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Markus Kohlstedde saniert Duderstädter Obermühle

Der Mühlenmeister Markus Kohlstedde saniert Duderstädter Obermühle

Man sagt, Gottes Mühlen mahlen langsam. Im Falle der Obermühle kann das nicht stimmen. Obwohl hier nicht einmal mehr das Mühlrad vorhanden ist, geht es an der Baustelle an dem historischen Gebäude scheinbar rasend schnell voran.

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Herr eines hölzernen Räderwerks von historischer Bedeutung: Markus Kohlstedde saniert die Obermühle.

Quelle: Richter

Duderstadt. Erst im August hatten die neuen Besitzer, der Geschäftsführer des Duderstädter Krankenhauses, Markus Kohlstedde, und seine Frau Rita das 11 750 Quadratmeter große Grundstück übernommen. Schon jetzt ist das Wohnhaus auf dem ehemaligen Grund der Familie Achtermeier hergerichtet.

Und auch am Mühlenhaus ist schon einiges passiert: Die Fachwerkfassade an der Vorderfront ist bereits freigelegt, ein erster Schatz gehoben: Während der Arbeiten sind nicht nur eine Zeitung aus dem Jahr 1950 und ein Marienbild zu Tage getreten, sondern auch ein Schmuckbalken, den Hausherr Markus Kohlstedde nun wieder sichtbar machen möchte.

Viel größer aber war für den 43-Jährigen die Überraschung, als er den Zustand des Fachwerkes sah: Ein Balken ist förmlich schwarz vor Nässe, die Substanz deutlich angegriffen. „Hier müssen definitiv Balken ersetzt werden“, erklärt Kohlstedde. Er und seine Frau Rita (44) arbeiten vom ersten Tag an mit Dachdecker Wilfried Beck zusammen, der als Bauleiter jeden Handgriff auf der Baustelle überwacht. Außerdem begleitet die untere Denkmalschutzbehörde das Bauvorhaben.

Hinweise finden sich im gesamten Gebäude

Denn die Obermühle gehört zu den historischen Schätzen Duderstadts: Erstmals erwähnt wurde sie 1449, in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand die Sägemühle. „Sie war bis vor 50 Jahren noch in Betrieb“, erklärt Kohlstedde, der sich gut vorstellen kann, zwei Ferienwohnungen im Wohnbereich des historischen Gebäudes unterzubringen.

An den Arbeitsalltag in der Mühle erinnert noch heute das erhaltene Sägewerk, das Kohl-stedde wieder in Gang bringen möchte. „Natürlich nicht über die Mühle betrieben“, sagt er, „sondern über einen kleinen Motor“. Damit wolle er zweimal im Jahr – beim Tag des offenen Denkmals und beim Mühlentag – Besuchern einen Eindruck vermitteln, wie an der Obermühle gearbeitet wurde. Hinweise darauf befinden sich im gesamten Gebäude: Von der massiven Werkbank bis zu alten Sägen, Hämmern und hölzernen Leitern hat Kohlstedde alles aufgehoben, um am historischen Ort einen musealen Bereich einzurichten.

Die bisherige Arbeit habe aber, berichtet der 43-Jährige, darin bestanden, alles aus dem Gebäude zu schaffen, was von der historischen Einrichtung ablenkt. Diese habe selbst einen hinzugezogenen Gutachter überrascht: „Er war ganz begeistert, in welch gutem Zustand sich die Mühle befindet“, erläutert Kohlstedde.

Sonntags beim Brötchenholen erfahren

Von gutem Zustand kann bei einem weiteren Schatz, der in der Erde hinter dem Gebäude schlummert, zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Rede sein. Dennoch lassen sich unter Erde und Gestrüpp noch die Überreste des ersten Freibades Duderstadts, der sogenannten Badeanstalt, erahnen. Die Außenmauern des Bades sind zwar überwuchert, aber gut erkennbar. Ebenso wie die beiden Tauchbecken in unmittelbarer Nachbarschaft des Beckens, das einst über einen Zulauf der Brehme gespeist wurde. „Heute würde man das ein Naturfreibad nennen“, sagt Kohlstedde schmunzelnd mit Blick auf das Freibad, in dessen Mitte bereits kleine Bäume wachsen.

Auch hier will der Neu-Duderstädter, der seinen neuen Wohnort bereits liebevoll als Heimat bezeichnet, ans Werk gehen: Nach dem Ausbaggern des Freibades will er auch hier viel Eigenleistung einbringen, um es wieder nutzbar zu machen. „Aber das wird wohl noch ein Weilchen dauern.“ Vielleicht entdeckt der Bauherr während der Arbeiten noch weitere Überraschungen.

Diese nimmt er aber inzwischen gern an. Schließlich sei er auch rein zufällig zu seinem neuen Domizil gekommen: „Eigentlich waren meine Frau und ich auf der Suche nach einem Aussiedlerhof für uns und unsere Töchter“, berichtet er. Doch die verfügbaren Gebäude hätten alle zu weit außerhalb der Stadt gelegen. Im Stadtkern habe die Familie nichts finden können. Von der Obermühle habe Kohlstedde schließlich sonntags beim Brötchenholen erfahren und sofort zugegriffen. „Wahrscheinlich sollte alles so kommen“, sagt Rita Kohlstedde. Gottes Mühlen mahlen eben langsam – aber stetig.

Fotos von der Duderstädter Obermühle vor der Sanierung. © Richter

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©Richter