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Kritik an Haltung von Zirkus-Elefanten: Schollini-Direktor verteidigt sich

Dicke Luft wegen Dickhäutern Kritik an Haltung von Zirkus-Elefanten: Schollini-Direktor verteidigt sich

Stehen zwei Elefanten vor dem Schnitzelhaus in Gieboldehausen. Ein Schelm, der hierbei böse Hintergedanken hegt. Das ist auch nicht der Anfang eines schlechten Witzes. Nanda und Maya, so heißen die beiden indischen Elefanten, sind am Dienstag tatsächlich durch den Ortskern zum Rathaus marschiert.

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Mutprobe: Gieboldehausens schnell seekrank werdende Bürgermeisterin Maria Bock auf dem Rücken eines Zirkus-Elefanten.

Quelle: Schauenberg

Gieboldehausen. Zirkus Schollini wollte seine Hauptattraktionen vor dem Gastspiel vom 5. bis 8. März gebührend präsentieren. „Ein einmaliges Erlebnis für unser Dorf“, sagt Hans-Georg Böhme als einer der rund 75 Schaulustigen.
Was auf den ersten Blick so possierlich anmutet, hat eine Kehrseite. Zirkushaltung von Elefanten wird massiv kritisiert. Auch die Schollinis sehen sich damit konfrontiert. Auf der Facebook-Seite des Eichsfelder Tageblatts hagelte es Kritik an der „offensichtlichen Tierquälerei“.

Bürgermeisterin Maria Bock (CDU) will sich überzeugen, dass die Dickhäuter gut versorgt werden. „Ich unterstütze den Zirkus als uraltes Kulturgut, finde es aber wichtig, dass die Tiere artgerecht gehalten werden. Dass das Veterinärsamt bei Schollini nichts beanstandet hat, lässt darauf schließen“, betont Bock, bevor sie von Maya einen Blumenstrauß mit dem Rüssel überreicht bekommt. Er ist ein Geschenk von Zirkusdirektor Martin Scholl.

Die Vorwürfe der nicht-tiergerechten Haltung bringen Scholl nicht aus der Ruhe. Es scheint, als sei er mit der Zeit selbst dickhäutig geworden. „Unser Gelände steht Besuchern offen. Jeder kann sich davon überzeugen, dass es den Elefanten gut geht. Sie haben eine beheizte Unterkunft, Auslauf und sind für uns wie eigene Kinder“, erklärt der preisgekrönte Artist. Kettenhaltung? „Dann würde man doch Druckstellen an den Beinen erkennen“, erwidert Scholls Bruder Hardy, der die in Indien wild geborenen und in Belgien aufgewachsenen Elefanten vom Zirkus Maximum aus Schweden mitgebracht hat.

Die Haut bekomme höchstens kleine Risse, wenn sich die Tiere zur Körperpflege an Bäumen reiben. Umstrittene Kunststücke wie der Kopfstand werden nicht aufgeführt, versichert Martin Scholl: „Die spielen ein bisschen Fußball und laufen durch die Manege.“ Was sei mit dem Weben, einer nur in Gefangenschaft dokumentierten Verhaltensstörung, die sich durch rhythmisches Körperschaukeln auszeichnet, will Claudia Weber wissen. Die Tierfreundin ist die einzige Kritikerin, die sich öffentlich zeigt, diskutiert sachlich und ruhig. „Können Sie den ganzen Tag stillstehen? Der Elefant macht das zur Blutzirkulation“, meint Scholl. Schwere Augenverletzungen Nandas, von denen in einem Tierschützer-Brief ans Tageblatt die Rede ist, sind nicht zu erkennen.

Sie und ihre Schwester wirken recht entspannt, als Bock zum Foto auf ihrem Rücken posiert („Eine echte Mutprobe“). Besonders für die vielen anwesenden Kinder wie den begeisterten Celina (6) und Summer (4) ist es eine beeindruckende Erfahrung. Sie dürfen die Elefanten mit Brötchen und Obst füttern. Schnitzel stand nicht auf der Speisekarte.

Am Dienstag, 3. März, sind zwei Elefanten des Zirkus Schollini durch den Ortskern von Gieboldehausen marschiert. ©Schauenberg

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