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Nachfolger für Gasthaus Schenke gesucht

Nesselröden Nachfolger für Gasthaus Schenke gesucht

Nach 160 Jahren in Familienbesitz endet eine gastronomische Ära. Weil Günter und Ilona Schenke aus gesundheitlichen und aus Altersgründen den Betrieb nicht fortsetzen können, ist die Zukunft des Hotel-Gasthauses Schenke nach dem 31. Dezember ungewiss.

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Gastromisches Ziel mit langer Tradition: das Hotel-Gasthaus Schenke in Nesselröden.

Quelle: Niklas Richter

Nesselröden. „Ich möchte es in beste Hände geben, es ist schließlich unser Herzblut“, sagt Inhaber Günter Schenke und verweist darauf, dass Verhandlungen im Gange seien. Wie hoch der Investitionsbedarf sei, hänge vom künftigen Nutzerkonzept an. „Wir haben über private Kontakte und öffentliche Immobilienfirmen versucht, weiter eine gastronomische Nutzung zu erreichen“, erläutert Schenke. Gestalterisch biete auch der Garten noch viele Möglichkeiten.

Kulturelles Leben hängt zentral an diesem Saal

„Ich versuche zu begleiten, wo ich kann“, sagt Ortsbürgermeister Bernd Frölich (CDU). Er habe auch die Wirtschaftsförderung Region Göttingen (WRG) ins Spiel gebracht. In einem ersten Austausch sei ihm signalisiert worden, „dass man sich über den Aspekt des kulturellen Lebens etwas vorstellen kann“. Frölich: „Für den gesamten Ort hängt kulturelles Leben zentral an diesem Saal.“ Die WRG könne als ein Baustein in eine Gesamtlösung eingebracht werden.

Günter Schenke hatte das von Johannes Schenke 1857 gegründete Haus als fünfte Generation 1972 übernommen. Er ließ das Fachwerkhaus, das zugleich sein Geburtshaus war, bis auf den 1909 angebauten Saal, abreißen und wieder aufbauen, „um zu modernisieren und die Zahl der Hotelzimmer von zwei auf 13 zu erhöhen“, berichtet der 71-Jährige. Erste große Feier in den neuen Räumen sei die Hochzeit mit seiner Frau Ilona gewesen.

Zusammen mit dem Heimat- und Verkehrsvereinen in Nesselröden und Duderstadt sei eine enge Kooperation aufgebaut worden. Diese habe es ermöglicht, den Teilnehmern größerer Busgruppen eine Übernachtungsmöglichkeit zu bieten. „Wir haben durch Eigenwerbung oft drei Wochen hintereinander einen Bus hier gehabt“, erklärt der Nesselröder. Zu den Teilnehmern der Reisen hätten viele Eichsfelder gehört, die sich als Fremdarbeiter im Ruhrgebiet niedergelassen hatten, aber auch unter anderem Kegelclubs. Einen zusätzlichen Schub habe die Grenzöffnung gebracht, für viele Westdeutsche sei Nesselröden der Startpunkt für Ausflüge in die frühere DDR gewesen.

Ein Begriff sei das Gasthaus für Familienfeiern. „Wir hatten Gäste, die haben ihre Taufe bei uns gefeiert, ihre Kommunion, ihre Grüne Hochzeit und ihre Silberhochzeit“, erzählt Schenke.

Kulinarisches Konzept bleibt konstant

Das kulinarische Konzept mit frisch zubereiteten Speisen habe sich in all den Jahren nicht geändert. „Wir machen gut-bürgerliche Küche zu einem anständigen Preis“, berichtet Schenke. Ein Renner über all die Jahre seien „Schnitzel in vielen Variationen“ und Wild gewesen. Unter den Gästen hätte die Zahl der Vegetarier und Veganer und Menschen mit Lebensmittelunverträglichkeiten deutlich zugenommen. Die Karte sei umfangreicher geworden „und wir haben immer wieder etwas Neues ausprobiert“, berichtet Schenke, der am liebsten Saure Klebchen isst.

Zu Umsatzeinbußen habe der Neubau von Vereinsheimen gezählt, in denen es teilweise auch eigene Stammtische gebe, deren Besucher sich in früheren Zeiten in der Gastronomie getroffen hätten. Außerdem gebe es das Dorfgemeinschaftshaus als Treffpunkt. Seit bekannt sei, dass die Geschichte des Familienbetriebes ende, habe die Zahl der Gäste und Nachfragen deutlich zugenommen, berichtet Schenke. „Uns tut es sehr, sehr leid, dass wir schließen müssen“, sagt er und fügt hinzu: „Wenn ich noch zehnmal auf die Welt komme, werde ich wieder Gastronom.“

Von Axel Artmann

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