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Arbeitskreis interessierter Landwirte im Eichsfeld

„Landwirte sind Opfer ihres eigenen Erfolges“ Arbeitskreis interessierter Landwirte im Eichsfeld

„Eine Glaskugel haben wir nicht“, bekannte Volksbank-Berater Karlheinz Gehrt beim Arbeitskreis interessierter Landwirte im Eichsfeld. Eine Antwort auf die Eine-Million-Dollar-Frage, wie sich die Preise in einem halben Jahr entwickeln, bekamen die rund 100 Besucher im Hotel Stadt Hannover auch nicht.

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Arbeitskreis interessierter Landwirte im Eichsfeld

Quelle: dpa/Symbolbild

Germershausen. Gedanken über Risikostreuung und langjährige Zusammenarbeit mit einer regionalen Hausbank können nach Ansicht der Experten aber Landwirte in Zeiten großer Preissprünge nach unten und oben über manche Klippe helfen.

Steigende Pacht- und sinkende Produktpreise als Herausforderungen für das Risikomanagement landwirtschaftlicher Betriebe waren das Thema für Ludwig Theuvsen. Er ist Professor für Betriebswirtschaftslehre im Bereich Agribusiness und Leiter des Departments für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung der Göttinger Universität.

Auch für kleinere Betriebe kann es sich aus seiner Sicht lohnen, sich über Risikosteuerung Gedanken zu machen. Über Vertragsgestaltung, Liquiditätsplanung oder Strategien wie Spezialisierung oder Diversifizierung gebe es ein breites Spektrum an Maßnahmen. „Risikotragfähgigkeit ist nicht dasselbe wie Wettbewerbbsfähigkeit“, mahnte der Experte.

Bayerisches Drei-Säulen-Modell

Der Aufwärtstrend bei den Erzeugerpreise habe der Landwirtschaft gut getan. Das obere Drittel der Betriebe habe aber mehr profitiert als das untere. Die Spannbreite sei selbst bei Ackerbaubetrieben groß. Eine Analyse von Szenarien, was wäre wenn, ist aus Theuvsens Sicht sinnvoll. Nicht jeder könne schließlich die Betriebsart erreichen, die sich als  am stabilsten erwiesen habe, merkte Theuvsen an – „das bayerische Drei-Säulen-Modell: 20 Milchkühe, ein Lehrerinneneinkommen und drei Ferienwohnungen“.

Nach teilweise historischen Höchstständen wie bei Milch gingen derzeit die Erzeugerpreise weltweit nach unten, so Theuvsen. „Die Landwirte sind Opfer ihres eigenen Erfolges geworden.“ Die Angebotsmenge sei stärker gestiegen als die Nachfrage. Langfristig rechne die Welternährungs-Organisation wegen steigender Bevölkerung wieder mit einem höheren Preisniveau, kurzfristig wiesen aber keine Indikatoren auf eine Trendwende am Markt hin.

Positiv sei nur der geringe Euro-Kurs im Verhältnis zu den USA zu nennen. Nachdem die EU die Abschottung von den Weltmärkten aufgebe, gebe es ein starkes Auf und Ab der Preise, auch im Eichsfeld.

Keine Rolle von Spekulanten

Auch wenn die Energiemärkte für die Agrarwirtschaft „erstaunlich bedeutend“ geworden seien, ist für Theuvsen das Verhältnis von Bevölkerungsentwicklung zu Produktionssteigerung der entscheidende Faktor. Schon kleine Differenzen führten zu großen Preisbewegungen. Die Nachfrage sei eben relativ inflexibel. An eine große Rolle von Spekulanten glaubt Theuven nicht. Sie seien „randständig“.

Der Professor bot Landwirten an, die einen vertieften Blick auf ihren Betrieb ins Auge fassten, bei der Vermittlung von Studenten zu helfen.

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