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Fachwerk-Tango

Milonga Fachwerk-Tango

Wenn Sonntagnachmittag Herren in freier Wildbahn mit Schuhbeuteln anzutreffen sind, ist Tanzen angesagt. Gäste aus dem gesamten Einzugsbereich des Fachwerkfünfecks, aus Einbeck, Hann. Münden, Northeim, Osterode und Duderstadt, sind zum Tango in den Fachwerksaal ins Haus St. Georg nach Duderstadt gekommen.

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Viele Interessierte verfolgten den Vortrag und die musikalischen Einlagen zum Tango von Leonardo Riva.

Quelle: Niklas Richter

Duderstadt. Sie lauschten bei der Milonga, so nennt sich eine Tangoveranstaltung, Gitarrenklängen und Gesang - und tanzten selbst.

Mit etwas Verspätung griff Leonardo Riva in die Saiten - viele der Gäste hatten wegen Straßensperrungen in ganz Südniedersachen Probleme mit der Anreise. Auch aus Bad Harzburg und Kassel waren Tangofreunde ins Eichsfeld gekommen.

Der Argentinier Riva lebt seit zehn Jahren in Deutschland und unterhielt die knapp 80 Zuschauer im Fachwerksaal mit Gitarrenklängen aus seiner Heimat. Er erklärte den Zuschauern anhand von musikalischen Beispielen die Entwicklung des Tango Argentino: Eine Art Minnesänger sei in Argentinien mit ihrer Gitarre umherzogen. Alles habe mit einer einfachen Melodie begonnen, so Riva. „Die wurde immer komplexer“, sagte er. „In zehn Jahren kamen um die Jahrhundertwende drei Millionen Menschen nach Argentinien, das hat das Land massiv beeinflusst“, sagte Riva. „So kamen ganz unterschiedliche Musikstile zusammen.“ In den Stadtteilen von Buenos Aires traf die Alltagsmusik der Gauchos auf die Europäer. Daraus entwickelte sich der Tango.

Durch ihren Vater die Liebe zum Tango entdeckt

Gesang ist auch beim Tango Argentino wichtig. Zur Unterstützung war Sängerin Anna Palupski, sie lebt in Nordhessen, nach Duderstadt gekommen. Sie hat eine klassische Gesangsausbildung und durch ihren Vater die Liebe zum Tango entdeckt. Mit ihr zusammen entwickelte Riva die Geschichte des Tangos weiter. Buenos Aires rückte Stück für Stück näher. „Das war eine schnelle Milonga“, sagte Riva, ein Vorläufer des klassischen Tango Argentino. Das Bandoneon, das typischste aller Tango-Instrumente, brachten erst die deutschen Einwanderer mit. „Tangotexte handeln eigentlich immer von einer Frau, meist von der wunderbaren Frau, die nicht erreichbar ist - oder von der Mutter.“ Mit Astor Piazzolla habe sich der Tango verändert, berichtete der Argentinier. Piazzolla stehe für den Tango Nuevo, „und in meinem nächsten Stück erzählt er von Buenos Aires“.

Doch nicht nur Tango hat Argentinien zu bieten. Riva spielte, längst hatte er überzogen, und die Tanzwilligen rutschten schon unruhig auf den Sitzflächen herum, ein Folklorestück, eine Chacarera trunca und dann Zamba. Das hat nichts mit der brasilianischen Samba zu tun, sondern ist ein traditioneller Tanz Argentiniens. „Diesen Tanz tanzt man nur mit seiner Frau“, berichtete Riva. Palupski singe dazu. Beide Künstler wurden mit viel Applaus verabschiedet.

Es war die fünfte Tango-Veranstaltung im Fachwerkfünfeck, die dann mit einer Chacarera, einem Volkstanz, in den bewegungsfreundlicheren Teil der Veranstaltung überging. „Leider kam die Begeisterung für den Tango Argentino bei Riva nicht richtig rüber, bei ihm stand mehr die Melancholie im Mittelpunkt“, sagte die Bad Harzburgerin Doris Leunig. „Die Emotion werden wir jetzt beim Tanzen auf das Parkett bringen.“

Osterodes Bürgermeister Klaus Becker, als Repräsentant des Fachwerkfünfecks, war mit Gattin Sabine nach Duderstadt gekommen. „Wir sind Standardtänzer, aber den argentinischen Tango wollen wir ausprobieren“, sagte Becker. „Toll finde ich, dass Menschen aus dem Fachwerkfünfeck mit einer großen Selbstverständlichkeit in andere Städte fahren. Dafür bin ich der Tango-Runde sehr dankbar.“

Starkmachen für das Tangotanzen in Duderstadt

Dass in Duderstadt auch weiter Tango getanzt werden kann, dafür macht sich Susanne Schlink stark. „Ich bin irgendwie die Tango-Patentante von Duderstadt geworden“, sagte Schlink. Sie setzt alle Hebel in Bewegung, damit auch in Duderstadt der Tango Argentino heimisch wird. Immer am Montagabend, das sei ihr Ziel, sollten sich die Tangotänzer treffen. „Gemeinsam mit der Stadt sind wir derzeit auf Raumsuche. Tänzer benötigen einen Parkettboden, aber wir werden einen geeigneten Raum finden“, gab sich Schlink optimistisch. Viva Tango Argentino.

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