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Leise Töne, experimentell zusammengesetzt

Martin und Michael Kohlstedt begeistern Leise Töne, experimentell zusammengesetzt

Vor dem Klavier loderte in einer Laterne eine Flamme, während sich das Flügelrad einer Weihnachtspyramide drehte und in einem alten Koffer ein Globus leuchtete. So stellte sich die Szenerie auf Burg Scharfenstein dar, als Martin und Michael Kohlstedt zum "Leisen Konzert" die Bühne betraten.

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Beuren. Bereits zum fünften Mal hatten die Brüder aus Breitenworbis zu einem "Leisen Konzert" am Vorabend des Heiligen Abend eingeladen. Und es sollte noch leiser werden als in den Jahren davor. "Schön, dass wir endlich wieder zu Hause sind. Endlich wieder Heimat", begrüßte Martin Kohlstedt das Publikum im vollbesetzten Saal.

Gleich beim ersten Titel des Konzerts wurde deutlich, dass der Vollblutmusiker mit seinem Klavier eine innige Verbindung eingeht. Dieser Eindruck musste sich den Konzertbesuchern zwangsläufig aufdrängen, merkte man dem Künstler doch an, mit welcher Leidenschaft und tiefem Gefühl er mit seinem Musikinstrument interagiert. Schließlich zitierte Kohlstedt Roger Willemsen , der einmal sagte, dass "die lebenswerten Güter - "Stille, Schönheit und Kunst"den Menschen heutzutage abhanden gekommen seien. So schien auch das zweite Musikstück des Abends, das den Namen "JIN" trägt, alle drei Dinge zu einer Symbiose aus Musik und Gefühl zu vereinen. 

Wie gefesselt und in die Musik versunken, schauten die Gäste den Künstlern zu, bevor Michael Kohlstedt das erste Mal als Solist auf der Gitarre glänzte. Einige der Besucher schlossen die Augen oder lehnten sich an ihren Partner an und entspannten sich sichtlich. 

Beim folgenden Instrumentalstück, dessen Name "GOL" wieder einer der tiefsinnigen Buchstabenkombinationen Kohlstedts entsprang, griff der Pianist das erste Mal in die Saiten des Flügels und entwickelte so einen perkusiven Sound. "Vielleicht findet jemand ja mal die Bedeutung der drei Buchstaben heraus. Ich setze manchmal nur Module zusammen. Man hat Motive und man hat mit dieser Dreierbuchstabenkombination faktisch eine DNA. Wenn das Stück sein drittes Modul bekommt, dann lasse ich es das erste Mal frei", beschrieb Martin Kohlstedt die Entstehung der Stücke. Die Musiker machten weiter,  verloren das gesamte Konzert über nicht unnötig viele Worte und kündigten ihre Musikbeiträge auf ihre eigene Art an - mal weiter ausholend und mal kurz und präzise. 

Bei den Stücken "LEH" und "AMS", das Martin und Michael Kohlstedt gemeinsam spielten, wurde es wieder etwas lauter, bevor zum Ende hin erneut leise Töne folgten. 

Zum vorletzten Musikbeitrag des Abends - einer gemeinsamen Improvisation - holte Martin Kohlstedt sein altes Harmonium hervor und bezeichnete das Stück augenzwinkernd als Herausforderung an seinen Bruder Michael, bevor die Künstler das Finish einläuteten undvom Publikum großen Applaus erhielten. Das Konzert endete schließlich so wie es begonnen hatte - mit leisen Tönen auf dem Piano.

 Von Gregor Mühlhaus

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