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Maisernte für Ottobock in Duderstadt

„Vom Trecker sieht die Welt anders aus“ Maisernte für Ottobock in Duderstadt

Es ist kaum zu übersehen: Die Maisernte für die Biogasanlage von Ottobock hat begonnen. Anwohnern und Autofahrern fällt das vor allem durch das erhöhte Verkehrsaufkommen auf, sie fürchten Lärm und Schmutz auf und an den Straßen.

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Bei der Arbeit: Landwirt Alvis Fahlbusch im Führerhaus seines Treckers.

Quelle: Schauenberg

Duderstadt. Tatsächlich fahren die Trecker mindestens noch bis kommenden Mittwoch von 7 bis 22 Uhr zwischen den Feldern und der Biogasanlage hin und her. Das hat aber auch einen Vorteil: Die benötigte Silage für ein ganzes Jahr wird in nur zehn Tagen eingefahren. Kreislandwirt Hubert Kellner und Anlagenleiter Hans-Hermann Haase wissen um die Belastung für Anwohner und Landwirte und werben um Verständnis: „Oben vom Trecker sieht die Welt einfach ganz anders aus“, sagt Kellner. Grund genug, die Maisernte einmal vom Traktor aus zu begleiten.

Alvis Fahlbusch und Helmut Rhode nicken sich kurz zu, als sie sich vor dem Maisfeld bei Westerode  begegnen. Die Landwirte sind zwei der 14 Anteilseigner der Biogasanlage, die derzeit auf den Straßen um Duderstadt unterwegs sind. Rhode gehören 25 der 300 Hektar Anbaufläche. Nach einer  zehnminütigen Fahrt biegt er links auf das Feld ab. Der Verkehr staut sich kurz, weil Fahlbusch vor ihm Maishäcksel von der Straße kehrt, die durch die Erschütterung des Einbiegens auf das Feld von seinem Hänger gefallen sind. Nach weniger als einer Minute fließt der Verkehr wieder.

Auch den Fahrer des Häckslers, der die Maispflanzen zerkleinert und während der Fahrt auf den Anhänger Rhodes bläst, grüßt der Landwirt wortlos. Die beiden werden sich sowieso noch häufig sehen – ungefähr 16 Touren schafft jeder Landwirt am Tag. Zeit für eine Unterhaltung ist bei diesem Pensum meist knapp. Jedes Maisfeld wird von außen nach innen abgeerntet. Dabei muss Rohde aufpassen, nicht zu nah an den Häcksler heranzufahren, besonders, wenn beide Fahrzeuge an einer Ecke wenden müssen.

„Wir bauen nur regional an"

Nach rund fünf Minuten ist der Anhänger voll. Rhode steuert seine Zugmaschine wieder vom Feld auf die Straße. „Die Mais-ernte ist auch für Landwirte eine besondere Belastung, da sie für uns mitten in der Bestellzeit liegt. Aber die Maisreife gibt den Erntezeitpunkt vor“, erklärt der 27-Jährige. Er wünscht sich, dass alle Beteiligten den engen Zeitplan einhalten werden können und dass auf den Straßen auch in diesem Jahr wieder alles glatt läuft. Dafür sind die Bauern angehalten, innerorts mit nur 30 Stundenkilometern zu fahren.

Für die Biogasanlage am Breiten Anger wird nur in einem Radius von sechs Kilometern geerntet. „Wir bauen nur regional an, durch kurze Wege wird CO2 gespart, und die Wertschöpfung ist höher“, sagt Anlagenleiter Haase. Auch das vom Treckerverkehr betroffene Gebiet wird damit so klein wie möglich gehalten. Der Eindruck vieler Menschen, dass die Landschaft mehr und mehr durch Mais geprägt ist, teilt Kellner nicht.

Nur sieben Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen im Kreis Duderstadt dienten dem Maisanbau, so der Kreislandwirt. „Von Vermaisung der Landschaft kann keine Rede sein“. Haase ergänzt, dass der Maisverbrauch der Anlage ohnehin relativ gering sei, da auch Grassilage, Zuckerrüben sowie Rinder- und Schweinemist zur Energiegewinnung eingesetzt würden. Der mit dem Biogas erzeugte Strom wird ins Netz eingespeist, die Wärme nutzt die Firma Ottobock ganzjährig.

Von Jonas Rohde

Auch für die Biogasanlage von Ottobock wird derzeit Mais geerntet: Landwirte werben um Verständnis. © Schauenberg

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