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Matthias Gehler spricht in Germershausen über die Wendejahre

Einst war er Chef von Angela Merkel Matthias Gehler spricht in Germershausen über die Wendejahre

Mit kritischen Liedern, zu denen er sich auf der Gitarre selbst begleitete, hat er sich zu DDR-Zeiten einen Namen gemacht. Nach der Wende diente er der letzten DDR-Regierung als Pressesprecher. Darüber sprach Matthias Gehler (61) beim Martinsempfang in der katholischen Bildungsstätte in Germeshausen.

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Quelle: ef

Germershausen. Dicht gedrängt saßen 95 Vertreter des kirchlichen und politischen Lebens im großen Versammlungsraum. In der geräumigeren Turnhalle, wo sonst der Empfang von Bildungsstäte sowie der katholischen Kirche des Ober- und des Untereichsfelds stattfindet, wird derzeit gebaut. Gehler hatte gleich zwei Gitarren aus Erfurt mitgebracht, wo er heute beim Landesfunkhaus Thüringen des Mitteldeutschen Rundfunks als stellvertretender Direktor, Chefredakteur und Hörfunkchef tätig ist.

Schon als Jugendlicher hielt Gehler Distanz zum Regime. Als einziger seiner Klasse trat der damals 14-Jährige nicht der Freien Deutschen Jugend (FDJ), dem staatlichen Jugendverband, bei. Vor seinem Theologiestudium machte er eine Lehre als Elektriker in einer Druckerei. Sie produzierte für das sogenannte Nichtsozialistische Wirtschaftsgebiet, also den Westen, unter anderem Keksverpackungen. Mit den schönen Schachteln schmückte Gehler, der unter dem bleiernen Grau des Sozialismus litt, sein Zimmer.

Zusammen mit anderen Lehrlingen konstruierte er nach Ideen des Meisters eine Druck- und Falzmaschine. Mit ihr nahmen sie am Wettbewerb der Meister von Morgen, dem DDR-Gegenstück zu Jugend forscht, teil. Gehler wurde ausgewählt, sie auf der FDJ-Großveranstaltung in Leipzig vorzustellen. Die Maschine war prominent mitten im Raum aufgebaut. Doch präsentieren durfte sie Gehler nicht. Er trug nicht das blaue Hemd des Jugendverbandes. So ging der Preis an andere.

Im Frühjahr 1989, als sich die Wende anbahnte, erhielt Gehler ein Auftrittsverbot in Theatern. Er sang in Kirchen vor bis zu 1000 Menschen. Die Stasi war immer dabei. Im Oktober bekam der Christ bei einer Demonstration in Berlin erstmals einen Polizeiknüppel zu spüren.

Nach der Wende stieg Gehler zum Regierungssprecher auf. Als Stellvertreterin stellte er eine Physikerin vom Demokratischen Aufbruch, einer der politischen Gruppen damals, ein. „Ein halbes Jahr lang war ich der Chef von Angela Merkel“, amüsiert sich Gehler. Merkel moderierte sein letztes Konzert zu DDR-Zeiten.

Jahrelang hat er die Gitarre dann nicht mehr angefasst. Auf Drängen von Freunden verfasste er dann 2014 eine Autobiographie, „Wenn Gedanken Flügel hätten“, und veröffentliche die alten Lieder erstmals auf CD. In Germerhausen bekam er kräftigen Applaus.

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©Richter