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Mittelalterlicher Friedhof entdeckt

Mittelalterlicher Friedhof entdeckt Mittelalterlicher Friedhof entdeckt

Ursprünglich hatte der katholische Pfarrgemeindevorstand St. Cyriakus nur geplant, den Eingangsbereich des Pfarrhauses barrierefrei erreichbar zu gestalten. Untersuchungen ergaben aber zahlreiche Gebeine vor der Tür: den alten Friedhof von St. Cyriakus.

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Unter dem Rasen am Pfarrhaus liegen Gebeine.

Quelle: Niklas Richter

Duderstadt. Eigentlich ist es keine Überraschung: Fried- oder Kirchhöfe wurde jahrhundertelang um Kirchen herum angelegt. Den „Hof des Friedens“, aus dem später das Wort „Friedhof“ wurde, umgab eine Mauer, die in Teilen immer noch in Richtung Tabaluga-Haus sichtbar ist. „Da können wir nicht leichtfertig mit umgehen“, sagt Propst Bernd Galluschke. Doch so war das nicht vorgesehen: „Wie kommen Senioren mit Rollatoren oder Mütter mit Kinderwagen die Treppe hinauf?“ Der Wunsch, statt der Stufen gegenüber der Basilika einen barrierefreien Zugang zu ermöglichen, stand am Anfang der Entdeckung. „Wir haben mit der bischöflichen Behörde und dem Denkmalschutz häufig gesprochen, was gehen könnte und was nicht“, erläutert Galluschke. Zwei Proben unter dem Rasen vor dem Pfarrheim deuteten letztlich auf den mittelalterlichen Friedhof hin. Plötzlich war der Propst mit drei Fragen konfrontiert: Was geschieht mit den Gebeinen? Was mit der Fläche? Und wie lässt sich dennoch ein barrierefreier Zugang ermöglichen? Ein Architektenwettbewerb könne dazu beitragen, eine passende Lösung zu finden. Der Platz solle offener werden, hofft der Propst. Zudem könne besonders auf den früheren Friedhof hingewiesen werden - in Form eines Denkmals oder einer Infotafel.

1756 etwa wurden dort elf Erwachsene und zwölf Kinder, 1766 neun Erwachsene und 37 Kinder beerdigt, beschreibt die Chronik der St.-Cyriakus-Kirche. Auf dem Kirchhof stand zudem ein Beinhaus - vermutlich neben dem heutigen Museum - wie eine Rechnung aus dem Jahr 1610 belegt. Erst mit dem Beginn der Aufklärung Ende des 18. Jahrhunderts fanden innerhalb der Stadt keine Beerdigungen mehr statt. Anders als jüdische oder muslimische Friedhöfe gelte zwar kein ewiger Ruheplatz „bis zum Jüngsten Gericht“. Gleichwohl warnte Galluschke: „Das ist kein Kartoffelacker!“ Man müsse achtsam mit den Gebeinen umgehen: „Wenn Tote nicht mehr gewürdigt werden, geht eine Kultur den Bach runter.“ Vermutlich würden die Knochen dann auf den städtischen Friedhofes umgebettet.

„Stadt der Friedhöfe“

Duderstadt. Noch an mindestens drei weiteren Stellen innerhalb des Stadtwalls begruben in früheren Jahrhunderten die Duderstädter ihre Toten. Der Kirchhof St. Servatius umgab südlich die Unterkirche. Der Platz war begrenzt, Gebeine wurden wiederholt ausgegraben und ab dem 16. Jahrhundert in ein Beinhaus an der Ostseite untergebracht. Auch um die St.-Martini-Kapelle wurden jahrhundertelang vorwiegend Hospitalinsassen bestattet. Um die Liebfrauenkapelle wurde ein Friedhof bald so beengt, dass durch den Bau des Ursulinenklosters nur noch Kinder beerdigt wurden. Wie Ausgrabungen ergaben, besaß auch die Heiliggeist-Kapelle bis zu ihrem Abbruch einen eigenen Friedhof.

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