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Landlust statt Landfrust in Esplingerode

Aus der Not eine Tugend gemacht Landlust statt Landfrust in Esplingerode

Ein Jahr ist es her, seit einem Dorf im Eichsfeld der Untergang prophezeit wurde. Doch ein Dorfspaziergang durch Esplingerode zeigt: Nicht alles ist schlecht am Leben unter der Käseglocke.

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Fleckchen im Grünen: Das Leben abseits der Stadt hat nicht nur Schattenseiten, meint Esplingerodes Ortsbürgermeisterin Christa Kellner.

Quelle: IS

Esplingerode. „Esplingerode – ein Dorf im Eichsfeld stirbt aus“ überschrieb im Juli 2014 „Die Welt“ eine Online-Galerie, die Esplingeröder zwischen Landlust und Landfrust zeigte. Unter ihnen Ortsbürgermeisterin Christa Kellner (CDU). Die 62-Jährige wurde, verloren in die Ferne blickend, vor einer abbruchreifen Scheune gezeigt. „Eine Ortsbürgermeisterin in den Trümmern ihres Dorfes“ wäre ein passender Bildtitel gewesen.

Wenn Kellner heute vor dem Gebäude an der Hauptstraße steht, sagt sie: Die Tischlerin, die dort wohnt, die kümmert sich. Wann immer es ihre Zeit zulasse, arbeite sie am Gebäude. Beispiele gelungener Sanierungen gebe es viele. „Man braucht nur Ideen, um aus einem alten Bauernhof ein wunderschönes Wohnhaus zu machen“, sagt sie. Dass vielen jungen Leuten der Mut fehle, sich an ein solches Projekt heranzutrauen, sei ihr bewusst.

Aber die Zugezogenen hätten bewiesen, dass sich der Aufwand lohne. Aus Göttingen, Berlin und Cuxhaven seien Menschen nach Esplingerode gezogen, die die Dorfidylle schätzten. Sicher gebe es auch Ruinen unter den Gebäuden. Doch Kellner hat sich vorgenommen auszuloten, ob es nicht Liebhaber auch für alte Häuser gebe. Außerdem schwebt ihr ein kleines Baugebiet vor – mit Blick auf Felder und Pferdeweiden.

Trübsinn blasen aufgrund der demografischen Entwicklung, entspräche nicht Kellners Naturell. Sie nimmt die Veränderung in der Gesellschaftsstruktur wahr, aber nicht hin. Stattdessen kämpft sie darum, für ihren totgesagten Ort zu werben und neuen Bewohnern das Idyll schmackhaft zu machen – auch wenn es manchmal schwer fällt. Demnächst hat sie das Fernsehen da, um vor laufenden Kameras „Landlust“ zu erzeugen.

Arbeitsgruppen zur Zukunftsgestaltung seien auch so eine Idee.  Kellner stellt sich ein großes Mensch-Ärgere-Dich-Spiel im Ort vor und einen regelmäßigen Treffpunkt für die Generation 50 Plus. Für Kinder werde ebenfalls einiges getan: Spielplatz Bolzplatz sind vorhanden. Und: „Wo sonst können Kinder auf der Straße spielen?“, fragt sie.

Wahrscheinlich hat sie recht. In einer Stunde Aufenthalt in Esplingerode sind fünf Autos, ein Trecker, ein Mofa und ein Bus unterwegs. Allesamt auf der Hauptstraße. Die Seitenstraßen erkunden höchstens Radfahrer. Sie nutzen die alte Bundesstraße. Seit dem Bau der Umgehungsstraße ist sie nicht mehr für Autos freigegeben. „Als die Umgehung gebaut wurde, haben viele gesagt: Jetzt sind wir endgültig abgeschnitten“, sagt Kellner. Für sie war die neue Strecke um den Ort herum nicht der Grund allen Übels.

Sie sieht es positiv, dass Duderstadt in fünf Minuten mit dem Auto, in 20 Minuten mit dem Rad erreichbar sei. Am Ortsausgang, der auf den Radweg führt, steht noch das alte Straßenschild: Esplingerode steht darauf durchgestrichen. Das Feld für den nächstliegenden Ort ist leer. Die Front des Schildes ist von Blättern überwuchert, so dass nicht mehr davon erkennbar ist, wo man sich befindet. „Macht nichts“, sagt Kellner selbstbewusst. „Das brauchen wir nicht.“

Lehrerwohnung und Baugebiet

Unter anderem mit dem Erhalt der Lehrerwohnung beschäftigt sich der Ortsrat Desingerode/Esplingerode/Werxhausen in seiner Sitzung am Dienstag, 14. Juli.

Beginn ist um 19.30 Uhr in der Esplingeröder Mehrzeweckhalle. Weiteres Thema soll das Baugebiet in Esplingerode sein.

 

©Schauenberg

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©Richter