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Kritik an Pegelmanagement am Seeburger Seeanger

Jauchebrühe im Vogelparadies? Kritik an Pegelmanagement am Seeburger Seeanger

Die starken Regenfälle im März und April haben nicht nur den Seeanger, sondern auch die kontroverse Diskussion über das von der im Seeburger See mündenden Aue durchflossene Feuchtgebiet und Vogelparadies wieder anschwellen lassen.

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Reguliert den Wasserabfluss: Aue-Wehr am Seeanger.

Quelle: Schauenberg

Seeburg. Das Thema gärt seit vielen Jahren und kocht immer wieder hoch – zuletzt beim Fischsterben im Sommer vor zwei Jahren.

„Jetzt jaucht es wieder ordentlich durch“, beklagt der Seeburger Biobauer und Gründer des Vereins Adele (Auge des Eichsfelds – lebendiger Seeburger See), Ludwig Pape. Seit Wochen stehe das Wasser in flachen Pfützen und erwärme sich. Das führe zu einer Sauerstoffzehrung und Nährstoffschwemme in der Aue, im Wasser komme es zu Gärprozessen organischer Substanzen inklusive trockenen Grases, für die zur extensiven Beweidung eingesetzten Rinder steige die Gefahr der Verwurmung. „Das Wasser fließt glasklar in den Seeanger hinein und kommt als trübe Brühe wieder heraus“, sagt Pape und wirft dem Landkreis Göttingen als Flächeneigentümer und Betreiber der Staueinrichtung „Versagen beim Pegelmanagement, Ignoranz und Gleichgültigkeit“ vor. Vor dem Wehr am Aue-Abfluss aus dem Seeanger habe sich eine Moderfläche gebildet.

Landkreis-Sprecher Ulrich Lottmann weist die Vorwürfe zurück. Die unterschiedlichen Wasserstände seien jahreszeitlich bedingt und dem Kreis bekannt. Am Wehr fließe über eine Steuerungseinrichtung eine zuvor eingestellte Wassermenge in Richtung Seeburger See. Die Abgabemenge liege je nach Wasseraufkommen zwischen 300 und 600 Litern pro Sekunde, aktuell seien 550 Liter eingestellt. „Aufgrund der starken Regenfälle, die weit über dem üblichen Maß lagen, bestand mit zeitlichem Verzug ein großer Zufluss in das Gebiet“, sagt Lottmann: „Dadurch haben sich Wassermengen angestaut, die sich jetzt langsam wieder abbauen.“ Die zur Entlastung des Sees geplanten Sediment-Rückhaltebecken  seien derzeit im wasserrechtlichen Genehmigungsverfahren und würden im Laufe des Jahres im Zuge der Flurbereinigung umgesetzt.

„Die Durchlaufmenge hätte früher erhöht werden müssen“, schließt sich Gerhard Merten Papes Kritik an der aktuellen Situation an, die auch Thema am Rand der jüngsten Ratssitzung war. Die Abflussmenge müsse kurzfristiger reguliert werden, der Kreis habe erst auf Beschwerden reagiert. Gelassen bleiben die Angler. „Das Pegelmanagement ist besser geworden“, meint Wolfgang Behrens, der vor zwei Jahren noch von einer „stinkenden, todbringenden Brühe“ gesprochen hat.

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©Richter