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„Mehr als Honig“ mit bitterem Nachgeschmack

Mythos Bienensterben „Mehr als Honig“ mit bitterem Nachgeschmack

 „Wenn das Summen verstummt“, „Tod im Bienenstock“: Schlagzeilen und Filmtitel wie diese bringen Dr. Gerhard Liebig auf die Palme. Der Bienenforscher hat beim Arbeitskreis interessierter Landwirte im Eichsfeld über das „Bienensterben - Fiktion und Wirklichkeit“ gesprochen.

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Quelle: Niklas Richter

Germershausen. Interessiert waren nicht nur die Landwirte, sondern auch die Imker und Zaungäste, die zu dem Vortrag im Hotel Stadt Hannover gekommen waren. Das viel beschworene „Bienensterben“ hält Liebig, der an der Landesanstalt für Bienenkunde in Stuttgart-Hohenheim die Populationsdynamik von Bienenvölkern untersucht hat, für eine Erfindung besorgter Umwelt- und Verbraucherschützer, „Ich-bin-nicht-schuld-Imker“ und „Experten mit High Tech für Hot-Air-Production“ - gegenseitig bestätigt und verbreitet vom Schwarm der Medien.

Der streitbare Wissenschaftler vertritt kompromisslose Positionen, kritisiert die „Pseudowirklichkeit der Medien“, beruft sich auf Forschungsergebnisse, Statistiken und Zahlenmaterial und kommt sich vor „wie beim Kampf gegen Windmühlen“: „Durchhaltevermögen lernt man beim Imkern.“ Hauptursache für Völkersterben im Winter sei eine unzureichende Bekämpfung der Varroa-Milbe, die Anwendung zugelassener Pflanzenschutzmittel nach Vorschrift verursache kein Bienensterben, betont Liebig. Fernsehen guckt der 67-Jährige nicht mehr („weil es dumm macht“), den preisgekrönten Film „More than Honey“ über das vermeintliche weltweite Bienensterben hat er aber schon viermal gesehen, zerpflückt die dort getroffenen Aussagen und zweifelt am Verstand der Juroren.

Liebig spricht von einer win-win-Situation für Landwirte und Imker, hinterfragt die Ursachen von Verlusten wie 2009 am Oberrhein oder 2007/2008 in den USA ebenso wie die volkswirtschaftliche Leistung der Bestäubung durch Bienen: „Dass ein Drittel unserer Nahrung Bienen zu verdanken ist, ist Blödsinn.“ Es gebe auch andere Bestäuber, unter den weltweit rund 20 000 Bienenarten nur zwei Honigbienenarten: die europäische und die asiatische. Erst nach Columbus seien in Amerika Honigbienen heimisch geworden, von den Indianern als „Fliege des weißen Mannes“ bezeichnet.

Pointiert, polemisch und kämpferisch tritt Liebig auf, sein lebhaftes Referat hat Unterhaltungswert, Widerspruch erstickt er im Keim. Das bremst auch die sich an den mehrstündigen Vortrag anschließende Diskussion aus, in der es unter anderem um den Insektizid-Einsatz von Neonikotinoden und andere fachspezifische Themen geht. Aber der mit viel Fachkkenntnis auftrumpfende Wissenschaftler hält Bienen auch für intelligenter als Menschen. Von wegen „Wir sind das Volk“.

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©Richter