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Kung-Fu für Koordination und Selbstbewusstsein

Nesselröder Sportgruppe Kung-Fu für Koordination und Selbstbewusstsein

In Nesselröden gibt es jetzt eine neue Sportgruppe. Sie ist speziell für Kinder zugeschnitten, die Defizite in ihrer Entwicklung zeigen.

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Koordination und Fitness: Ziel der Nesselröder Kindergruppe um Lehrer Sebastian Hartmann ist, diese Fähigkeiten über Kung-Fu zu verbessern.

Quelle: Pförtner

Die vier Jungen zwischen neun und elf Jahren stehen in einer Reihe mit dem Gesicht zu ihrem Lehrer. „Jetzt die Hände zusammen, und wie heißt es dann?“, fragt sie Sebastian Hartmann. Kurzes Schweigen, ratlose Gesichter. Doch dann platzt es stolz aus einem der Kinder hervor: „Si-hing hao!“ (Guten Tag, Lehrer), dazu eine kurze Verbeugung. Kung-Fu-Lehrer Hartmann nickt. „Genau.“ Schon diese respektvolle Begrüßung der Kampfkunst ist für die Anfänger im Kurs des Nesselröder Gesundheitssportvereins nicht leicht. Sehr fremd sind anfangs die Kultur, die Sprache, die Bewegungen des alten chinesisches Gesundheits- und Kampfsystems.

Warum sie hier sind, wird schon beim Aufwärmen in dem kleinen Raum am Ortsrand von Nesselröden deutlich: Manche schnappen nach Luft, bei anderen sind die Bewegungen unkoordiniert. „Der Kurs ist für Kinder mit Handicap gedacht“, erläutert Physiotherapeutin Ines Schenke von der Praxis Schenke und Schöttler, die zu den Initiatoren gehört. Handicap ist in diesem Fall nicht als Behinderung zu verstehen. Es geht um Kinder, „die noch nicht in ihrem Körper zu Hause sind“; Kinder, mit eingeschränkten motorischen Fähigkeiten beispielsweise sowie Aufmerksamkeitsdefiziten oder Hyperaktivität. Häufig sind hiervon Jungen betroffen. Diese Kinder hätten oft Probleme damit, an den Veranstaltungen normaler Sportvereine teilzunehmen, der großen Gruppe und der eigenen Außenseiterrolle wegen. Schenke: „Ich wurde oft angesprochen von Eltern: Eigentlich würden sie gerne, doch unsere Kinder trauen sich nicht. Welche Sportart wäre die richtige für sie?“ Daraufhin sei die Idee zum Kung-Fu entstanden, ein neues Angebot in der Region.

Beim Training sind die Kinder inzwischen bei den ersten Haltungen angekommen: „Wie heißt die Bergsteigerstellung“, fragt Hartmann. Die Kinder gehen leicht in die Knie, und schieben ein Bein vor. Dann folgt die erste Schlagübung. Konzentriert versuchen die Schützlinge die Faust richtig zu halten, abwechselnd zählen sie bei jedem Schlag rhythmisch von eins bis zehn.

Kung-Fu ist durchaus für Kinder geeignet, deren Fähigkeit zur Bewegung wenig ausgeprägt ist, finden Schenke und Hartmann, der selbst bei dem Göttinger Meister Peter Frömke lernt, einem hochdekorierten Kung-Fu-Sportler. Dazu kommt der Überbau des Sportes: Die Arbeit in der Gruppe, der Respekt voreinander, Fairness sowie der Wechsel von Distanz und Nähe. „Es entwickelt sich ein Wir-Gefühl“, glaubt Schenke, „und mit der eigenen steigenden Leistung steigt das Selbstbewusstsein“. Keineswegs müssten Eltern Angst haben, „einen kleinen Kampfdrachen zu bekommen“.

Der 27-Jährige Hartmann, der die Gruppe seit wenigen Monaten betreut, sieht bereits erste Fortschritte: Das Wechselspiel beider Körperhälften beispielsweise, die Konzentrationsfähigkeit oder einfache Dinge, wie auf einem Bein zu stehen. Fähigkeiten, die heute nicht unbedingt mehr selbstverständlich sind. Dem kleinen Eric gefällt es jedenfalls ganz gut bei seinem neuen Sport: „Auch wenn es ganz schön anstrengend ist.“

Ansprechpartnerin: Ines Schenke, Telefon 01 71 / 353 25 98. Ziel sind zwei nach Alter gestaffelte Gruppen, für Kinder von 6–9 und 9–12 Jahren.

Von Erik Westermann

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