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Dreyer: „Das gefährdet das Fundament der Kirche“

Kirchenkreis Harzer Land Dreyer: „Das gefährdet das Fundament der Kirche“

Pastorenvertreter Andreas Dreyer hat die Stellenplanung des Kirchenkreistages Harzer Land kritisiert. Pastorenstellen lassen sich nicht ohne weiteres in Diakonen- oder Geschäftsführerstellen umwandeln, sagt er.

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Gottesdienst in St.-Servatiuskirhe.

Quelle: Niklas Richter

Duderstadt. Andreas Dreyer, der stellvertretende Vorsitzende der Pastorenvertretung innerhalb der Evangelischen Landeskirche Hannover, nimmt damit Stellung gegen Überlegungen des Kirchenkreistages.

Das Parlament des Kirchenkreises Harzer Land, das am Freitag, 3. November, das nächste Mal tagt, berät zur Zeit über den neuen Stellenplan. Da es schwer geworden sei, freie Stellen zu besetzen, und zudem die Zahl der Theologiestudierenden sinke, sollten künftig Diakone und Geschäftsführer Aufgaben der Pastoren übernehmen, so eine Idee des Kirchenkreistages.

Dienstwagen als Anreiz

„Mittel der Landeskirche, die für den pfarramtlichen Dienst vorgesehen sind, müssen auch für Pastoren ausgegeben werden“, stellt dazu Dreyer klar. Das sei so fest verabredet. Derzeit gebe es noch ausreichend Theologen. Bei entsprechenden Anreizen – attraktiven Pfarrhäusern und Dienstwagen – arbeiteten sie auch auf dem Land. Die Einnahmesituation der Landeskirche erlaube da Verbesserungen. Zudem ließen sich Berufsanfänger gezielt in Landgemeinden aussenden.

„In einigen Jahren zeichnet sich aufgrund der geringen Studierendenzahlen tatsächlich ein Theologenmangel ab“, räumt der Pastor ein. Die Landeskirche reagiere darauf, indem sie verstärkt um Nachwuchs werbe. Sie versuche zudem Spätberufene zu gewinnen, die aus einem anderem Beruf ins Pfarramt wechseln wollten. Außerdem sei es Pastoren nun möglich, auf eigenen Antrag hin über das 65. Lebensjahr hinaus zu arbeiten.

Die Idee, Pfarrstellen in Diakonenstellen umzuwandeln, hält Dreyer für „unausgegoren“. Zum einen gebe es auch bei den Diakonen einen Bewerbermangel. Zum anderen ziehe es sie ebenfalls in die Städte – ein gesamtgesellschaftlicher Trend.

Geschäftsführer passen nicht ins Gehaltsgefüge

Wenig hält der Pastorenvertrer vom Vorschlag, Geschäftsführer einzustellen. Deren Einkommensvorstellungen passten nicht unbedingt ins kirchliche Gehaltsgefüge. Bedenkenswert sei es, entsprechende Aufgaben verstärkt an die Kirchenkreisämter zu delegieren. Die dortigen Mitarbeiter seien gegebenenfalls höher einzugruppieren.

Mit Skepsis reagiert Dreyer auf die Idee des Kirchenkreistages, künftig Regionen wie das Eichsfeld von einem Pastorenteam betreuen zu lassen. Die einzelnen Gemeinden hätten dann nicht mehr einen ihnen fest zugeordneten Pastor. „Das gefährdet das Fundament der Kirche“, warnt der Theologe. Ein Pastor müsse die Beziehung zu den Menschen pflegen. Nur dann vertrauten sie ihm und blieben.

Vertrautheit geht bei Pastorenteams verloren

„Lutheraner gehen seltener in die Kirche als Katholiken“, weiß Dreyer. Umfragen zeigten aber, dass sie ihren Pastoren trotzdem kennen würden und auch ganz gut einschätzen könnten. Der eine lese regelmäßig den Gemeindebrief oder die Sonntagsandacht des Pastoren in der Zeitung. Andere sprächen mit ihm beim Geburtstagsbesuch der Oma, bei Taufen, Hochzeiten oder Beerdigungen. Sie sähen ihn im Supermarkt oder hörten ihn bei offiziellen Veranstaltungen reden.

„Diese Vertrautheit geht verloren, wenn der Pastor nicht mehr vor Ort wohnt“, warnt Dreyer. Schon heute werde das Verhältnis ausgehöhlt, weil ein Pastor mehrere Gemeinden betreuen müsse.

Im Untereichsfeld sind seit 2014 vier Pastoren, die sich 2,75 Stellen teilen, für sechs Gemeinden mit zusammen 22 Ortschaften zuständig. Jeder von ihnen kümmert sich um durchschnittlich 2500 Gemeindemitglieder. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 gab es im Untereichsfeld noch fünf Pfarrstellen.

Von Michael Caspar

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