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Modelleisenbahn-Ausstellung in Wilhelm-Busch-Stube in Ebergötzen

Obama trifft Papst Modelleisenbahn-Ausstellung in Wilhelm-Busch-Stube in Ebergötzen

Die Welt der Modelleisenbahner ist eine der letzten Männerdomänen. Und sie ist klein. So klein, dass sie sich auf eine Platte montieren lässt. Und Begegnungen ermöglicht, die es in der wirklichen Welt nicht gibt oder gegeben hat. Beim „Schienenzauber“ in der Wilhelm-Busch-Stube wurden am Wochenende Barack Obama und der Papst gemeinsam vor dem Alsfelder Rathaus empfangen.

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Fachwerkhäuser, Kirche, Bahngleise und Blaskapelle: Sechs Jahre lang hat Haepe seine „Schienenzauber“-Anlage immer wieder erweitert.

Quelle: Schneemann

Ebergötzen. Vor dem einzigen Gebäude-Bausatz der Anlage, der nicht fiktiv ist, parkt auch Adenauers Limousine. Sie ist allerdings verwaist. Adenauer selbst hat Günter Haep verkauft. Allein von Ausstellungserlösen kann der gelernte Kaufmann und Modelleisenbahner, der sein Hobby zum Beruf gemacht hat, schließlich nicht leben. Als zweites Standbein handelt er mit Eisenbahnzubehör.

Sechs Jahre lang hat der 59-Jährige aus Obernjesa an seiner transportablen, zehn Meter langen Schau-Anlage gewerkelt.  Die ist schon viel durch die Region gewandert. Jeweils einen Tag dauert der Auf- und Abbau, die Zahl der Ausstelllungsbesucher schwankt zwischen 50 und 500. Ausgangspunkt war eine 25 Jahre alte Fertiganlage, die Haep ständig ausgebaut und erweitert hat. „Ich bin lebenslang von Modelleisenbahnen fasziniert gewesen“, bekennt er: „Meine erste Märklin-Anlage habe ich als Kleinkind bekommen.“

15 Züge aus allen Eisenbahnepochen drehen auf HO-Spuren ihre Runden zwischen einer Kleinstadt mit Gründerzeitgebäuden und einem Bergdorf, verschwinden in Tunneln und queren Brücken. Landwirtschaft und Industrie liegen dicht beieinander: Nur eine Kurve hinter einer Ölraffinerie sind Erntearbeiten im Gange. Wie auf einem Wimmelbild entdecken die Ausstellungbesucher in der Miniaturwelt immer wieder neue Details. Kleine Elektromotoren unter der Platte bewegen kaum einen Zentimeter große Figuren: Kinder auf einer Wippe, vibrierende Bauarbeiter mit Presslufthammer, grillende Mönche am Lagerfeuer, Holzhacker, Fotografen mit LED-Blitzlichtern, ein Rockkonzert mit Bratwurstbude, ein Kinderkarussell, das sich zwischen Polizei- und Feuerwehrfahrzeugen mit blinkendem Blaulicht dreht.

Die Anlage wird noch analog gesteuert – ein Anachronismus in der längst digitalisierten Welt der Modelleisenbahnfans. Gezählt hat Haep die Figuren auf seiner Anlage nicht. Er weiß aber, dass vor allem die bewegten Miniaturmenschen bei Frauen gut ankommen. Das zeigt sich auch bei der Ausstellung in Ebergötzen. Unter den mehr als 70 Besuchern sind durchaus Frauen vertreten – im Schlepptau ihrer Männer. Stets dabei ist Haeps Lebensgefährtin Martina. Anfangs hat sie sich für das Thema nicht interessiert, inzwischen spielt sie buchstäblich mit. „Es ist ganz wichtig, dass der Partner mitzieht“,  sagt Haep.

In Ebergötzen ist er nicht zum ersten Mal, seine Anlage hat er im Frühstücksraum der Gaststätte mit Gästezimmern und Ferienwohnung aufgebaut. Ein passenderes  Umfeld als die Wilhelm-Busch-Stube hätte er sich nicht aussuchen können. Alle Ablagen der nostalgisch-rustikalen Gaststube sind gespickt mit Spielzeug aus mehreren Jahrzehnten, das die üppige Dekoration ergänzt. Gastronom Jürgen Schneegans, der das Gasthaus seit drei Jahrzehnten betreibt und immer noch gerne hinter der Theke steht, spricht von der „einzigen Kinderkneipe Südniedersachsens“. Der 61-Jährige ist selbst passionierter Modelleisenbahner. Sogar in seinen Wohnzimmertisch hat er eine Minitrix-Anlage eingebaut, an der er mit seinem Enkel spielt.

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©Richter