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Leben von 21 433 Gieboldehäusern abgeschrieben

Ahnenforschung Leben von 21 433 Gieboldehäusern abgeschrieben

Sabine Wehking tippt routiniert auf ihrem Notebook herum, der Projektor macht, was er soll und wirft ein riesiges detailliertes Tabellensystem an die Wand. Was die Historikerin den gespannten Gieboldehäusern im Pfarrsaal zeigen will, sind rund 4000 Stunden Arbeit.

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Historische Aufnahme aus dem Jahr 1907: Hedwig Wagner und Hermann Friedrich werden in der St.-Laurentius-Kirche in Gieboldehausen getraut.

Quelle: EF

Zusammen mit dem Arbeitskreis „Geschichtswerkstatt“ hat Wehking eine computergestützte Genealogie des Dorflebens zwischen 1694 und 1910 erstellt. Sie beinhaltet Geburten, Hochzeiten, Todesfälle und jede Menge Kurioses.

Rund 60 interessierte Zuhörer sind gekommen, um alles über das Projekt zu erfahren. „Wer den Großvater sucht“, sagt Ortsheimatpfleger Gerd Rexhausen, „braucht jetzt nicht mehr nach Hildesheim zu fahren und dort für eine Stammbucherstellung bis zu 2000 Euro bezahlen.“ Die Datenbank der Geschichtswerkstatt spuckt per Knopfdruck komplette Ahnenlisten und Familienstammbäume aus. Das Leben von 21 433 Gieboldehäusern haben die Ahnenforscher aus den katholischen und evangelischen Kirchenbüchern abgeschrieben.

„Da ist viel Freizeit draufgegangen“, berichtet Wehking weiter, „aber es hat großen Spaß gemacht.“ In ihrem Vortrag verzichtet sie nicht darauf, jene kleinen Anekdoten zu präsentieren, die sie mit dem Team zwischen den Zeilen herauslesen konnte. So wurden bei einem Hochzeitspaar die Ehrentitel der vorehelichen Keuschheit „honesto adolescenz“ und „honesta virgo“ im Nachhinein wieder durchgestrichen. Der Grund hierfür findet sich in der Spalte „Geburten“, der Nachwuchs ließ nach der Trauung keine neun Monate auf sich warten. Skurrile Todesarten wie „Blitzschlag“ oder besondere Namensgebungen wie Appolonia oder Cyriakus sorgen für allgemeine Erheiterung.

Auch der Gieboldehäuser Christoph Rudolph ist mit seinem Vater Karl-Heinz gekommen, um mehr über das Projekt zu erfahren. „Ich finde es toll, dass es so etwas gibt. Leider interessieren sich überwiegend nur Ältere für Ahnenforschung.“ Der 20-jährige gehört zu den Jüngsten im Saal. Aber das hält ihn nicht davon ab, auch selbst etwas über seine Vorfahren in Erfahrungen bringen zu wollen: „Der mütterliche Teil meiner Familie stammt aus Frankreich. Ich möchte nachforschen, wo ihre Wurzeln liegen.“ Vater Karl-Heinz, Landwirt im Nebenerwerb, ist ebenso begeistert. Er hat sich von Gerd Rexhausen zeigen lassen, dass die Existenz seines Gehöfts über 400 Jahre zurückzuverfolgen ist.
Katharina Haase (56) interessiert sich besonders für ihren Mädchennamen. „Die „Dörings“ nehmen die Spitzenposition in der Rangliste der häufigsten Familiennamen ein“, weiß sie. „Es hat mich gereizt zu erfahren, wo da die verwandtschaftlichen Ursprünge liegen.“ Im Gespräch mit ihrer 77-jährigen Sitznachbarin hat sich herausgestellt, dass auch diese über einen vielgenutzten Nachnamen verfügt. Therese Rittstieg ist eine geborene Gerhardy und folgt Haase damit direkt auf Platz Zwei der ultimativen Namensliste. „Ich wollte einfach mal wissen, wie viele Gerhardys es gibt“, erklärt Rittstieg ihr Interesse. Markus Sommer ist mit seinem Namen der dritthäufigste Gieboldehäuser Vertreter. „Ich finde das Projekt sehr begrüßenswert und freue mich schon darauf herauszufinden, was alles über meine Familie bekannt ist.“

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