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Landolfshausen: Gottesdienst vor dem Tresen

Evangelische Gemeinde Landolfshausen: Gottesdienst vor dem Tresen

Auf dem grünen Oma-Sofa machen es sich ein paar Jugendliche gemütlich. Die historischen Schwarzweißfotos an der Wand erzählen vom Dorfalltag im vergangenen Jahrhundert, und der Duft vom Sonntagsbraten  lässt manch einem im überfüllten Gasthaus Jünemann das Wasser im Munde zusammenlaufen. Doch der weiß gedeckte Tisch vor dem Tresen mit Kerze, Kreuz und Bibel verrät: Hier geschieht heute etwas Besonderes.

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Gesangsbücher statt Biergläser: Kirche in der Kneipe.

Quelle: Richter

Landolfshausen. „Seit neun Jahren feiern wir im Januar unseren Gasthausgottesdienst“, blickt  Pastor Andreas Laack schon auf das Jubiläum im kommenden Jahr, das ebenfalls würdig gefeiert werden soll. Im Winter sei die große Kirche  St. Petri gegenüber der Dorfgaststätte schwer beheizbar. Schon zu früheren Zeiten zog die Gemeinde daher in die Pfarrscheune, wie das Gemeindehaus genannt wird. Und auch der Vorgänger von Pastor Laack, Christoph Büchner, hatte verstanden: „Die Tendenz der Kirche heißt, dorthin zu gehen, wo die Menschen sind. Früher sind die Leute nach dem Gottesdienst zum Frühschoppen ins Gasthaus gegangen. Warum also nicht den Wintergottesdienst dorthin verlagern?“ Zudem habe er beispielsweise schon bei Vereinsjubiläen und auf der Dorfkirmes Gottesdienste gefeiert.

Laack ergänzt: „Wir können uns freuen, dass Landolfshausen noch beides hat: eine Kirche  und ein Gasthaus. Nach dem Wintergottesdienst bleibt eben gleich die Einladung zum Sitzenbleiben.“

Gastwirt Hermann Jünemann kann ebenfalls seine persönliche Anekdote beitragen, wie es zu einem Gasthausgottesdienst in Landolfshausen kam: „Wenn sonntags Kirche ist, muss ich immer arbeiten. Wenn ich montags Ruhetag habe, ist auch die Kirche zu. Also konnte ich nie an den Gottesdiensten teilnehmen. Aber beim Gasthausgottesdienst bin ich auch dabei“, erzählt er.

Vor Beginn werden noch Stühle aus den Hinterstuben herangeschafft, damit alle einen Sitzplatz finden. Der Gasthausgottesdienst wird gut angenommen. Auch aus anderen evangelischen Gemeinden, aus Seulingen, Waake, Ebergötzen und Falkenhagen, sind Gläubige und Konfirmanden gekommen, um teilzunehmen. In seiner Predigt verbindet Laack im Gedenken an den 200. Todestag des Dichters Matthias Claudius traditionelle christliche Werte mit der Gegenwart. „Wenn wir sehen, was heute auf unseren Straßen los ist, könnte uns das Gottvertrauen eines Matthias Claudius als Vorbild dienen“, sagt Laack.  Er stellt den Dichter ebenso als genügsamen Geist und Lebenskünstler wie auch als gläubigen Christen dar.

Natürlich darf auch beim Gasthausgottesdienst die Orgel nicht fehlen. „Es ist praktisch, wenn man sein Instrument mitnehmen kann“, sagt Organist Martin Jebsen schmunzelnd mit Blick auf seine transportable Elektro-Orgel.

Von Claudia Nachtwey

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