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Maria Göthling liest auf der Roten Warte in Duderstadt Märchen

Für Kinder und Erwachsene Maria Göthling liest auf der Roten Warte in Duderstadt Märchen

Auf eine „Reise ins Zauberreich der Fantasie" hat Maria Göthling die Zuhörer im beinahe voll besetzten Café des Forsthauses Rote Warte entführt. Die Autorin las am Sonnabendnachmittag aus „Die Kinder der Pusteblume gehen auf die Reise". Das Buch mit Märchen für Kinder und Erwachsene hatte die Worbiserin im Fabuloso-Verlag veröffentlicht.

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Maria Göthling

Quelle: Eckermann

Duderstadt. Erste Station der Reise: die Katzenwelt. Ähnlich wie in den Geschichten um Nero Corleone von Elke Heidenreich nahm Göthling die Perspektive eines kleinen Katers an: Maunz. Maunz wird auf einem Bauernhof geboren, muss aber schon bald sein Zuhause verlassen. Ehe er wieder im Kartoffelsack steckt, flieht Maunz in den Wald. Dort trifft er Wim. Wim ist erst „Iiih", denn Wim riecht nach Hund. Dann wird der Golden Retriever zum besten Freund des Katers. Die beiden Streuner finden ein neues Zuhause bei Elise - und plötzlich heißt Wim Simba und Maunz Artus. So skeptisch die Tiere anfangs sind, als der Mensch in ihr Leben tritt und einen Mann im weißen Kittel samt Spritze mitbringt, so glücklich sind sie, dass sie aufgenommen werden. „Hauptsache, wir haben ein gutes Frauchen und ein Zuhause gefunden."

Jahre später stehen die beiden wieder auf der Straße. Sie nennen sich wieder Maunz und Wim und finden dank Mümmel, dem Hasen, zu essen und zu trinken in Mülltonnen. Der nächste Mensch, der ihnen begegnet, ist Jens. Das Kind ist traumatisiert durch einen Unfall, der ihn verstummen ließ. Die Tiere gesellen sich zu ihm, kuscheln sich an ihn. Jens spricht wieder. Er tauft Maunz Tiger, Wim heißt jetzt Flocke. „Aber, was sind schon Namen. Nichts als Schall und Rauch", las Göthling.

Im zweiten Teil der Lesung ging es in die Welt von Ottokar, einem Kobold, keinem Wichtel, worauf er größten Wert legt. Ottokar fühlt sich wohl, wo es so richtig schmutzig ist. Also: Ab in den Schornstein. Von Rauch und Qualm lässt er sich in den Himmel tragen und purzelt auf eine Wolke. Die kann mit der Ferkelei auf ihrem wattebauschigen Kleid gar nichts anfangen und lässt Ottokar mit dem Regen auf die Erde plumpsen. Patschnass und damit sichtbar landet er auf der Erde, ängstlich, dass ihn sein Erzfeind, der Troll Knollennase finden könne. Das weise Wurzelmännchen Knurrig gibt ihm einen Rat: „Weglaufen hat noch nie jemandem geholfen. Und: Böses bekämpft man am besten mit Gutem." Außerdem zeigt er ihm den Weg zum guten Köhler, dessen kleine Tochter sehr krank ist. „Wenn das so weitergeht, muss das Baby unter die Erde zu den Trollen", fürchtet Ottokar und sucht erneut Hilfe bei Knurrig. Dieser erklärt ihm, es gebe ein Heilkraut gegen die Krankheit - bewacht von Knollennase. Ottokar will helfen, „auch wenn er vor lauter Angst Bauchweh bekam." Es gelingt ihm, das Kraut zu besorgen und es der Mutter des Kindes zu übergeben. Als Dank für die Heilung des Kindes übergibt ihm die Mutter neue Kleider, die er stolz Knurrig präsentiert. Dieser klärt ihn auf, dass ein Kobold, der ein Geschenk angenommen hat, beim Schenkenden bleiben muss. Und er zeigt ihm den Troll, zusammengeschrumpft auf ein kraftloses Geschöpf: Die gute Tat hatte ihn kleiner werden lassen. „Ahnst Du es immer noch nicht", klärt Knurrig Ottokar auf: „Du bist kein Kobold, Du bis ein Wichtelmännchen." Vielleicht nicht das Schlechteste, findet Ottokar schließlich. „Der Schalk saß ihm dennoch im Nacken. dafür war er viel zu lange ein Kobold gewesen."

Mit ihren Kurzgeschichten erreichte Göthling Kinder wie Erwachsene. Während sie las, war es mucksmäuschenstill im Forsthaus. Ihre Sprache ist schlicht und schnörkellos, aber warm und weich, ähnlich die Stimme der 1954 geborenen Autorin. Es gelang ihr, nachdenkliche Themen in kindgerechte Sprache und einen angenehmen Vortrag zu verpacken. Eine Märchentante im besten Sinne.

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©Richter