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Nach 23 Jahren geht Propst Wolfgang Damm

Dechant wird verabschiedet Nach 23 Jahren geht Propst Wolfgang Damm

Das Erntedankfest ist ein guter Zeitpunkt, um in Ruhestand zu gehen“, meint Propst Wolfgang Damm (67). Am Sonntag verabschiedet ihn der Generalvikar des Bistums, Prälat Werner Schreer, während eines Gottesdienstes in der Kirche St. Cyriakus.

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Menschen sollen sich in Predigt mit Alltagssorgen wiederfinden: Seit 1987 ist Propst Wolfgang Damm Seelsorger in St. Cyriakus.

Quelle: AT

23 Jahre lang übte Damm das Amt des Propstes und des Dechants des Untereichsfeldes aus. Als er 1987 in Duderstadt anfing, waren ihm Stadt und Region nicht fremd. Der gebürtige Krebecker hatte von 1954 an in Duderstadt das Gymnasium besucht. Nach Studium und Priesterweihe kehrte er 1972 für fünf Jahre als Kaplan zurück. 6000 Mitglieder hatte die Gemeinde damals. 4500 von ihnen gingen sonntags in einen der Gottesdienste. „Mit jedem Jahr, das ich in Duderstadt rumseelsorgte, sank die Zahl der Gottesdienstbesucher um 100 Personen“, erzählt er. Als Berufsanfänger habe ihn das hart getroffen, bekennt er.

„Als ich 1977 Duderstadt verließ, leistete ich einen inneren Schwur, nie wieder zurückzukehren“, berichtet er. Damals stand eine neue Aufgabe vor ihm: die Militärseelsorge. Er wurde damals Bundesbeamter. Der Personalchef in Bonn sagte zu ihm: „Die meisten ihrer Kollegen verpflichten sich auf acht Jahre. Das habe ich hier auch schon eingetragen.“ Damm unterschrieb und der Personalchef zog das Blatt blitzschnell weg. Verwundert fragte Damm: „Warum diese Eile?“ Der Personalchef lachte: „Sie hätten sich auch nur für sechs Jahre verpflichten können.“ Damm blieb am Ende zehneinhalb Jahre bei der Bundeswehr.

Die Sehnsucht nach dem Eichsfeld erwachte schneller als erwartet. Zum ersten Standortgottesdienst, den der junge Geistliche in Nienburg anbot, erschienen 15 Soldaten. „In Duderstadt könntest du die Heilige Messe jetzt mit 1500 Menschen feiern“, dachte der Krebecker reumütig. Nach drei Jahren wechselte er von Nienburg nach Munster. Von dieser Stadt hieß es damals: „Munster hat keine Kaserne, Munster ist eine.“ Den Namen auf dem Ortsschild hatten Soldaten mit einem kleinen Bogen in „Monster“ abgeändert. Damm betreute dort neben Offizieren und Unteroffizieren auch eine zivile Gemeinde. Der Priestermangel machte sich schon damals bemerkbar.

1987 kehrte der Geistliche als Propst ins Eichsfeld zurück und löste seinen ehemaligen Chef Karl Kollmann ab. „Die Seelsorge war mein Hauptanliegen“, sagt er. In der Verkündigung habe er sich bemüht, „dass die Menschen sich mit ihren Alltagssorgen wiederfinden in der Predigt“. Die Ökumene habe während seiner Amtszeit eine „andere Rolle gespielt als früher“.

Einen wichtigen Schwerpunkt seiner Arbeit sieht der Propst im karitativen Bereich. Von 1988 bis 2010 war er Vorsitzender des Caritasverbands. Unter seiner Leitung wurde das frühere Ausflugslokal Schanze und die ehemalige Brauereiniederlassung zu einem Caritaszentrum ausgebaut.
Mit Unterstützung vieler Helfer, so Damm, gelang es das Haus St. Georg, das alte Schülerwohnheim in der Kardinal-Kopp-Straße 31, mit Leben zu füllen. 1987 nutzte lediglich die Familienbildungsstätte einen kleinen Teil des Gebäudes. Dann zog dort ein Hort ein. Als die Vinzentinerinnen den Kindergarten St. Laurentius schlossen, kam ein Kindergarten mit drei Gruppen hinzu. Das Jugendzentrum Emmaus bekam in dem Haus Räume. Während des Balkankriegs quartierte die Stadt vier Großfamilien im Dachgeschoss ein.

Hinterlässt der Propst also zu seinem Abschied am Erntedank-Sonntag gefüllte Scheunen? Damm winkt ab. Für seinen Nachfolger, Bernd Galluschke, werde es nicht einfach, meint er. Bis 2014 sollen aus den Seelsorgeeinheiten Einheitsgemeinden werden. Unter den Gläubigen gibt es Ängste, dass das kirchliche Leben in den Orten erlischt.

Damm kann das nachvollziehen. Ihn ärgert aber, dass sich der Zorn einiger gegen den Bischof in Hildesheim richtet. Das Problem ist seiner Einschätzung nach das zurückgehende Interesse bei den Christen selbst.
„Als ich 1987 ins Eichsfeld zurückkehrte, war die Zahl der sonntäglichen Gottesdienstbesucher auf 2000 Personen gesunken“, sagt er. Heute seien es weniger als 1000 Gläubige, die zudem vielfach aus den Ortsteilen kämen. Altes Brauchtum werde nicht mehr gepflegt. „Früher war es bei Todesfällen üblich, dass an den drei Abenden vor der Beisetzung abends in der Kirche der Rosenkranz gebetet wurde“, nennt Damm ein Beispiel. Heute machten dass die Menschen nicht mehr. Die Prioritäten hätten sich verändert. Dafür trage der Bischof keine Verantwortung, er müsse aber die notwendigen Konsequenzen ziehen.

„Ich bin froh, dass Bernd Galluschke Ja zu dem Stellenangebot im Eichsfeld gesagt hat“, betont der Propst. Es sei nicht einfach, jemanden für dieses Amt zu finden. Die Priester des Bistums kämen oft aus den Städten und wollten nicht aufs Land. Sie fühlten sich mit der Verwaltung von Ländereien überfordert, hätten auf einmal mit Milchquoten zu tun oder müssten sich auch schon Mal über Bauern ärgern, die entgegen Absprachen Klärschlamm auf gepachtetes Kirchenland aufbrächten. Und die Zulage, die ein Dechant erhalte, verdiene auch erst seit einiger Zeit ihren Namen.
Und was macht der Propst, der bereits von Duderstadt ins nahe Westerode gezogen ist, im Ruhestand? „Jetzt brauche ich erst einmal Ruhe“, erklärt der 67-Jährige. Die Arbeit sei für ihn nie ein Problem gewesen, aber mancher Ärger sei ihm auf den Magen geschlagen.

Der Gottesdienst zur Verabschiedung von Propst Wolfgang Damm beginnt am morgigen Sonntag um 16 Uhr in der Kirche St. Cyriakus. Im Anschluss besteht im Pfarrheim, An der Oberkirche, Gelegenheit zur Begegnung.

Von Michael Caspar

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