren neuen Entwurf vor mehr als 100 Besuchern in Landolfshausen vor. Bedenken und Kritik gibt es nach wie vor.

Voriger Artikel
B 27 nach schwerem Unfall stundenlang gesperrt
Nächster Artikel
Gieboldehausen muss den Gürtel enger schnallen

Auenbereiche rund um den Seeburger See, vorwiegend mit Feuchtwiesen, sollen unter Naturschutz gestellt werden.

Quelle: Foth

Landolfshausen. Rund 400 Hektar soll die Größe des künftigen NSG jetzt umfassen. Im ersten Entwurf waren es noch 415 Hektar. Nach zahlreichen Einwendungen und Protesten überarbeitete die Kreisverwaltung den Entwurf und will jetzt Bachparzellen in den Orten und einige angrenzende Flächen ausnehmen.  Die NSG-Verordnung soll das europäische sogenannte Flora-Fauna-Habitat-(FFH)-Gebiet 139 „Seeanger, Retlake, Suhletal“ national sichern. Dadurch sollen insbesondere Nasswiesen, kalkreiche Niedermoore und Fließgewässer mit flutender Wasservegetation als Lebensräume erhalten werden.

 
 Das für FFH-Gebiete bestehende Verschlechterungsverbot bleibe bestehen, auch wenn nicht mehr alle Flächen unter Naturschutz gestellt würden, sagte Kreisumweltdezernentin Christel Wemheuer, „egal, welche Sicherung wir vornehmen“.  Sie verwies auf ein mit dem Land entwickeltes Sicherungskonzept für die FFH-Gebiete im Landkreis, das vom  Kreistag bereits 2009 gebilligt und 2014 bestätigt wurde. Für die Auenbereiche sei nach fachlichen Kriterien Naturschutz vorgesehen.

 
Etliche Besucher bezweifelten, dass ein NSG nötig sei. Landschaftsschutz, wie für andere FFH-Gebiete vorgesehen, sei ausreichend. Ortsansässige Landwirte hatten sogar ein Transparent in die Halle gehängt, auf dem zu lesen war: „LK Gö enteignet Landbesitzer, stoppt NSG.“ Die Position des Landvolkverbandes sei, sich mit dem Status Landschaftsschutzgebiet (LSG) zu begnügen, erklärte Geschäftsführer Achim Hübner. Sorgen über weitere Begehrlichkeiten in einem NSG, könne er verstehen. Wenn Flächen innerorts aus dem NSG herausgenommen werden könnten, dann sei auch ein LSG außerorts ausreichend.

 
Die landwirtschaftliche Bodennutzung nach guter fachlicher Praxis sei wie bislang ohne Einschränkung möglich, versicherte Bertram Preuschhof vom Umweltamt. Ebenso sei eine Unterhaltung von Wegen und Gewässern weiter möglich. Für genehmigte Bauten und Einrichtungen bestehe eine Bestandsgarantie. Mehr als 50 Prozent der Flächen seien ohnehin in öffentlicher Hand. Er verwies auf die Praxis im seit 20 Jahren bestehenden NSG Rhumeaue.

 
Der CDU-Kreistagsabgeordnete Werner Wille kündigte an, dagegenzuhalten. Die höchste Stufe Naturschutz sei nicht nötig. Nur auf freiwilliger Basis gehe es, „sonst haben wir Konfrontation“. Irgendwann würden alle stolz sein auf das „tolle Gebiet“, prophezeite der Frakionschef der Grünen, Martin Worbes. Grüne und SPD hatten sich bereits am Montag für den neuen Entwurf ausgesprochen. Deutschland und damit auch der Landkreis stehen unter Zeitdruck der EU, die FFH-Gebiete bis 2018 national zu sichern. Ziel ist laut Wemheuer ein Beschluss über die NSG-Verordnung am 5. November im Kreistag.    

 

Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie
Im Landkreis Göttingen gibt es 19 FFH-Gebiete und ein Vogelschutzgebiet als Bestandteil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000. Die Flächen stehen bereits seit der Veröffentlichung im EU-Amtsblatt 2004 unter Schutz. Die FFH-Richtlinie wurde von den EU-Staaten 1992 in Brüssel beschlossen. FFH steht für Fauna = Tierwelt, Flora = Pflanzenwelt und Habitat = Lebensraum.  Ziel ist, besondere Lebensraumtypen und damit die biologische Vielfalt zu erhalten.
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Feuerwehrübung in Krebeck

©Richter