Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Lutheraner kaufen Barkefeldschen Hof

Marktstraßen-Grundstück Lutheraner kaufen Barkefeldschen Hof

150 Jahre ist es her, da erwarb die evangelisch-lutherische Gemeinde in Gieboldehausen den Barkefeldschen Bauernhof in der Marktstraße 25. 2800 Taler zahlten die Christen für das Grundstück, auf dem zunächst eine evangelische Schule und 1877 die Gustav-Adolf-Kirche entstand. 

Voriger Artikel
Rückzug aus Germershausen?
Nächster Artikel
Zum 15. Mal geht Kultursommer über die Bühne

Anno Dazumal: So sah die Marktstraße in Gieboldehausen 1868 aus, rechts im Bild der Steintritt des Barkefeldschen Hofes.

Quelle: EF

Das Foto aus dem Jahr 1868 zeigt eine Kinderschar auf der Marktstraße. Eine Frau mit Korb verlässt das Haus. „Das ist die älteste Fotographie, die wir haben“, sagt Wilhelm Bode von der Gieboldehäuser Geschichtswerkstatt. Das erste Haus auf der rechten Seite ist der Barkefeldsche Hof. Er musste 1895 dem neuen Pfarrhaus weichen. Franz Nolte, der eine geborene Barkefeld geheiratet hatte, versetzte das Fachwerkgebäude in die Fleckenstraße 77. Dort steht es bis heute. 

„Auf dem Marktstraßen-Grundstück hatte sich ursprünglich das Vorwerk – der Wirtschaftshof – des Gieboldehäuser Amtes befunden“, berichtet Ortsheimatpfleger Gerhard Rexhausen. Der Hof bewirtschaftete die landwirtschaftlichen Flächen, mit denen das Amt ausgestattet war. Als 1694 ein verheerender Stadtbrand auch das Vorwerk zerstörte, wurde es in der Marktstraße nicht wieder aufgebaut. Stattdessen kam es zu einer Aufteilung der Fläche in Parzellen. Eine davon erwarb Familie Barkefeld. 

Glauben treu geblieben

Dass die Lutheraner das Grundstück 1859 kaufen konnte, zeigt ihr Erstarken. Lange Zeit waren im Ort nur die Freiherren von Minnigerode zu Gieboldehausen evangelisch gewesen. Sie hatten sich vor 1530 wie fast alle Adligen im Eichsfeld den Lutheranern angeschlossen. Die von Minnigerode blieben dem neuen Glauben treu, als die Jesuiten von Heiligenstadt aus die Gegenreformation vorantrieben. 

Wachsen konnte die Gemeinde erst, als das Erzbistum Mainz, welches das Eichsfeld jahrhundertelang regiert hatte, 1803 aufgelöst wurde. Das Untereichsfeld kam 1815 an das Königreich Hannover, das lutherisch geprägt war. Evangelische Beamte zogen zu. Ihnen folgten evangelische Geschäftsleute, Handwerker und Arbeiter. In den 1850er-Jahren lebten bereits 100 Lutheraner in Gieboldehausen. Sie besuchten die Kirche in Wollershausen, wo es auch eine weiterführende evangelische Schule gab. 

Die Gieboldehäuser Gemeinde wurde 1877 mit Einweihung der eigenen Gustav-Adolf-Kirche selbstständig. Heute gibt es mehr als 1000 Lutheraner im Ort. 

Von Michael Caspar

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Duderstadt
Apfel- und Birnenmarkt in Duderstadt

©Richter