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Michaela Schrader stammt aus Bilshausen und ist für IWF weltweit unterwegs

Klassentreffen am Potomac Michaela Schrader stammt aus Bilshausen und ist für IWF weltweit unterwegs

Es regnet in Strömen an diesem Dienstagabend. Die scheinbar unendliche Autoschlange auf dem fünfspurigen Highway entlang des Potomac-Flusses zieht sich quälend dahin. Auf der rechten Seite taucht kurz das Kapitol zwischen den Häuserschluchten auf, wenig später erhebt sich das „Washington Memorial“ aus der Dunkelheit.

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Selfie an der 19. Straße: USA-Korrespondent Stefan Koch und Kommunikationsexpertin Michaela Schrader vor einem IWF-Gebäude.

Quelle: Koch

Washington. Wir sind auf dem Rückweg in ihr Hotel, als Michaela etwas spöttisch zu mir sagt: „Na ja, Dein Orientierungssinn ist in all den Jahren auch nicht besser geworden. Du fährst ja einen riesigen Umweg.“

Tatsächlich: In diesem Moment verpassen wir die Abfahrt zu ihrer Unterkunft, und die nächste Ausfahrt kommt erst in zwei Meilen. Meine frühere Schulfreundin Michaela Schrader arbeitet seit drei Jahren für den Internationalen Währungsfonds (IWF) in Paris, aber im Zentrum der amerikanischen Hauptstadt ist ihr noch immer jeder Schleichweg bestens vertraut.

Es ist schon ein seltsames Gefühl: Man verliert sich über Jahrzehnte aus den Augen und kennt sich dennoch bestens. Alte Erinnerungen werden wach – an neun gemeinsame Schuljahre am Eichsfeld-Gymnasium, an Klassenfahrten und Urlaub in Südfrankreich.

Rückblickend erscheint uns das Wiedersehen in Washington allerdings gar nicht so erstaunlich: Michaela Schrader blickte schon als Jugendliche gern in die Ferne. Am Gymnasium zählte sie zu den Schülern, die sich für Austauschprogramme mit Frankreich und Großbritannien begeisterten.

Beim Deutschen Bundestag

Und in den Fremdsprachenunterricht bei Johannes Dietrich Lamberth und Bernd Heck ging sie schon damals wie durch ein Tor in eine andere, spannende Welt.

Später studierte die gebürtige Bilshäuserin Wirtschafts- und Verwaltungswissenschaft, arbeitete beim Deutschen Bundestag und wurde schließlich 2001 auf Empfehlung des damaligen IWF-Chefs und späteren Bundespräsidenten Horst Köhler nach Washington entsandt – nachdem sie ein strenges Auswahlverfahren mit 1500 Bewerbern erfolgreich durchlaufen hatte.

Die Turbulenzen in der globalen Finanzpolitik erlebt sie seitdem ganz unmittelbar mit: „Vor allem die Wirtschaftskrise 2008 und die anschließenden Schockwellen waren natürlich eine Herausforderung. Morgens um sechs nahm ich den Blackberry in die Hand, abends um elf legte ich das Telefon wieder auf den Nachttisch.“

Die ganz großen Aufregungen hätten sich zwar wieder gelegt, aber die weltwirtschaftliche Lage sei weiterhin so angespannt, dass von einem „normalen Job“ keine Rede sein könne. Eine Aufgabe, der sie sich aber durchaus gewachsen sieht.

Währungspolitik und Welthandel

Verantwortlich für die „Außenkommunikation“ der Mammutorganisation in Europa, hat sie seit Jahren die Strategie zur Währungspolitik und zum Welthandel zu erklären. Ihre Gesprächspartner sind in erster Linie Journalisten, Politiker und Ökonomen. „Meine Kollegen und ich funktionieren wie ein Scharnier, das sich in zwei Richtungen öffnen lässt: in die Öffentlichkeit und in den IWF.“

Wie es bei internationalen Häusern üblich ist, gehört der regelmäßige Ortswechsel zum Berufsalltag. Nach zehn Jahren in der Zentrale in der 19. Straße in Washington wechselte Schrader im März 2011 in das Europa-Büro des IWF in Paris.

Das Emporklettern der Karriereleiter bringt in diesem Fall sogar private Vorzüge mit sich: „Der Weg zu meinem Elternhaus im Eichsfeld hat sich mehr als halbiert. Und für meinen Ehemann Mark, der aus England stammt, ist es jetzt auch einfacher, alte Kontakte zu pflegen.“

Eine Art Klassentreffen

Und trotzdem: „Washington ist uns zur zweiten Heimat geworden.“ Ihre Eigentumswohnung in der US-Hauptstadt, die einen wunderbaren Blick über die Sehenswürdigkeiten am Potomac bietet, ist nur zwischenvermietet.

„In ein oder zwei Jahren komme ich sicherlich wieder zurück an die Ostküste.“ Die IWF-Herbsttagung in dieser Woche erscheint ihr denn nicht nur als wichtige Gelegenheit zum Netzwerken, sondern erinnert – bei der einen oder anderen Konferenz – an eine Art Klassentreffen.

Apropos Klassentreffen: Im nächsten Frühjahr jährt sich unser Abitur zum 30. Mal. Eine gute Gelegenheit für einen Besuch in der alten Heimat.

Stefan Koch (gebürtig aus Langenhagen) ist USA-Korrespondent der Mediengruppe Madsack, zu der auch das Eichsfelder Tageblatt zählt.

Von Stefan Koch

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