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Mit 100 Jahren älteste Spielerin im Rommé-Club

Pokerface mit Lachfalten Mit 100 Jahren älteste Spielerin im Rommé-Club

Auch mit 100 Jahren kann man noch ein Pokerface zeigen. Das von Klara-Luise Ripping ist von Lachfalten durchzogen. Jeden Mittwoch mischt sie bei der Senioren-Rommé-Runde im Lorenz-Werthmann-Haus der Caritas in Duderstadt mit.

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Mehr Lebensjahre als Augen auf der Hand: Klara-Luise Ripping (100), Monika van der Grinten (62) und Lucia Anhalt (84), v.l.

Quelle: Mahnkopf

Duderstadt. „Das ist die Hundertjährige“, sagt eine Mitspielerin: „Das sieht man nicht auf den ersten Blick“. Auf den zweiten Blick auch nicht. Ripping könnte glatt für Mitte 70 durchgehen. „Große Karten – klare Zeichen“ steht auf dem Rommé-Spiel für Senioren, mit dem in der Scharrenstraße Karten gedroschen werden. Ripping ist seit fünf Jahren dabei, ihre Mitspielerinnen haben ihr einen Kartenhalter für das Ablegespiel gebaut.

Halt gibt ihr der Rommé-Club  nicht nur am Spieltisch. Wichtiger als die Karten sind die sozialen Kontakte. Als die Clubälteste krank war, bekam sie Briefe und Besuche, den 100. Geburtstag haben alle mitgefeiert. Halt gibt Ripping auch die Familie, die ihr sehr wichtig ist. Die Uroma ist immer dabei, wenn die zwei Töchter, fünf Enkel und zwei Urenkel etwas zu feiern oder zu besprechen haben. „Vielleicht pflegt sie mich noch, wenn ich ins Heim komme“, frotzelt Anne Vollmer über ihre fitte Mutter.

Die gebürtige Wuppertalerin, die 1950 durch Heirat nach Bernshausen gekommen ist und seit fünf Jahren im Haus St. Elisabeth in Wollbrandshausen lebt, ist am 30. August 100 Jahre alt, aber nicht amtsmüde geworden. Sie ist jetzt wieder in den Heimbeirat des Hauses St. Elisabeth gewählt worden. Auch an Ausflügen nimmt sie noch teil. Erst vor kurzem war sie im Bergwerk Rammelsberg im Harz. „Ich war froh, dass ich da wieder herausgekommen bin“, sagt Ripping und lacht. Wohler als im Stollen fühlt sie sich an der frischen Luft: „Ich war immer unterwegs und bin viel marschiert.“ Mit dem Rollator unternimmt sie immer noch Spaziergänge, wenn sie nicht strickt oder liest – oder Karten spielt. Zum Rommé-Club gekommen ist Ripping durch eine Bernshäuser Freundin. Nach Duderstadt gebracht wird sie vom Hausmeister des Hauses St. Elisabeth, zurückgefahren von ihrer Tochter.

Es ist ein fester Stamm von 20 Damen der Altersgruppe 60+, der sich zur Rommé-Runde in der Caritas-Einrichtung trifft, manchmal stoßen auch jüngere Zaungäste hinzu. „Wir sind der Nachwuchs“, sagt Monika van der Grinten (62): „Ein Quoten-Mann war auch schon dabei, ist dann aber zum Computer-Club gewechselt.“ Die Frauenrunde zeigt sich erstaunlich multitaskingfähig. Es wird viel geplaudert und zugleich konzentriert gespielt.

Michael Mücke, Leiter des Lorenz-Werthmann-Hauses, guckt den Frauen jede Woche über die Schulter, hat die Regeln aber immer noch nicht ganz begriffen. „Das sind ausgebuffte Spielerinnen“, sagt er und grinst: „Kartenspiele bringen viel in Bewegung und sind Gehirn-Jogging.“ Die Punkte stehen beim Rommé-Club im Hintergrund, der Wunsch zu gewinnen nicht – und manchmal wird sogar geflucht bei den „Golden Girls“. Allerdings nicht von Ripping: „Da ist man mit 100 Jahren drüber weg.“

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