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Kreislandwirt Hubert Kellner

Im Interview: Kreislandwirt Hubert Kellner

Dioxin in Eiern und Schweinefleisch. Verseuchtes Tierfutter hat den jüngsten Lebensmittelskandal ausgelöst, der sich aktuell weiter verschärft. Opfer sind die Verbraucher, aber auch die Bauern, die ohne Verschulden vergiftetes Futter an ihre Tiere verfüttert haben. Über die Folgen hat Ulrich Lottmann mit Kreislandwirt Hubert Kellner gesprochen.

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Herr Kellner, sind Sie wütend?
Die Landwirte sind verärgert und wütend, weil sie das letzte Glied in der Kette sind. Wir sind ja nicht die Auslöser des Skandals, sondern die Leidtragenden.

Auf wen sind Sie wütend?
Auf die Futtermittelproduzenten, die den Landwirten mit Dioxin belastetes Futter geliefert haben, aber auch auf die Kontrolleure. Wenn Zulieferer wie beispielsweise die Firma Harles und Jentzsch technische Fette und Futterzusatzstoffe nebeneinander mischen können, hat die Kontrolle versagt. Wir fordern eine lückenlose Aufklärung, was passiert ist und wie es passieren konnte. Von solchen kriminellen Machenschaften distanziert sich der Berufsstand.

Spüren die Landwirte bereits die Folgen des Skandals?
Die Lawine kommt gerade ins Rollen. Die Folgen und Auswirkungen des Dioxinskandals für alle Tierhalter, insbesondere für Schweine- und Geflügelhalter, sind mittlerweile katastrophal. Der Preisabschlag von 23 Cent pro Kilo Schlachtgewicht für Schlachtschweine in nur einer Woche, bringt dieses überdeutlich zum Ausdruck. Da registrieren wir schon jetzt, dass die Verbraucher nicht mehr so oft in die Fleischtheke greifen. Wir sind zudem auf den Export ausgerichtet. Wenn die Importländer keine deutsche Ware mehr in Ihren Ländern aufnehmen, ist der Schaden und der Preisverfall noch lange nicht am Ende.

Die konventionelle Landwirtschaft scheint anfällig für Skandale. Muss sich in der Tierhaltung etwas ändern?
Nein, es muss sich in der Tierhaltung nichts ändern. Es muss sich etwas ändern bei der Kontrolle der Zusatzstoffe. Wir sind auf Zusatzstoffe für Futtermittel angewiesen – das gilt übrigens auch für Biobetriebe. Für alle Früchte, die Landwirte vom eigenen Acker ernten, sind sie selbst verantwortlich. Hier erfolgt eine regelmäßige Kontrolle des Laves (Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, Anm. d. Red.) und der Landwirtschaftskammer vor Ort. Eiweiß- und Energieträger werden zugekauft. Die Hersteller von Zusatzstoffen arbeiten Öle und Fette zum Beispiel aus Großküchen auf, in diesem Fall auch technische Industriefette. Das darf nicht sein. Ob hier mehr Kontrollen kriminellen Machenschaften das Handwerk legen können wage ich zu bezweifeln.

Wie ist so ein Skandal künftig zu verhindern?
Wir haben eine Negativliste, dort ist aufgeführt, was nicht ins Tierfutter darf. Dioxin hat im Futtermittel natürlich nichts zu suchen und ist deshalb verboten. Wir fordern aber auch eine Positivliste, eine klare Vorgabe, was als Einzelfuttermittel und Zusatzstoffe verwendet werden darf.

Brauchen die Landwirte finanzielle Hilfe?
Natürlich brauchen die Landwirte finanzielle Hilfen. Nicht nur die betroffenen Betriebe haben Existenzprobleme, auch die Landwirte, die indirekt betroffen sind, haben enorme finanzielle Einbußen. Das hat zur Folge dass der Strukturwandel – weitere kleinbäuerliche Betriebe werden aufgeben – noch schneller voranschreitet. Harles und Jentzsch (die schleswig-holsteinische Firma, die als Zulieferer an Futtermittelhersteller im Zentrum des Skandals um dioxinbelastete Zusatzstoffe steht, Anm. d. Red.) hat Insolvenz angemeldet. Von dort ist keine Hilfe zu erwarten. Wir sind Unternehmer, und das ist immer mit Risiken verbunden. Diese finanziellen Einbußen haben wir denen zu verdanken, die kriminell gehandelt haben.

Was sagen Sie den Verbrauchern in der Region, sind die Produkte der heimischen Bauern sicher?
Im Kreis Göttingen haben wir noch keinen Fall, bei dem ein Hof wegen dioxinbelastetem Futter gesperrt wurde. Wer bei seinem Schlachter einkauft, kann das weiter tun. Wer auf dem Wochenmarkt Eier kauft, kann auch das weiter tun.

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©Richter